Vorsicht! Henkel ruft Putzmittel zurück - Gesundheitsgefahr

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Abriss des Karstadt am Dom: Mit Schneekanonen gegen den Staub

Die schwierige OP im Herzen der Stadt

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Vom südlichen Domturm aus kann man erkennen, dass der ehemalige Karstadt am Dom von innen heraus abgerissen wird. Die Nordfassade zur Fußgängerzone ist noch völlig unversehrt. Bis Ende 2013 entsteht hier das „Joseph Pschorr Haus“

München - Hinter der mit Absperrgittern versehenen Fassade des Karstadt am Dom geht derzeit der größte Abriss der Innenstadt vonstatten. Von der schwierigen OP im Herzen der Stadt bemerkt kaum ein Passant etwas.

Zehntausende Passanten pilgern Tag für Tag durch die Neuhauser Straße. Ihr Weg führt auch am seit Ende März geschlossenen Karstadt am Dom vorbei. Dass hinter der mit Absperrgittern versehenen Fassade der derzeit größte Abriss der Innenstadt vonstatten geht, bemerkt kaum ein Fußgänger. Denn seit August wird das Kaufhaus von der Schörghuber-Gruppe dem Erdboden gleichgemacht. Um das zu sehen, muss man aber zur Rückseite des Kaufhauses gehen.

