Sie wolllen nicht aufgeben

Ärger wegen Pegida: Stammgäste kämpfen um das „Casa Mia“

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Claudia Rieg-Appleson sammelt Unterschriften – sie will das „Casa Mia“ an der Implerstraße vor der Schließung retten.

Die Stammgäste des italienischen Restaurants „Casa Mia“ in Sendling, dem ein Pegida-Stammtisch zum Verhängnis wurde, wollen nicht aufgeben. Sie kämpfen für ihr Lieblingslokal. 

München - Das Sendlinger Restaurant „Casa Mia“ steht vor dem Aus. Als im August 2016 bekannt wurde, dass sich Vertreter des rechtspopulistischen Bündnisses Pegida dort trafen, geriet es in Verruf. Kürzlich kündigte die Brauerei Anheuser-Busch-Inbev, die das Ristorante mit Bier belieferte, den Betreibern den Pachtvertrag. Jetzt machen Stammgäste sich für den Erhalt ihres Lieblingslokals stark.

„Ich hoffe, es ist noch nicht zu spät“, sagt Claudia Rieg-Appleson. Seit 25 Jahren besuche sie das Lokal der sizilianischen Wirtsfamilie Costa. „Wir haben dort schon die Taufe unserer Kinder gefeiert – die sind heute über 20 Jahre alt.“ Das „Casa Mia“ sei mehr als ein Restaurant, eher ein sozialer Treff für die Bewohner des Viertels. „Die Belegschaft ist für mich praktisch Familie.“ Mit Pegida hätten die Costas nichts am Hut, „dafür lege ich sämtliche Gliedmaßen ins Feuer“. Im Gegenteil, das Ristorante sei sehr international ausgerichtet.

Die Zeit drückt: Bald wird das „Casa Mia“ seine Pforten schließen

Seit Freitag sammelt Claudia Rieg-Appleson Unterschriften. Um zu zeigen, dass es in Sendling viele Menschen gibt, die das „Casa Mia“ vermissen würden. „Mittlerweile sind es etwas mehr als 40 Unterzeichner.“ Auch dem zuständigen Bezirksausschuss habe sie geschrieben, und der Brauerei. Ob noch eine Chance für die Rettung des Lokals besteht, könne sie nicht einschätzen. Die Zeit drückt, kommenden Freitag soll das „Casa Mia“ seine Pforten schließen. Auch wenn Rieg-Appleson nicht weiß, ob ihre Aktion etwas bewegen kann – aufgeben will sie nicht. „Ich werde einfach alles mögliche auf die Beine stellen“, sagt die professionelle Psychotherapeutin. „Es ist traurig, dass so eine Einrichtung nach Jahrzehnten einfach schließen muss.“

Der Brauerei Anheuser-Busch-Inbev zufolge hat die Kündigung nichts mit den Pegida-Gästen zu tun. „Zum Thema Casa Mia kann ich Ihnen bestätigen, dass wir dem Wirt fristgerecht und mit ihm besprochen gekündigt haben“, antwortet Brauerei-Sprecher Oliver Bartelt auf eine Anfrage unserer Zeitung. „Die Kündigung ist allerdings nicht politisch motiviert, wie ich aus einzelnen Medienberichten herauslesen musste, sondern rein wirtschaftlich bedingt.“ Die Außenstände hätten eine weitere Zusammenarbeit mit dem Pächter nicht ermöglicht.

Marian Meidel

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