Abriss des Karstadt am Dom: Mit Schneekanonen gegen den Staub

Die schwierige OP im Herzen der Stadt

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Vom südlichen Domturm aus kann man erkennen, dass der ehemalige Karstadt am Dom von innen heraus abgerissen wird. Die Nordfassade zur Fußgängerzone ist noch völlig unversehrt. Bis Ende 2013 entsteht hier das „Joseph Pschorr Haus“

München - Hinter der mit Absperrgittern versehenen Fassade des Karstadt am Dom geht derzeit der größte Abriss der Innenstadt vonstatten. Von der schwierigen OP im Herzen der Stadt bemerkt kaum ein Passant etwas.

Zehntausende Passanten pilgern Tag für Tag durch die Neuhauser Straße. Ihr Weg führt auch am seit Ende März geschlossenen Karstadt am Dom vorbei. Dass hinter der mit Absperrgittern versehenen Fassade der derzeit größte Abriss der Innenstadt vonstatten geht, bemerkt kaum ein Fußgänger. Denn seit August wird das Kaufhaus von der Schörghuber-Gruppe dem Erdboden gleichgemacht. Um das zu sehen, muss man aber zur Rückseite des Kaufhauses gehen.

So verändert München sein Gesicht

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Perspektivenwechsel: Am Altheimer Eck klafft an der Rückseite eine Lücke in der Fassade, die in den Innenhof des Warenhauses führt. Man hat das Kaufhaus von hinten regelrecht aufgesägt, um mit den großen Baumaschinen in den Innenhof zu gelangen. Dort hat ein Kranbagger Stellung bezogen. An seinem Arm sind abwechselnd ein Presslufthammer und eine mannshohe Stahlbetonschere im Einsatz. Stück für Stück wird der sechs Geschosse hohe Bau in kleine Betonbrocken zerlegt, die per Laster weggebracht werden. Eine zur Regenmaschine umfunktionierte Schneekanone soll dafür sorgen, dass der Staub vor Ort niederrieselt und sich nicht auf die Nachbarhäuser legt.

Blick vom Inneren der Baustelle heraus zum Altheimer Eck. Abrissbagger höhlen das Kaufhaus aus, die Fassaden fallen zum Schluss.

Nach und nach werden sich die Baumaschinen von innen zu den Außenfassaden vorarbeiten – das 1962 eröffnete Kaufhaus wird quasi von innen ausgehöhlt. So lange, bis nur noch die Fassaden stehen, die dann nach innen geklappt werden. Als erstes wird die Fasade am Altheimer Ecke verschwinden, dann die an der Eisenmannstraße und zuletzt die an der Neuhauser Straße. Die Passanten brauchen sich aber keine Sorge machen, dass man die Fußgängerzone sperren muss. „Der Passantenfluss in der Fußgängerzone wird während der Zeit der Projektentwicklung weiterhin problemlos möglich sein“, verspricht Schörghuber-Unternehmenssprecher Bernhard Taubenberger. „Wir errichten zur Fußgängerzone einen drei Meter hohen Holzbauzaun.“ Der Baustellenverkehr wird über das Altheimer Eck abgewickelt.

Im Frühjahr des kommenden Jahres beginnt der Schörghuber-Konzern auf dem freigeräumten 5000 Quadratmeter großen Grundstück mit dem Neubau des „Joseph Pschorr Hauses“. Mit dieser Namensgebung will die Schörghuber-Gruppe an den Gründer der Brauhaus- Dynastie im Jahr 1820 erinnern.

Der neue Komplex wird, so Taubenberger, „ein modernes Gebäudeensemble, das mehrere getrennte Einzelhandels- und Büroflächen und Wohnenheiten sowie eine Tiefgarage integriert." Der Konzern plant ein Geschäftshaus mit in 44 000 Quadratmetern Nutzfläche, verteilt auf sechs oberirdische Stockwerke und vier Untergeschosse. Es soll kein Kaufhaus mehr werden im klassische Sinne sondern ein Einkaufszentrum vom 1. Untergeschoss bis zum 3. Stock, in dem sich Einzelhändler oder Ketten Läden mieten können. Taubenberger spricht von „Shop-Lösungen mit klar umrissenen Verkaufsflächen“. Damit dafür im Neubau Platz ist, wird die Tiefgarage, die im Altbau in den oberirdischen Geschossen bis zum Dach reichte, in die Keller verlegt. Der vierte und fünfte Stock wird Büros und Wohnungen beherbergen. Der Neubau, den das Berliner Architekturbüro Kuehn- Malvezzi geplant hat, wird im Inneren zwei Lichthöfe haben. Die Eröffnung des „Joseph Pschorr Hauses“ ist für Ende 2013 geplant.

Ein Kaufhaus auf Brauer-Grund

Der Münchner Bierbrauerkönig Joseph Pschorr ersteigerte 1820 aus einer Zwangsvollstreckung die Brauerei „Zum Bauernhansl“ in der Neuhauser Straße. Darin gründete er die Pschorr Brauerei, die er seinem Sohn vererbte. 1896 wurde die Brauerei in die Groß-Gaststätte „Pschorr-Bierhallen“ umgewandelt, die im 2. Weltkriegzerstörtwurde. Danach diente ein Teil des Grundstücks als Biergarten. 1960bis1962wurde dort das „Neckermann- Kaufhaus“ errichtet, einer der ersten Betonfertigteilbauten Münchens. Als Neckermann und Karstadt 1976 fusionierten, wurde das Kaufhaus der „Karstadt am Dom“, der heuer nach der Karstadt-Pleite schloss.

Johannes Welte

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