Mann verschwand über zehn Jahren

Vermisster Münchner tot in Gletscher gefunden

Innsbruck - Ein Tiroler Bergführer hat auf 3000 Metern Höhe die Leiche eines vermissten Münchners gefunden. Der Mann war 2001 im Eis verschwunden.

Von Weitem sieht es wie ein Plastiksack aus. Kurz ärgert sich Bergführer Andreas Steger aus Österreich über den Müll auf 3000 Metern. „Hat ein Wanderer mal wieder was dagelassen“, denkt sich der erfahrene Bergsteiger. Die Tiroler Ötztaler Alpen sind sein Steckenpferd. Doch als sich der 51-Jährige dem „Müll“ nähert, gefriert ihm das Blut in den Adern. Im Eis vor ihm liegt eine Leiche. Der Tote: ein Münchner, der vor elf Jahren in den Alpen verschwand.

Der Wind pfeift. Die Temperaturen sind niedrig. Trotzdem ist der Gletscher auf den Ötztaler Alpen ein beliebtes Ziel für erfahrene Bergsteiger und Wanderer. Auch Andreas Steger ist am Donnerstag vergangene Woche unterwegs. Der erfahrene Bergfex begleitet eine siebenköpfige Gruppe im Pitztal vom Taschachferner in Richtung Taschachhaus, als er auf 3000 Metern die grausige Entdeckung macht.

„Etwas ragte so 50, 60 Meter entfernt aus dem Eis“, erzählt der 51-Jährige dem Münchner Merkur. Der ehemalige Polizist entdeckt erst eine Alurettungsfolie, dann ein weißes Nylonband und – in einiger Entfernung – einen Teleskop-Skistock. Steger nähert sich – und erkennt ein Ohr, dann, unter der Folie – eine Hand ...

Die von ihm geführte Gruppe hält Abstand. Trotzdem: „Der Fund hat uns natürlich beschäftigt und bewegt. Hatte der Mann Eltern, Familie, Angehörige? Darüber haben wir lange gesprochen“, erzählt Steger.

Er alarmiert die Rettung. Mit einem Bohrhammer befreien die Einsatzkräfte den Toten, anschließend wird der Leichnam mit einem Hubschrauber abtransportiert. Schnell ist klar: Die Leiche ist mindestens zehn Jahre im Eis. Doch der Gletscher hat sie jetzt erst freigegeben. Auch Steger war sich sicher, dass es kein „historischer Fund“ war.

Knapp eine Woche später wird bekannt: Der Tote ist ein 1973 geborener Münchner. Der Mann ging im Jahr 2001 zum Bergsteigen in die Ötztaler Alpen. Doch er kehrte nie zurück. Über einen Abdruck des Zahnschemas konnte nun die Identität des Bayers bestätigt werden.

Der damals 28-jährige Mann war laut Polizei alleine unterwegs und gut ausgerüstet. Man geht davon aus, dass der Münchner in eine Gletscherspalte stürzte und erfror. Weil die Gletscher seit Jahren zurückschmelzen, gab das Eis jetzt den Leichnam frei.

AW/DW

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