Münchner Ärzte verraten Details der sensationellen doppelten Arm-Transplantation

Seine neuen Hände sehen aus wie die alten

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Die Operation hat 15 Stunden gedauert.

München - Es war selbst für die Chirurgen, die schon viel erlebt haben, ein bewegender Moment:

Als ihr Patient Josef H. (55, Name geändert) vergangenen Sonntag auf der Intensivstation des Klinikums rechts der Isar nach 36 Stunden Narkose erstmals die Augen aufschlug, griff seine Frau nach seiner linken Hand: „Die sieht ja genau so aus wie die an deinem alten Arm“, rief sie und weinte vor Freude.

Ganz vorsichtig strich sie über die neuen Arme ihres Mannes. Es waren die Arme eines Toten. Zwei Tage zuvor hatte Prof. Edgar Biemer (67) seinem Patienten Josef H. als erstem weltweit in einer sensationellen 15-Stunden-Operation die beiden Arme eines toten Organspenders aus Augsburg verpflanzt. Denn seine eigenen Arme hatte der Allgäuer Landwirt vor sechs Jahren bei einem Unfall an seiner Häckselmaschine verloren.

„Als er aufwachte und zum ersten Mal seine beiden neuen Arme sah, sagte er nur ‚Super’", verriet Prof. Biemer am Freitag im tz-Interview. „Aber es geht ihm prächtig. Denn bis auf die beiden OP-Wunden ist er ja kerngesund. Bisher haben wir ihn nur im Bett aufgesetzt. Aber am Montag darf er richtig aufstehen und laufen. Bis dahin bauen ihm die Schlosser unserer orthopädischen Klinikwerkstätte ein Gestell zusammen, das er am Oberkörper trägt und an dem die beiden Arme aufgehängt werden können.“

Denn noch haben die Arme kein Gefühl. „Die Nerven müssen erst langsam von der Schulter abwärts in Richtung Hand wachsen“, sagte der zweite Leiter des 40-köpfigen OP-Teams, Dr. Christoph Höhnke, auf der Pressekonferenz des Klinikms. „Pro Tag schaffen die Nervenzellen höchstens einen Millimeter. Es wird also noch Monate dauern, bis die neuen Arme langsam immer mehr Gefühl bekommen.“

Prof. Biemer erklärt, was Josef H. im Augenblick viel bedeutsamer ist: „Er kann sehen, dass er neue Arme hat. Das ist für ihn psychisch äußerst wichtig, weil er in den letzten sechs Jahren unter starken Phantomschmerzen litt. Das heißt, ihm taten die Arme weh, obwohl sie gar nicht mehr da waren. So etwas kann einen seelisch sehr mitnehmen. Doch das ist jetzt vorbei.

Josef H. freut sich sogar über das große Interesse, das ihm plötzlich entgegengebracht wird. „Er muss zwar noch gefüttert werden und braucht auch sonst Hilfe“, so Prof. Biemer. „Aber er hört schon wieder Radio und CDs und lässt sich die Zeitungen auf sein Bett legen. Über den tz-Bericht letzten Dienstag über seine Operation hat er sich sehr gefreut.“

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Für die Journalisten auf der Pressekonferenz und die vielen Menschen, die Anteil an seinem ungewöhnlichen Schicksal nehmen, sprach Josef H. gestern in Allgäuer Dialekt sogar eine Botschaft auf das Diktiergerät seines Arztes Dr. Höhnke: „Ich kann jetzt leider nicht da sein, weil es noch zu früh ist. Die OP war erfolgreich und ich hoffe, dass der weitere Verlauf eben so gut wird. Später stehe ich gerne für alle Fragen zur Verfügung.“

Ganz langsam ahnt Josef H., was da noch alles auf ihn zukommt. Welcher Medienrummel gestern schon herrschte, erfuhr der Landwirt von seiner Frau. Sie saß unerkannt im Zuschauerraum.

Michael Timm

Quelle: tz

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