Vergewaltigung in Pullach

Sein Opfer traut sich nicht mehr aus dem Haus

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Samson S. wird von Justizbeamten in den Gerichtssaal gebracht.

München - Samson S. war 16, als er im vergangenen Herbst in Pullach eine Frau vergewaltigt haben soll. Am Montag sagte das Opfer vor Gericht aus.

Ihrem Peiniger wollte sie nie wieder in die Augen sehen! Unter Ausschluss des Angeklagten sagte am Montag jene 52-jährige Frau vor Gericht aus, die am frühen Morgen des 13. November 2013 in Pullach auf ungeheuer brutale Weise vergewaltigt worden war. Per Video-Übertragung musste sich Samson S. (16) in einem Nebenzimmer mit anhören, wie sein Opfer noch ungeheuer schwer unter seinem Verbrechen zu leiden hat.

„Sie traut sich nur in Begleitung aus dem Haus“, berichtete Anje Brandes, die Anwältin des 52-jährigen Opfers, in einer Pause des unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Prozesses. „Nachts schläft sie nur bei Licht“, so die Opfer-Anwältin. Ihre Mandantin leide seit der Tat unter extremen Angstzuständen und sei nun stark an ihre Wohnung gefesselt. Wenn sie Einkaufen gehe, müsse immer entweder einer ihrer beiden Söhne oder ein Helfer vom Weißen Ring dabei sein. Brandes: „Wenn sie Schritte hinter sich hört, gerät sie in Panik.“

Samson S. war nach durchzechter Nacht der 52-jährigen Küchenhilfe vom Bahnhof Pullach gefolgt. An einem Waldstück packte er sie, zerrte sie ins Gebüsch, wo er sein Opfer zweimal vergewaltigte. „Er hat sie gezwungen, die Augen zu schließen“, so Antje Brandes. Als sich der Sex-Verbrecher auf sie kniete, öffnete sie für einem Moment reflexartig die Augen. „Er hat sie geschlagen, damit sie die Augen wieder zumacht.“ Jenen Moment, in dem sie in das Gesicht des kindlich wirkenden Täters schaute, wird die Frau nie wieder vergessen. „Sie hat permanten Flashbacks“, so Brandes.

Die Verteidiger des Angeklagten gingen schonend mit dem traumatisierten Opfer um. „Wir stellten ihr keine Fragen“, so Anwalt Peter Guttmann zur tz. „Wir haben ihr alles Gute für die Zukunft gewünscht.“

Der Angeklagte hat das Verbrechen weitgehend gestanden, macht aber Erinnerungslücken geltend. Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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