Er soll Kinder missbraucht haben

Häftling in Klinik: Prozess vertagt

München - Der Prozess wegen Kindesmissbrauchs konnte nicht beginnen. Am frühen Morgen fand ein Beamter den Angeklagten mit durchtrennten Pulsadern auf. Eine Notoperation rettete dem Mann das Leben.

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Körperverletzung sollte gestern der Prozess gegen Matthias A. (47) beginnen. Der Sozialarbeiter ist angeklagt, in der Radlwerkstatt des Caritas-Bewohnertreffs Nordheide vier Buben brutal missbraucht zu haben. Doch der Prozess platzte, weil sich der Angeklagte Mittwochfrüh die Pulsadern aufschnitt!

Als seine Zelle in der JVA Stadelheim um 6.30 aufgeschlossen wurde, erschraken die Beamten. „Wir haben ihm beim Aufschluss leblos aufgefunden“, so der stellvertretende Anstaltsleiter Jochen Menzel zur tz. „Er hatte eine Schnittverletzung am Unterarm und sehr viel Blut verloren. Nach einer sofortigen Notversorgung wurde er in ein externes Krankenhaus gebracht. Er ist inzwischen außer Lebensgefahr.“

Wie kommt ein Häftling an ein gefährliches Schneidewerkzeug? Dieses habe sich Matthias A. aus der winzigen Klinge eines Einweg-Rasierers und einer Zahnbürste gebastelt, so Menzel. Der Suizid-Versuch muss am frühen Morgen passiert sein. Menzel: „Wir sehen die Tat als Hilferuf.“

Als das Gericht um 9 Uhr eintrat, konnte der Vorsitzende Stephan Kirchinger nur mitteilen, dass der Prozess wegen eines Suizid-Versuchs den Angeklagten verschoben werden muss. Nächster Prozesstermin wäre der 26. Mai gewesen. Ob Matthias A. bis zu diesem Zeitpunkt wieder verhandlungsfähig ist, bleibt unklar. Die Verletzungen, die er sich zugefügt hat, sind erheblich. Sein Verteidiger Günter Reisinger: „Als ich ihn um 11 Uhr in der Klinik besuchen wollte, war die Operation noch nicht abgeschlossen.“

Der Kinderschänder-Skandal war am 9. Juli 2013 aufgeflogen, nachdem der ehrenamtliche Caritas-Mitarbeiter einem Buben wegen einer abgefallenen Klingel brutal misshandelt hatte. Nach der Verhaftung von Matthias A. kam nach und nach heraus, dass er vier Buben im Alter von fünf bis zehn Jahren in der Radlwerkstatt an beziehungsweise in die Hose gefasst hatte. Bei der Überprüfung seines Computers fanden Ermittler über 600 Kinderpornos, die zum Teil brutale Misshandlungen der kleinen Opfer zum Inhalt haben.

Eberhard Unfried

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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