So verändert München sein Gesicht

Hofstatt, Residenzpost, auch der Karstadt am Dom: In der Innenstadt bleibt derzeit kaum ein (Pflaster-) Stein auf dem anderen. Die City macht in diesen Monaten die größte Verjüngungskur seit dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit vor Olympia 1972. Wir zeigen Ihnen, wo die Münchner in der Altstadt schon etwas Geduld brauchen und wo sie in absehbarer Zeit mit Baustellen zu rechnen haben. © Kurzendörfer
Die Hofstatt: Das ist ­eigentlich nicht nur eine Baustelle – das sind gleich mehrere! Dazu gehört dieser Abschnitt hier in der Sendlinger Straße. Wo sich momentan Baugerüste zwischen den Altbauten spannen, werden innerhalb der kommenden zwei Jahre neue Geschäfts- und Büroräume entstehen. © Kruse
 Das 11 000 Quadratmeter große Grundstück wird zu einem Multifunktions-Komplex umgebaut: Das mit einer Shopping-Passage durchzogene Quartier soll künftig 10 000 Quadratmeter Platz für Handel und Gastronomie, 15 000 Quadratmeter für Büros und Dienstleistungen sowie 13 500 Quadratmeter für Wohnen bereit halten.  © fkn
Der Abriss begann schon Anfang 2009. Eigentlich sollte der Komplex 2011 fertiggestellt werden. Doch unvorhergesehene Altlasten und Probleme bei der Finanzierung brachten das Bauprojekt ins Stocken. © fkn
Der Kerngedanke für die neue Hofstatt ist eine dreiarmige Passage (Ausgänge zu Sendlinger Straße, Hackenstraße und Färbergraben) © fkn
Glänzende Lage – und entsprechende Mieter… Im neuen Palais an der Oper wird unter anderem die Luxusmarke Louis Vuitton ihr neues Deutschland-Hauptquartier beziehen. © Kurzendörfer
Hans Schlamp, geschäftsführender Gesellschafter von Investor Accumulata: „Die Bauarbeiten am Palais an der Oper kommen zügig voran.“ © fkn
fkn
Auch dank Wochenend-Extraschichten der Bauarbeiter. Die Fertigstellung ist für nächstes Jahr geplant. © 
So sah es dort früher aus. © Kruse
Polizeipräsidium: Seit Anfang 2010 wird der Richtung Löwengrube liegende Teil des Polizeipräsidiums saniert. Das vor 99 Jahren anstelle des Augustinerklosters errichtete Polizeigebäude hatte im Krieg schwere Schäden erlitten und wurde damals rasch neu aufgebaut. Seit 2001 wurde der Komplex zunächst an der Ettstraße saniert, 2002 wurde das Posteck als Erweiterungsbau errichtet. © Westermann
Jetzt ist der seit Jahren unansehnlich gewordene Teil an der Löwengrube dran. Drei Jahre lang wird der Trakt für 27 Millionen Euro saniert. Kriminaldauerdienst, Mordkommission und Spurensicherung mussten in andere Dienststellen umziehen – zum Teil in ein angemietetes Gebäude in der Hansastraße. © Westermann
Dom/Münchner Bank: Direkt im Angesicht der beiden Domtürme wird derzeit die bisherige Zentrale der Münchner Bank umgebaut. Die Hauptverwaltung des Instituts ist in den Arabellapark gezogen. © Jantz
Bis Mai 2012 soll das Gebäude in ein Wirtshaus mit 250 Sitzplätzen drinnen und einer Terrasse für 125 Gäste umgebaut werden. Eine Bank-Filiale bleibt erhalten. Während die Fassade zum Frauenplatz im Wesentlichen erhalten bleiben soll, wird die Seite zur Augustinersraße völlig neu gestaltet. Die Domtürme, die derzeit saniert werden, bleiben bis 2016 Baustelle. Danach soll das Kirchenschiff erneuert werden. © fkn
Zentraler geht’s wirklich nicht: Mitten in der ­Fußgängerzone, wo früher der Karstadt am Dom ­residierte, entsteht derzeit in einer riesigen Baugrube ein schickes neues ­Gebäude. © Kruse
Fertig werden soll’s bis Herbst 2013, aber die wesentlichen ­Mieter stehen jetzt schon fest. Nämlich: Sport Scheck (auf 10 000 ­Quadratmetern) sowie die Mode-Ketten Mango und Forever 21. © fkn
Das neue Bauwerk soll  „Joseph Pschorr Haus“ heißen. Damit wird an den Vater der Brauerei-Dynastie erinnert, der 1820 das Grundstück kaufte und dort die Pschorr Brauerei gründete. 1896 entstanden dort die Pschorr-Bierhallen, die im Krieg zerstört wurden.  © fkn
Auf dem 5000-Quadratmeter großen Grundstück soll ein aus fünf Obergeschossen, vier Untergeschossen und zwei Lichthöfen bestehender Multi-Funktionsbau entstehen – mit Geschäften, Wohnungen, Büros und einer Tiefgarage auf insgesamt 44 000 Quadratmetern Nutzfläche. © fkn
So mancher sagt: „Das ist eigentlich Münchens netteste Einkaufsstraße – bloß ein bissl zu eng ist es.“ Aber das ändert sich… In der Sendlinger Straße der Zukunft wird’s mehr Platz zum Flanieren geben – weil die Auto-Spuren wegfallen und einem neuen Stück Fußgängerzone weichen! © Kruse
 Wenn die Bauarbeiten auf dem Hofstatt-Areal (ehemalige SZ) beendet sind, soll die Sendlinger Straße zwischen Färbergraben und Hackenstraße zur Fußgängerzone werden. Auch die Dultstraße soll autofrei werden. Dabei fallen 41 Kurzzeitparkplätze weg. Der Gehweg ist mittlerweile für 3000 und am Samstag sogar 4000 Fußgänger zu klein. Das soll sich durch den Umbau ändern. © Schlaf
Im kommenden Jahr (2012) sollen die Bauarbeiten losgehen. Der genaue Termin hängt auch vom Fortschritt in Sachen Hofstatt ab. © fkn
Kruse
So sieht es in der Sendlinger Straße derzeit aus. © Kruse
