Verkehrspolitik

Semesterticket bleibt Wackelkandidat

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Gibt es das Semesterticket dauerhaft oder nicht? Das bleibt weiterhin unklar.

München - Nach eineinhalb Jahren gilt das Semesterticket als Erfolgsgeschichte. Zur dauerhaften Einführung kann man sich aber offenbar noch nicht durchringen. Die Stadt will es fortführen – aber vorerst weiter nur im Probebetrieb. Im Rathaus schütteln viele den Kopf.

Den ersten Platz belegen, diesen Anspruch hat die Stadt München in vielen Bereichen. Natürlich auch bei den Studienbedingungen. Stolz verweist man an den Hochschulen auf die Spitzenplätze in den Uni-Ranglisten. Münchens Studenten aber können viele andere Geschichten erzählen: vom katastrophalen Wohnungsmarkt, vollen Seminaren, einem lapprigen Stück Papier als Studentenausweis (andernorts sind vielseitig einsetzbare Chipkarten Standard). Halbwegs auf der Höhe der Zeit ist München inzwischen immerhin mit dem Semesterticket. Noch vor zwei Jahren konnten Studenten nur ermäßigte Monatskarten im „Ausbildungstarif“ lösen – wer zentral wohnte, kam damit nicht einmal bis Pasing. Kommilitonen in Hessen oder Nordrhein-Westfalen pendelten dagegen hunderte Kilometer quer durchs Bundesland – mit einem einheitlichen, günstigen Ticket. Ganz so weit geht man in München zwar immer noch nicht. Aber es gibt ein Semesterticket, mit dem eigentlich alle Seiten zufrieden sind. Eigentlich. Fest eingeführt wird es aber immer noch nicht.

Am Dienstag soll der Stadtrat beschließen, den Probebetrieb zu verlängern. Der läuft nun schon seit eineinhalb Jahren, und eigentlich hätte heuer die Entscheidung fallen sollen, das Ticket fest einzuführen. Ab Herbst wäre der reguläre Betrieb gelaufen. Doch der Leiter des Wirtschaftsreferats, Josef Schmid (CSU), schlägt dem Stadtrat jetzt vor, sich noch nicht endgültig zum Ticket zu bekennen.

In einer Stadtrats-Vorlage seines Hauses heißt es zwar, eine Fortführung des Semestertickets werde auf Dauer von „allen Beteiligten“ angestrebt. Ziel müsse aber sein, dass „künftig auf Ausgleichszahlungen“ der Stadt ganz verzichtet werden kann. Das ist bislang offenbar nicht möglich. Der Stadtrat soll am Dienstag einmal mehr 500 000 Euro Zuschuss beschließen, für das Sommersemester 2016. Die Pilotphase wird um das Wintersemester 2015/16, eventuell noch um das Sommersemester 2016 verlängert.

Eine Zustimmung im Stadtrat gilt als sicher, auch wenn im Rathaus so mancher den Kopf schüttelt. Die Probebetrieb-Verlängerung ergebe schon Sinn, weil man noch konkretere Zahlen brauche, sagt SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Er hat aber wenig Verständnis dafür, dass diese Zahlen nach eineinhalb Jahren Betrieb nicht vorliegen. „Die MVG hat nicht geliefert“, schimpft Reissl. Schlecht zu sprechen auf die Verkehrsgesellschaft ist auch Reissls Stadtrats-Kollege Michael Mattar (FDP). „Wir alle wollen das Semesterticket auf Dauer“, sagte er. „Dann könnten wir es doch eigentlich auch auf Dauer beschließen.“

Dem einzelnen Studenten dürfte ohnehin egal sein, ob das Semesterticket dauerhaft eingeführt ist oder nicht. Hauptsache, er bekommt weiter das Ticket. Etwas teurer wird es für ihn aber schon zum Wintersemester werden. Das Basisticket kostet künftig 61 (statt 59) Euro. Damit kann jeder Student abends und morgens nach Belieben im MVV-Bereich fahren. Das „Aufpreisticket“ für 24 Stunden kostet 152 (statt 146,50) Euro. Die Preise wurden mit den Studierendenvertretungen abgestimmt. Zur Frage, ob das Ergebnis ein Erfolg ist oder nicht, wollte sich die Studentenvertretung der LMU auf Nachfrage nicht äußern.

Felix Müller

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