Sechs Jahre Haft für Tagesmutter gefordert

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Alexandra S. mit ihrem Anwalt.

München - Im Münchner Schwurgerichtsprozess gegen eine Tagesmutter hat die Staatsanwaltschaft am Donnerstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge sechs Jahre Haft gefordert.

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Die 34 Jahre alte Angeklagte hat am 25. September 2008 einen 14 Monate alten Buben so heftig geschüttelt, dass der Kleine eine Hirnblutung erlitt und im Krankenhaus starb. Die Verteidigung hat auf eine Strafe nicht über drei Jahre wegen eines minderschweren Falles plädiert. Das Urteil soll am Freitag gesprochen werden.

Der Richter hat bereits darauf hingewiesen, dass auch eine Verurteilung wegen Mordes durch Unterlassen in Betracht komme. Die Angeklagte hatte dem von ihr gerufenen Notarzt ihren Angriff auf das Kind verschwiegen. Ein Rechtsmediziner sagte aber in seinem Gutachten, auch bei sofortigem Hinweis auf das Schütteln des Kleinen wäre dieser nicht zu retten gewesen.

Staatsanwalt Andreas Franck ging davon aus, die 34-Jährige habe das Kind aus Ärger geschüttelt, weil es nach dem Essen nicht habe schlafen wollen. Der Angeklagten sei letztlich nicht zu widerlegen, dass sie keinen Zusammenhang zu dem späteren Erbrechen des Buben gesehen habe. "Er war doch schon so groß, ich dachte nicht, dass so etwas passieren könnte", hatte die Tagesmutter in der Verhandlung beteuert. Nach Angaben einer Ausbildungsleiterin wurden angehende Tagesmütter damals nicht auf die Gefahr eines solchen Vorgehens gegenüber einem Baby hingewiesen.

dpa

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