UN-Tribunal: Ratko Mladic zu lebenslanger Haft verurteilt

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Helfer fordern bessere Hilfsmaßnahmen

Homosexueller Flüchtling in Unterkunft attackiert

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Flüchtlingsheim in München. (Symbolbild)

Schockierender Vorfall: In einer Gemeinschaftsunterkunft ist ein homosexueller Flüchtling am Montag beschimpft und verletzt worden. 

München - Von einem „Überfall mit Ansage“ spricht Thomas Michel von der Initiative Rainbow Refugees, in welcher derzeit 40 Ehrenamtliche rund 70 homosexuelle Flüchtlinge betreuen. Einer von ihnen ist am Montagabend nahe seiner Gemeinschaftsunterkunft als „schwul“ beschimpft, angegriffen und verletzt worden. Die Initiative fordert, endlich Schutzräume für homosexuelle Flüchtlinge einzurichten.

Der Syrer war am Montagabend gegen 22 Uhr auf dem Rückweg vom Sport attackiert worden. Er selbst vermutet, dass es ebenfalls Bewohner der Unterkunft waren, weil sie Arabisch sprachen. Der Syrer wurde nach dem Angriff ärztlich versorgt und erstattete Anzeige. Die Polizei bestätigt die Anzeige gegen einen unbekannten Täter, der dem Syrer ins Gesicht geschlagen und ihn gekratzt haben soll.

Leider kein Einzelfall

Laut Thomas Michel seien die äußeren Verletzungen glücklicherweise nicht so schlimm. „Doch der Schock sitzt tief“, sagt er. Öffentlich äußern will sich der Syrer zu dem Vorfall nicht – und auf keinen Fall erkannt werden. Gerade, um derartigen Übergriffen zu entkommen, war der Mann 2015 nach Deutschland geflohen. Doch schon seit Längerem habe er laut Michel in der Unterkunft Drohbriefe bekommen, sei beleidigt und beschimpft worden.

Kai Kundrath, Geschäftsführer des Sub, fordert Schutzräume.

Laut Kai Kundrath, Geschäftsführer des Schulen Kommunikations- und Kulturzentrums (Sub), das sich zusammen mit der Initiative Rainbow Refugees um Betroffene kümmert, ist das kein Einzelfall. „Das Leben in den Gemeinschaftsunterkünften ist für schwule und lesbische Flüchtlinge fast genauso schwierig wie in ihren Herkunftsländern“, sagt er. Schon seit Langem setzt sich das Sub mit den Rainbow Refugees und LeTra, der Beratungsstelle für Lesben, daher für spezielle Schutzräume ein. Im Januar hatte der Stadtrat beschlossen, fünf betreute Wohngruppen für homosexuelle Flüchtlinge zu schaffen. Das Problem: Die halbe Betreuerstelle ist noch nicht besetzt, weshalb in den Wohngruppen noch niemand einziehen konnte. Das Einstellungsverfahren laufe noch, heißt es aus dem Sozialreferat.

Das Wohnungsamt sei immer bemüht, Lösungen zu finden, betonen Michel und Kundrath. Es gebe regelmäßige Treffen, und zwei schwule Flüchtlinge konnten aus einer Unterkunft bereits ausziehen. Auch für den Syrer habe das Wohnungsamt nun wohl einen Platz gefunden. 

Mehr Schutzräume, besserer Betreuungschlüssel

Doch den Helfern geht es um mehr. „In anderen Bundesländern und Städten gibt es längst Schutzräume, für wesentlich mehr Flüchtlinge und mit einem besseren Betreuungsschlüssel.“ Sie fordern von Stadt und Freistaat, aktiv zu werden, bevor Schlimmeres passiere.

SPD-Stadtrat Christian Müller fordert indes eine „sorgfältige Aufklärung des Vorfalls“. Wenn sich zeige, dass die bisherige Ausstattung für den Schutz homosexueller Flüchtlinge nicht ausreiche, „werden wir weitere Initiativen ergreifen, um die Situation zu verbessern.“

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