Uli Hoeneß plant endgültigen Rückzug - Er hat schon einen Wunsch-Kandidaten für seine Nachfolge

Uli Hoeneß plant endgültigen Rückzug - Er hat schon einen Wunsch-Kandidaten für seine Nachfolge

Ex-Chef von Europareisen kommt mit Bewährung davon

Seine Reise ging nach nirgendwo

München - Wie oft hat Gerd Hellwig (62) diese Geschichte schon gehört: Kurz vor Reiseantritt kommt ein Anruf von Europareisen.

Die Busreise falle aus, das Geld für die Anzahlung werde bald erstattet. Pustekuchen! Monatelang kämpften vor allem älteren Menschen um ihr Geld. Es ist auch Hellwigs eigene Geschichte.

Der Münchner hat seine 330 Euro für die abgesagte Opernreise nach Verona unterdessen auf dem Konto, so wie die meisten der 150 Geschädigten, deren Leidensgeschichte der Jurist im Laufe der vergangenen Jahre gesammelt hat. „Aber darum geht es nicht: Wir wollen Gerechtigkeit und Genugtuung.“

Das Gewerbeausübung wurde Europareisen schon 2007 untersagt. Gestern stand nun der ehemalige Geschäftsführer Thorsten M. (43) vor dem Münchner Amtsgericht.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Jahrelang hatte Thorsten M. Versicherungsscheine für Reiseverträge, die den Kunden für den Fall einer Insolvenz die Rückerstattung der bezahlten Reisekosten sichert, gefälscht. 8711 Fälle hat die Staatsanwältin in ihrer 168 Seiten langen Anklageschrift aufgelistet. Mit angeklagt war zudem die Unterschlagung eines geleasten Reisebusses. Als sie nach etwa 45 Minuten erst bei Fall 122 angelangt war, unterbrach Richter Markus Koppenleitner: „Das dauert wohl zu lang.“

Der Verteidiger des Angeklagten, Michael Adams, zog sich mit der Anklägerin ins Richterzimmer zurück, um einen „Deal“ auszuhandeln. Ergebnis: Thorsten M. legte ein Geständnis ab, dafür kriegt er neun Monate Haft auf Bewährung. Außerdem muss er 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Dieses Urteil nahm er sofort an.Europareisen-Opfer Hellwig zeigt sich empört: „Das reicht nicht! Stünde er endlich wegen Betrugs vor Gericht, säße er hinter Gittern.“

Die alten Betrugsverfahren aber mussten eingestellt werden, weil letztlich, wenn der Druck auf Europareisen größer wurde, doch der Reisepreis zurückgezahlt wurde. Auch Richter Koppenleitner betonte bei der Urteilsverkündung. „Für den Angeklagten ist das hoffentlich ein Schuss vor den Bug für die Zukunft.“ Er fügte hinzu: „Allen ist klar, dass da noch was im Hintergrund ist …“

Und das könnte Thorsten M. hart treffen. „Wenn wirklich alles auf den Tisch käme, wäre das Betrug mit einem Schaden in Millonenhöhe“, sagt Opfer Gerd Hellwig. Wenn … Der Münchner hat wenig Hoffnung. „Ich verstehe nicht, dass die Staatsanwaltschaft die ganzen Fälle nicht zusammengefasst hat. So kann es passieren, dass die anderen Verfahren einschlafen.“

Laut Staatsanwaltschaft wird noch wegen der aktuellen Betrugsanzeigen und Insolvenzverschleppung ermittelt. „Aber dann muss Thorsten M. auch betrügerische Absicht nachgewisen werden“, so Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Thorsten M.s Anwalt verlangt nun Akteneinsicht wegen der Betrugsfälle. „Ich werde meinen Mandanten wohl auch dann vertreten.“

Vielleicht bekommen so die letzten Opfer ihr Geld zurück. Etwa Ernst Krammer (65), der mittlerweile seit eineinhalb Jahren auf 145 Euro Anzahlung für eine Prag-Reise wartet.

Dass im Fall Europareisen und dessen Umfeld vielleicht noch immer noch krumme Dinger laufen, kann man nur vermuten. Auf die Frage, wie der Angeklagte M. nun seine Wohnungsmiete zahle, antwortete er, sein Lebensgefährte Nico D. springe ein. Der war damals nach eigener Auskunft Marketingverantwortlicher bei Europareisen – und soll wegen Betrugs in 572 Fällen zu drei Jahren Knast verurteilt worden sein. „Womit verdient D. sein Geld?“, hakte der Richter nach. „Er ist Reiseunternehmer.“

Nina Bautz

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Stadtrat hat entschieden: Böller-Verbot in Münchner Innenstadt
Stadtrat hat entschieden: Böller-Verbot in Münchner Innenstadt
181 Staus in München! Wenn ein Unfall die ganze Stadt lahm legt ...
181 Staus in München! Wenn ein Unfall die ganze Stadt lahm legt ...
Mitten in Schwabing: Lichterloh brennender VW-Bus im Video - Zufall verhindert Schlimmeres
Mitten in Schwabing: Lichterloh brennender VW-Bus im Video - Zufall verhindert Schlimmeres
Brutale Gewalt gegen Polizeibeamte: „Ich entging dem Tod nur ganz knapp!“
Brutale Gewalt gegen Polizeibeamte: „Ich entging dem Tod nur ganz knapp!“

Kommentare