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Trattoria schließt

Pegida-Verdruss: Brauerei kündigt „Casa mia“ den Pachtvertrag

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Sendlinger Institution – doch jetzt muss das „Casa mia“ schließen.

Leckere Pizza, günstiger Mittagstisch und eine uritalienische Wirtsfamilie: Das „Casa mia“ in Sendling ist seit 14 Jahren ein Treffpunkt im Viertel. Dann kam Pegida. Es gab Ärger – und nun muss das Ristorante schließen.

Die Geschichte dieser kleinen Trattoria an der Ecke Oberländer-/Implerstraße, im Herzen Sendlings, ist tragisch. „Casa mia“ bedeutet: mein Zuhause. Und das war es für viele Sendlinger: Regelmäßig aßen sie hier eine resche Pizza oder einen köstlichen Fisch. Sie kamen für ein günstiges Mittagsmenü oder saßen abends stundenlang bei einem Glas Bier. Alle hatten sie Platz im Ristorante von Giovanni Costa. Doch dieses „alle“ ist dem sizilianischen Wirt nun zum Verhängnis geworden. Am 21. Juli öffnet das „Casa mia“ zum letzten Mal seine Pforten – dann ist Schluss.

Costa wurde von der Brauerei Anheuser-Busch InBev, die sein Restaurant mit Löwenbräu und Franziskaner beliefert, der Pachtvertrag gekündigt. Seit einigen Tagen hängt im Fenster ein Zettel, auf dem sich die Familie Costa von ihren Gästen und den Sendlingern verabschiedet. „Aus wirtschaftlichen Gründen“ müsse das Lokal schließen. Zu lesen sind dort aber auch die Wut und die Enttäuschung: „Einen besonderen Dank“ widmen die Costas dem Bezirksausschuss, der ihrem Geschäft geschadet habe.

Anfang 2016 war bekannt geworden, dass sich jeden Montagabend Vertreter des rechtspopulistischen Bündnisses Pegida in dem Lokal trafen – so wie es auch andere Gaststätten in München erleben. Dies erfuhr der Sendlinger Bezirksausschuss (BA), zudem bestätigte es die Fachinformationsstelle Rechtsextremismus in München. Daraufhin schlug Ernst Dill (SPD), BA-Beauftragter gegen Rechtsextremismus, Alarm: „Wir wollen kein braunes Bier in Sendling“, sagte er. Der BA-Vorsitzende Markus Lutz (SPD) appellierte in einem Brief an den Wirt, den Pegida-Leuten den Zutritt zu verwehren. Er sei nicht verpflichtet, diese Leute zu bewirten, schrieb Lutz.

„Ich bin zum Spielball geworden“, so Wirt Costa

Costa bemühte sich, doch er wehrte sich auch. „Ich kann nicht Leuten Hausverbot erteilen, wenn sie nicht randalieren“, sagte er am Freitag unserer Zeitung. Die Pegida-„Spaziergänger“ seien nie als politische Gruppe aufgetreten, hätten keine Flugzettel verteilt, seien nur auf ein Bier und eine Pasta gekommen. Vor allem Dill, sagt Costa, habe ihm geschadet. Er habe bei der Brauerei Druck gemacht und im Viertel für Stimmung gesorgt. „Nazis verpisst euch!“ wurde irgendwann an die Hauswand des Lokals gesprüht, Anti-Nazi-Aufkleber pappten an den Fenstern. Daraufhin schrieb Pegida Bayern auf Facebook: „Geht bitte mal das Restaurant Casa Mia mit euren Familien und Freunden besuchen!“ Der Wirt werde „systematisch geschädigt“. Das gefiel Costa auch nicht. „Ich bin zum Spielball geworden“, sagt er. Später im Jahr verpflichtete ihn die Brauerei per Zusatzvertrag, sich einzuschalten, sobald er einschlägige politische Umtriebe bemerke. „Aber das ist Unsinn“, sagt Costa. „Die Leute kamen einzeln. Sie reden unter sich. Soll ich jeden nach seiner Gesinnung fragen? Ich bin Wirt und kein Spion!“

Costas Umsätze brachen ein – spürbar

Die Brauerei war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Costa sagt, sie habe um ihr Image gefürchtet. Dabei hatte Sprecher Oliver Bartelt vergangenes Jahr noch gesagt, die Brauerei stehe gemeinsam mit dem Rathaus hinter dem Wirt. Doch Costa zufolge trieb vor allem BA-Mitglied Dill die Sache weiter, meldete einzelne Pegida-Leute der Brauerei. Dill habe ihm Hoffnung gemacht, dass sein Umsatz hochschnelle, wenn er mit dem Attribut „Pegida-frei“ werbe. Costa traute dieser Aussicht nicht. Seine Umsätze brachen ein – spürbar.

Der Wirt weiß, dass dass das wegen des schlechten Rufs so gekommen sein muss, den er inzwischen hat. Seine Existenz sei am Ende. Nun will er sich „erstmal ausruhen von den Deutschen“.

Der Sendlinger Michael Günther ist traurig: Das bodenständige Lokal sei „der Mittelpunkt“ der Straßenzüge gewesen. „Es ist jammerschade.“ Dill war am Freitag nicht erreichbar. BA-Chef Lutz sagte, er sei „überrascht“ von der Schließung: „Zuletzt war Pegida ja dann raus“, sagt er. Er finde es sehr bedauerlich, dass Costa gehen muss.

Von Christine Ulrich

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Kommentare

Ben
(2)(0)

Interessant hierzu ist auch der aktuelle Fall einer Ladenbesitzerin in Töging (Landkreis Altötting), die aufgrund zahlreicher Diebstähle nun keine Asylanten mehr bedienen möchte. Bei dieser Gruppe greift nun der Diskriminierungsvorwurf, der im Casa Mia ausgeschlossen war. Es ist doch sehr interessant wie hier argumentiert wird, je nach Zielgruppe und Interessenlage. Der Ausschluss von Gästen im Casa Mia war keine Diskrimnierung und es wurde ja darauf hingewisen, dass man diese nicht bedienen müsse. Nun die Ladenbesitzerin in Töging muss dies auch nicht.

RothbardAntwort
(0)(0)

Nicht ohne Grund, waren ja auch lupenreine Sozialisten. Wird nur ungern an die große Glocke gehängt.

thorsten
(2)(0)

Mich erinnert das Ganze schwer an Stasi- und Nazizeiten.
So langsam kann ich mir gut vorstellen, wie die Menschen in der DDR und dem dritten Reich sich gefühlt haben ...