Parkhaus Hildegardstraße: Das städtischen Parkhaus an der Hildegardstraße mit seinen 500 Stellplätzen soll verkauft werden – und einem Wohn- und Geschäftshaus weichen. Das Kommunalreferat hat das Grundstück gerade europaweit ausgeschrieben – der neue Investor soll auch eine Parkgarage unter dem Thomas-Wimmer-Ring errichten. © Kurzendörfer
Kaufingerstraße 11: Geht es nach den Besitzern, dann soll das Haus Nummer 11 an der Kaufinger Straße bis 2014 einem Neubau weichen. Derzeit ist in dem Geschäftshaus zwischen C&A und Kaufinger-Tor-Passage ein Schuhgeschäft. Der erste Fassadenentwurf fiel allerdings bei der Stadtgestaltingskommission durch. Jetzt wird umgeplant. © Schlaf
Alte Akademie : Das altehrwürdige Jesuitenkloster an der Neuhauser Straße war einst die Keimzelle der Gegenreformation. Baumeister Friedrich Sustris erbaute sie Ende des 16. Jahrhunderts zusammen mit der St. Michaelskirche im damals hochmodernen Renaissance-Stil. Nach Verbot des Jesuitenordens 1779 diente das Kloster als Akademie der Bildenden Künste – daher der Name Alte Akademie. © Bodmer
Im Krieg zerstört, wurde die Fassade zur Neuhauser Straße wieder neu errichtet, dahinter zog das Landesamt für Statistik ein sowie das Kaufhaus Hettlage. Der Freistaat Bayern will den Komplex in allerbester Lage verkaufen, die Rede ist von einem geplanten Erlös von 120 Millionen Euro. Das Statistik-Amt zieht nach Fürth um. Was mit dem Bau geschehen soll, ist unklar. Ein neuer Investor müsste auf jeden Fall die denkmalgeschützte Fassade erhalten. © Bodmer
Hirmer Parkhaus und Sattlerstraße : Das Hirmer-Parkhaus und die Sattlerstraße sind so etwas wie das hässliche Entlein der Innenstadt. Darum will die Stadt das ihr gehörende Parkhaus mit seinen 550 Stellplätzen abreißen. Der Pachtvertrag läuft 2016 aus, damit wäre der Weg für einen Abriss frei. Auch das gegenüberliegende Postgebäude aus dem Jahr 1958 darf abgerissen werden. © Götzfried
Die Stadt will einen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal ausloben, bei dem auch die Sattlerstraße zu einem ansprechenden Platz umgestaltet werden soll, der dann die Kaufinger-Tor-Passage mit der künftigen Hofstatt-Passage verbinden soll. © Götzfried
Konzerthaus am Marstall: Der ehemalige bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser will auf der Grünfläche hinter dem Marstall einen neue Konzertsaal für die BR-Symphoniker bauen. Die Symphoniker sind mit der Akustik der Philharmonie im Gasteig (Bild) nicht zufrieden, die Stadt plant dort auch bis auf Weiteres keinen Umbau. © fkn
Viktualienmarkt: Dem Viktualienmarkt steht eine Generalsanierung ins Haus. Grund sind die strengen Hygienevorschriften der EU, denen die zum Großteil aus den Nachkriegsjahren stammenden Standl nicht mehr entsprechen. Das Kommunalreferat will auch neue Kunden- und Personaltoiletten schaffen. Außerdem sollen die Standl die Möglichkeit bekommen, ihre Ware vor Kälte und Hitze zu schützen, so dass das jetzige Planengewirr gelichtet werden kann. © Bodmer
Dazu soll ein Wettbewerb ausgelobt werden, in dem Architekten ihre Ideen für die Umgestaltung zeigen können. In unmittelbarer Umgebung wird schon in der Westenriederstraße neben dem Sedlmayr gebaut: Dort entsteht auf dem alten Schotterparkplatz ein neues Wohn- und Geschäftshaus. © Bodmer
Dienerstraße und Residenzstraße: Die Nord-Süd-Querung der Altstadt macht dem Stadrat schon seit Jahren Sorgen – eigentlich sollte diesen Herbst der Umbau des Radwegs durch die Residenz- und Dienerstraße zum Marienplatz durchgeführt werden. Der Stadtrat hatte das Planungsreferat um ein Konzept gebeten, bislang liegt das aber noch nicht im Baureferat vor – daher kann nicht gebaut werden. © Bodmer
Tal: Das Tal zwischen Altem Rathaus und Isartor sieht nicht gerade so aus, wie sein Name vermuten lassen könnte. Das soll sich ändern: Die Stadt will die Gehsteige verbreitern und die Fahrbahnen verengen sowie weitere Bäume anpflanzen. 1,35 Millionen Euro soll die Maßnahme kosten, die eigentlich kommendes Jahr beginnen sollte.  © Kurzendörfer
Doch wegen der Finanzkrise wurde das Projekt zunächst verschoben. Bis dahin haben SPD und Grüne Zeit, ihre Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Bordsteine beizulegen. Auch die Zahl der Parkplätze, die gestrichen werden sollen, ist umstritten. © Kurzendörfer
Thomas-Wimmer-Ring: Hier steht den Münchnern eine weitere Großbaustelle ins Haus. Unter dem Thomas-Wimmer-Ring soll ein Investor eine Tiefgarage für 500 Autos bauen. Der gleiche Investor soll auch das Parkhaus an der Hildegardstraße abreißen und durch ein Geschäftshaus ersetzen. © Kruse
Max-Joseph-Platz: Auch der Max-Joseph-Platz soll umgestaltet werden. Nach Plänen des Stadtheimatpflegers und Architekten Gert Goergens soll die Zufahrt zur Tiefgarage von der Ostseite auf die Westseite zur Residenzstraße hin verlegt werden. So würden Reisebusse und Autos nicht mehr den Blick auf die Oper verstellen. Bislang scheiterte die Idee aber an den Kosten, die auf 4,5 Millionen Euro geschätzt werden. Die Stadrats-SPD will, dass der Freistaat Bayern dafür Geld zur Verfügung stellt. © Schlaf

