Schweinegrippe: In München wütet sie am schlimmsten

München - Die Bayern sind derzeit am schlimmsten von der Schweine­grippe betroffen. Allein übers Wochenende kamen nach Angaben des Schweinegrippe-Sonderstabs in München 300 neue Kranke hinzu.

Nach dem neuesten Epidemiologischen Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts sind akut mehr als sieben von 100 000 Bürgern krank – so viele waren es seit dem Ausbruch der Schweinegrippe in Deutschland Ende April in keinem anderen Bundesland in einer einzigen Woche. Der Anteil der H1N1-Infizierten klingt mickrig: Er liegt aber um ein Vielfaches über dem anderer Bundesländer. Und er steigt seit Wochen an – vor allem in München. Allein übers Wochenende kamen nach Angaben des Schweinegrippe-Sonderstabs der Stadt 300 neue Kranke hinzu, 1750 Menschen hatten sich mit H1N1 angesteckt. Fast 500 Münchner aus dem Landkreis waren betroffen.

Experten fürchten eine bis zu zehnmal so hohe Dunkelziffer. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bestätigt. „Wir beobachten einen deutlichen Anstieg im Süden“, sagt Sprecherin Lea Estel. Grundsätzlich werde im Freistaat aufgrund der guten Labore viel getestet, auch das könnte die Fallzahlen erhöhen. „Außerdem hat die Grippe-Saison begonnen: Die Menschen sind anfälliger, halten sich mehr in geschlossenen Räumen auf und stecken sich leichter an.“ In einigen Landkreisen habe es auch Ausbrüche vor allem an Schulen gegeben. In der Tat: Anfang vergangener Woche war in München noch von kranken Kindern an 60 Schulen die Rede, Ende der Woche waren es schon 100 (tz berichtete).

Am Montag verzeichnete der Schweinegrippe-Sonderstab 125 Häuser mit H1N1-kranken Schülern! Die Stadt schließe keine Schulen und Kindergärten mehr, sagte Sonderstab-Sprecherin Daniela Schlegel. Auch das Gesundheitsamt kämpft mit dem rasanten Anstieg. „Wir bekommen laufend neue Fälle“, sagt Renate Binder vom Gesundheitsreferat. „Die Schweinegrippe ist voll in der Bevölkerung angekommen.“ Der Informationsbedarf steige – vor allem zur Impfung. Die ist aber beim Gesundheitsamt nicht möglich. „Uns brechen die Leitungen zusammen. Die Bürger sollten sich bei ihren Hausärzten beraten lassen.“

David Costanzo

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