Sechs Phänomene, die unser Wetter beeinflussen

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Jennifer und Konrad am Freitag beim Sonnen im Hofgarten

München - Die Entscheidung, ob es in München schön wird, fällt häufig tausende Kilometer entfernt. Die Zusammenhänge und die Prognose für die nächsten Tage.

Was für eine prächtige Woche! Der November war bislang stolze sechs Grad wärmer als im langjährigen Schnitt. Regen: Fehlanzeige. Dafür reichlich Sonne und Temperaturen von 16 bis 18 Grad. Laut Dominik Jung, Wetterexperte bei wetter.net, schickten vor allem der Föhn und ein Azorenhoch das spätsommerliche Wetter nach Bayern.

Doch damit ist jetzt Schluss, der triste November naht: Ab Sonntag ziehen Regenwolken auf, die Temperaturen sinken laut Vorhersage auf zehn Grad. Auch die kommende Woche wird grau und trüb. Das Quecksilber soll tagsüber nur noch auf fünf Grad klettern, nachts wird es eisig, kündigt der Meteorologe an. Grund dafür sei Tief Zelda, das ursprünglich bei Island entstanden ist. Doch warum schickt uns ausgerechnet Island so oft die Kälte? Und warum kommt warmes Wetter regelmäßig von den Azoren? Was beeinflusst unser Wetter hier in Bayern?

Die tz erklärt die sechs wichtigsten Wetterphänomene, die oft Tausende Kilometer weit entfernt entstehen, und dann in München für Sonne, Regen oder Schnee sorgen.

Tom Schmidt

Azorenhoch

So klein, so weit weg – und doch so wichtig. Eine Inselgruppe mitten im Meer sorgt regelmäßig für gutes Wetter in Bayern. Zugegeben, die Inseln selbst können eigentlich nichts dafür. Ihre Lage am Golfstrom ist entscheidend: Die Azoren dümpeln knapp 1400 Kilometer westlich vom portugiesischen Festland. An dieser Stelle fällt kalte Luft nach unten und trifft auf warme Meeresluft. Dabei bildet sich ein Hochdruckgebiet, das regelmäßig nach Westen wandert und warmen Wind nach Mitteleuropa bläst. Das schöne Wetter der vergangenen Tage ist laut Wetter-Experte Dominik Jung die Folge eines Azorenhochs namens Rolf. Danke, Rolf.

Islandtief

Das Gegenstück zum Azorenhoch ist das Islandtief: weniger beliebt, aber ebenso durchschlagend. Ein Großteil des Regens, der auf das westliche und nordwestliche Europa prasselt, kommt per Huckepack mit diesem Tief. Und so entsteht es: Eiskalte Luft aus Neufundland und Grönland zieht Richtung Island, prallt dort auf warme Meeresluft und verwirbelt. Auf Wetterkarten erkennt man das Tief an seiner typischen Schneckenform. Von der Höhenströmung getrieben, wandert die Schlecht-Wetter-Schnecke vor allem im Winter in Richtung Bayern. Eisige Kälte, massig Regen und zum Teil orkan­artiger Wind sind die unangenehmen Folgen.

Omegalage: Super-Hoch mit zwei Tiefs

Die Omegalage ist ein regelmäßig auftretendes Super-Hoch, das von zwei Tiefs im Schlepptau begleitet wird. Die Wetterlage ist derart stabil, dass sie sich locker zwei Wochen an einer Stelle halten kann. Alles beginnt mit einem großen Hoch im Zentrum. „Es liegt wie ein Fels in der Brandung“, erklärt Wetter-Experte Dominik Jung. Das Hoch wird von zwei Tiefs flankiert, die langsam nach Süden rutschen. Vom Weltraum aus gesehen, sieht das Wetterphänomen wie der Buchstabe Omega aus: In der Mitte scheint die Sonne, unten links und rechts lassen es die Tiefs regnen. Wenn ein Me­teorologe eine Omegalage ankündigt, sagt er anschließend tagelang: „Keine Änderung in Sicht.“

Inversionslage

Das Wetter auf den Kopf gestellt: Inversion bedeutet Umkehrung – und genau das passiert bei dieser Wetterlage. Die Luft ist oben wärmer als unten. Wie es dazu kommen kann? Der Hochnebel ist schuld! Wenn sich in 400 bis 500 Metern Höhe eine Nebelschicht bildet, ist das wie eine horizontale Mauer am Himmel. Unter der Mauer wird die kalte Luft konserviert, weil die Sonne nicht durch den Nebel scheint. Über der Mauer strahlt die Sonne hingegen kräftig und es wird warm. Die Folge: Im Tal ist es kalt. Und es bleibt auch kalt, bis sich der Nebel wieder verzieht. Bei Windstille kann das allerdings ein paar Tage dauern. Immerhin: Das Wetter oberhalb der Nebel-Mauer ist prächtig, also ab in die Berge.

Golfstrom

Der Golfstrom ist die Zentralheizung der Erde. Man kann ihn sich wie ein Förderband vorstellen, das warmes, schnell fließendes Meerwasser durch den Atlantik treibt. Der Strom tankt Kraft im Golf von Mexiko, fließt an der Küste Nordamerikas entlang, quer durch den Atlantik und dann an Europa vorbei. Dabei befördert er mehr als einhundertmal so viel Wasser, wie über alle Flüsse der Erde zusammen ins Meer fließt. Wissenschaftler schätzen, dass der Golfstrom eine Wärmeleistung besitzt, die der Energie von einer Million Atomkraftwerken entspricht. Kein anderes Phänomen ist wichtiger für das Weltklima. Ohne Golfstrom gäbe es weder Azorenhoch noch Islandtief. Und auch sonst wäre ohne das Förderband wohl nicht viel los in Bayern. Viele Wissenschaftler glauben, dass es zu einer neuen Eiszeit kommt, sollte der Golfstrom eines Tages abreißen.

Föhn

Geliebt und gleichzeitig gehasst: Der Föhn sorgt für trockenes, warmes Wetter, bei vielen aber auch für Kopfschmerzen und Müdigkeit. Doch warum ist der Föhn trocken und warm? Ohne Berge geht’s nicht. Auf der einen Seite des Massivs stauen sich Wolken, steigen hoch und kühlen ab. Kalte Luft verträgt weniger Feuchtigkeit, es beginnt zu regnen. Bis die Luft oben angekommen ist, ist sie trocken. Auf der anderen Seite fällt sie hinunter und nimmt dabei richtig Fahrt auf. Im Sturz erwärmt sie sich schneller, als sie sich beim Steigen abgekühlt hat. Der Fallwind heizt sich um etwa ein Grad pro 100 Höhenmeter auf. Da kann selbst der Winter frühlingshaft werden.

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