Perspektivenwechsel: Am Altheimer Eck klafft an der Rückseite eine Lücke in der Fassade, die in den Innenhof des Warenhauses führt. Man hat das Kaufhaus von hinten regelrecht aufgesägt, um mit den großen Baumaschinen in den Innenhof zu gelangen. Dort hat ein Kranbagger Stellung bezogen. An seinem Arm sind abwechselnd ein Presslufthammer und eine mannshohe Stahlbetonschere im Einsatz. Stück für Stück wird der sechs Geschosse hohe Bau in kleine Betonbrocken zerlegt, die per Laster weggebracht werden. Eine zur Regenmaschine umfunktionierte Schneekanone soll dafür sorgen, dass der Staub vor Ort niederrieselt und sich nicht auf die Nachbarhäuser legt.

Blick vom Inneren der Baustelle heraus zum Altheimer Eck. Abrissbagger höhlen das Kaufhaus aus, die Fassaden fallen zum Schluss.

Nach und nach werden sich die Baumaschinen von innen zu den Außenfassaden vorarbeiten – das 1962 eröffnete Kaufhaus wird quasi von innen ausgehöhlt. So lange, bis nur noch die Fassaden stehen, die dann nach innen geklappt werden. Als erstes wird die Fasade am Altheimer Ecke verschwinden, dann die an der Eisenmannstraße und zuletzt die an der Neuhauser Straße. Die Passanten brauchen sich aber keine Sorge machen, dass man die Fußgängerzone sperren muss. „Der Passantenfluss in der Fußgängerzone wird während der Zeit der Projektentwicklung weiterhin problemlos möglich sein“, verspricht Schörghuber-Unternehmenssprecher Bernhard Taubenberger. „Wir errichten zur Fußgängerzone einen drei Meter hohen Holzbauzaun.“ Der Baustellenverkehr wird über das Altheimer Eck abgewickelt.

Im Frühjahr des kommenden Jahres beginnt der Schörghuber-Konzern auf dem freigeräumten 5000 Quadratmeter großen Grundstück mit dem Neubau des „Joseph Pschorr Hauses“. Mit dieser Namensgebung will die Schörghuber-Gruppe an den Gründer der Brauhaus- Dynastie im Jahr 1820 erinnern.

Der neue Komplex wird, so Taubenberger, „ein modernes Gebäudeensemble, das mehrere getrennte Einzelhandels- und Büroflächen und Wohnenheiten sowie eine Tiefgarage integriert." Der Konzern plant ein Geschäftshaus mit in 44 000 Quadratmetern Nutzfläche, verteilt auf sechs oberirdische Stockwerke und vier Untergeschosse. Es soll kein Kaufhaus mehr werden im klassische Sinne sondern ein Einkaufszentrum vom 1. Untergeschoss bis zum 3. Stock, in dem sich Einzelhändler oder Ketten Läden mieten können. Taubenberger spricht von „Shop-Lösungen mit klar umrissenen Verkaufsflächen“. Damit dafür im Neubau Platz ist, wird die Tiefgarage, die im Altbau in den oberirdischen Geschossen bis zum Dach reichte, in die Keller verlegt. Der vierte und fünfte Stock wird Büros und Wohnungen beherbergen. Der Neubau, den das Berliner Architekturbüro Kuehn- Malvezzi geplant hat, wird im Inneren zwei Lichthöfe haben. Die Eröffnung des „Joseph Pschorr Hauses“ ist für Ende 2013 geplant.

Ein Kaufhaus auf Brauer-Grund

Der Münchner Bierbrauerkönig Joseph Pschorr ersteigerte 1820 aus einer Zwangsvollstreckung die Brauerei „Zum Bauernhansl“ in der Neuhauser Straße. Darin gründete er die Pschorr Brauerei, die er seinem Sohn vererbte. 1896 wurde die Brauerei in die Groß-Gaststätte „Pschorr-Bierhallen“ umgewandelt, die im 2. Weltkriegzerstörtwurde. Danach diente ein Teil des Grundstücks als Biergarten. 1960bis1962wurde dort das „Neckermann- Kaufhaus“ errichtet, einer der ersten Betonfertigteilbauten Münchens. Als Neckermann und Karstadt 1976 fusionierten, wurde das Kaufhaus der „Karstadt am Dom“, der heuer nach der Karstadt-Pleite schloss.

Johannes Welte

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