"Sein Messer zerbrach an meiner Stirn"

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Tiefe Wunden an ihrem ganzen Körper und ihrer Seele: Sarah P. verließ gestern trotz ihrer schweren Verletzungen das Klinikum rechts der Isar: „Ich muss mich um meine Tochter kümmern“.

München - Die Narbe quer über ihre Stirn ist noch blutverkrustet. Und Sarah P. hat noch viele weitere Wunden am ganzen Körper – 18 insgesamt! Offenbar wollte sie ihr Ehemann töten.

Ihr Noch- Ehemann hatte sie mit dem Messer traktiert, wohl in der Absicht, sie zu töten. „Es ist ein Wunder, dass ich noch lebe“, sagt die junge Frau, die am Sonntag gegen den ärztlichen Rat das Krankenhaus verließ. „Ich muss mich doch um meine Tochter kümmern“, sagt die 22-Jährige mit leiser Stimme. „Sie hat den ganzen Horror mitbekommen.“

Am Anfang war es Liebe gewesen. Sarah P. sah darüber hinweg, dass Stefan (25) Vorstrafen wegen Körperverletzung und Einbrüchen auf dem Kerbholz hatte. Jugendsünden, so dachte sie. Als vor zwei Jahren Tochter Chiara zur Welt kam, schien das Glück perfekt. Doch Stefan sei immer öfter gewalttätig geworden. Man versöhnte sich wieder, bis zum nächsten Zwischenfall.

Ende Juli reichte es ihr. „Ich habe mich von ihm getrennt“, erzählt sie. „Er ist ausgezogen.“ Vergangenen Mittwoch kam er wieder in die Wohnung an der Balanstraße: „Er wollte einige Sachen holen. Er ist ganz ruhig gewesen.“ Deshalb habe sie ihn eingelassen.

Er habe gefragt, ob sie sich wirklich trennen wolle. „Ich habe ja gesagt.“ Dann habe er gefragt, ob er die Tochter übers Wochenende mitnehmen könne. „Okay.“ Sie sei ins Kinderzimmer gegangen, um Chiaras Sachen zu packen.

„Plötzlich habe ich von hinten einen Schlag gekriegt“, erinnert sich Sarah P. Als sie sich umdrehte, sah sie ein langes Brotmesser in seiner Hand. „Er hat wie ein Verrückter auf mich eingestochen.“

Er traf sie an den Armen, an den Beinen, am Bauch. Verzweifelt versuchte sie, ihm das Messer zu entreißen. Tiefe Wunden an ihren Fingern zeugen davon.

Stefan P. machte weiter, zielte mit Wucht auf ihren Kopf. „Ich habe nur einen Knall gehört, dann ist mir das Blut runtergelaufen. Das Messer war zerbrochen. Den Stummel rammte er noch mehrmals in ihre Brust.

Sie flehte: „Hör auf, ich liebe dich doch!“ Chiara, die das blutige Drama mitbekam, weinte laut. Endlich ließ der Täter von seinem Opfer ab, rief einen Krankenwagen.

Sarah P. musste notoperiert werden, die Schnittwunden wurden genäht. Es werden schlimme Narben bleiben, doch das ist für sie augenblicklich nicht wichtig: „Meine Tochter braucht dringend psychologische Hilfe.“

Und sie selbst braucht diese Hilfe auch. Derzeit lebt sie bei ihrer Mutter. In die Tatwohnung will sie nicht wieder zurück: „Ich kann das Kind nicht in das Zimmer lassen, in dem das alles passiert ist.“ Nun will sie sich so schnell wie möglich scheiden lassen. Stefan P. sitzt in U-Haft – wegen gefährlicher Körperverletzung. Sarah hat Angst, wenn er wieder aus dem Gefängnis kommt: „Dann bringt er das zu Ende, was er angefangen hat.“

EBERHARD UNFRIED

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