Einst war er "Unternehmer des Jahres"

Sein tiefer Fall: Bau-Mogul droht der Knast

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Seit Dienstag wird dem Unternehmer (r.) der Prozess gemacht. Ihm droht eine Haftstrafe von über drei Jahren

München - Josef Kastenberger wurde einst zum "Unternehmer des Jahres" gewählt, posierte mit Polit-Größen. Inzwischen hat ihn ein tiefer Abstieg ereilt. Dem Bau-Mogul droht sogar der Knast.

Es gab eine Zeit, da lief für Josef Kastenberger alles ganz wunderbar. Als der Mann, der die JK Wohnbau gegründet und zu einem der erfolgreichsten Bauträger Münchens gemacht hatte, wurde er überall hofiert. Es gibt Fotos, die von dieser Zeit zeugen: Kastenberger neben dem damaligen CSU-Vorsitzenden Erwin Huber, als seine Firma zum „Unternehmer des Jahres 2008“ gewählt wird. Kastenberger beim Schwarz-Weiß-Ball neben Kultusminister Ludwig Spaenle, als er zum „Aufsteiger des Jahres 2010“ gewählt wird. Kastenberger auf der Wiesn, Kastenberger im P1. Nur das neueste Foto des 61-Jährigen passt nicht in diese Reihe: Kastenberger auf der Anklagebank!

Seit Dienstag muss sich der einstige Vorzeige-Unternehmer wegen Untreue und Betrugs vor dem Landgericht München verantworten. Er soll Firmengelder für private Zwecke genutzt haben. Vier Verteidiger nehmen zum Prozessauftakt seiner Seite Platz. Mit Gericht und Staatsanwaltschaft handeln sie als Erstes einen Deal für ihren Mandanten aus: Wenn Kastenberger drei der ihm vorgeworfenen Taten – mit einem Gesamtschaden von etwas mehr als zwei Millionen Euro – gesteht, kann er im Gegenzug mit einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten bis zu drei Jahren und neun Monaten rechnen. Kastenberger willigt ein. Damit muss er aller Voraussicht nach ins Gefängnis. Allerdings entsprechen die Taten, die er einräumt, nur einem Bruchteil der ursprünglichen Anklage. Derartige Absprachen sind in Wirtschaftsverfahren durchaus üblich

Die drei Taten, die nun übrig sind, passierten in den Jahren 2007 und 2008. Kastenberger hatte einen Innenarchitekten mit der Einrichtung seiner privaten Wohnungen beauftragt und bezahlte ihn mit Geldern der JK Wohnbau, der so ein Schaden von 79 000 Euro entstand. Geschädigt mit 19 700 Euro ist außerdem die LBBW Immobilien Kapital GmbH, die an der JK Wohnbau beteiligt war. Auch Sanitäranlagen für sein Haus in Griechenland rechnete Kastenberger auf diese Weise ab. Schließlich gelang es ihm, einem Bekannten ein Darlehen von zwei Millionen Euro abzutrotzen, mit dem er angeblich Projekte vorfinanzieren wollte. 200 000 Euro davon nutzte er privat, der Rest wurde zur Kapitalerhöhung bei der JK eingesetzt. Bis heute wurde das Darlehen nicht zurück gezahlt.

„Grundsätzlich stimmt das so“, sagt Kastenberger vor Gericht und kämpft mit den Tränen.

Ann-Katrin Gerke

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