Sekretärin darf nach Skandal-Kündigung wieder arbeiten

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Hoffentlich herrscht jetzt endlich Frieden: Geschäftsleiter Manfred Durner und Sekretärin Martha Welsch.

Aschheim - Martha Welsch spülte in der Arbeit entgegen einer Anweisung Geschirr und wurde deshalb von der Gemeinde Aschheim fristlos entlassen. Nun darf sie endlich wieder zurück in ihren Job.

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Die „Tellerwäscherin“ von Aschheim bleibt Mitarbeiterin der Gemeinde. Nach 90-minütiger Verhandlung nahm am Dienstag die Gemeinde Aschheim ihre Berufungsklage gegen Martha Welsch vor dem Landesarbeitsgericht zurück. Welsch wird an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Seit August 2009 durfte Martha Welsch nicht mehr im Aschheimer Rathaus arbeiten, weil sie sich einem Spülverbot für neu gekauftes Geschirr in der gemeindlichen Notunterkunft in der Saturnstraße widersetzt hatte. Statt wie befohlen, die Auszubildende die Arbeit erledigen zu lassen, wusch Welsch selbst ab. Gegen die dann von der Gemeinde erfolgte außerordentliche Kündigung, die zuvor erteilte Änderungskündigung, auch die nachgereichte ordentliche Kündigung und gegen eine frühere Abmahnung klagte sie im Mai vor dem Arbeitsgericht München erfolgreich. Jetzt erwartet sie die Nachzahlung von fast 40 000 Euro Gehalt und die Wiederbeschäftigung, berichtet der Münchner Merkur. Die 55-Jährige gehört seit 15 Jahren der Rathausverwaltung an.

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„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es für eine Kündigung nicht ausreicht, wenn eine Mitarbeiterin eine Auszubildende zur Lüge anhält“, resümierte kühl der geschäftsleitende Beamte der Gemeinde Aschheim, Manfred Durner. Vom eigentlichen Auslöser der Kündigung, dem Tellerwaschen sprach Durner nicht mehr. Insbesondere das Auffordern zum Lügen habe man als schwere Pflichtverletzung gesehen. Nachdem Richterin Petra Förschner vom Landesarbeitsgericht erklärte, dass diese Pflichtverletzung nicht als Kündigungsgrund ausreiche, zogen Durner und der Anwalt Aschheims, Christian Penzkofer, die Berufung zurück. Durner: „Wenn die Formalien halt fehlen.“ Das wolle man „künftig beachten“, merkte Durner an, während er gleichzeitig betonte, einen „Schlussstrich“ ziehen zu wollen: „Es wird ein schwieriger Neuanfang.“ Er hoffe, „dass Frau Welsch dann auch macht, was man ihr sagt“.

„Das krieg ich schon hin“, betonte Martha Welsch, der die Erschöpfung nach den zermürbenden Monaten des Wartens und Bangens anzumerken war. War im Mai die Freude über den klaren Ausgang beim Arbeitsgericht noch riesig, folgte nach dem Ende des Berufungsverfahens stille Erleichterung. Das angebliche Anhalten zur Lüge will Welschs Anwalt Alexander Greulich relativiert wissen: „Sie wurde von der Auszubildenden gefragt, was soll ich denn nun machen, weil sie deren Aufgabe doch eigentlich erledigt hatte. Und dann erst fiel das Wort, sag halt, du hättest es gemacht. Das hat doch ganz eine andere Gewichtung.“ „Es ging mir doch nicht um mich“, betont Welsch. „Heute tut es mir leid, dass ich empfahl, die Unwahrheit zu sagen.“ Nun aber will Welsch vorwärts blicken, allen Anweisungen nachkommen und sie nicht mehr nach Sinn oder Unsinn hinterfragen.

A. Ganssmüller-Maluche

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