Flüchtlinge aus Afghanistan

Diese junge Familie hofft auf Asyl

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Obaidulla A. (28) und Ehefrau Rabia (23) mit Tochter Oraag

München - Die kleine Oraag ist erst zwei Jahre jung, aber hat bereits schreckliche Zeiten durchgemacht. Das Mädchen ist mit ihren Eltern aus dem Krieg in Afghanistan nach Deutschland geflohen.

Die Familie aus Kabul hat in der katholischen Kirchengemeinde St. Korbinian in Sendling Kirchenasyl gesucht. Doch ihre Zukunft ist ungewiss.

Nach monatelanger, harten Flucht in Bussen, Zügen, Flüchtlingslagern und einem Monat in Haft leben Obaidulla A. (28) und seine Frau Rabia (23) mit ihrer Tochter seit Januar im alten Gemeinschaftsraum der Gemeinde. Doch rechtlich gibt es für Kirchenasyl keine Grundlage, ihr Aufenthalt hier wird nur geduldet. Bereits im Dezember 2013 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Abschiebung der Familie in die Slowakei angenordnet – das Land ist nach europäischen Regeln als Einreiseland der Familie in die Europäische Union für das Asylverfahren zuständig.

Doch in die Slowakei wollen Obaidulla A. und seine Familie nicht zurück. Für die Flucht aus Afghanistan bezahlte er 28 000 Dollar, verkaufte den Schmuck seiner Frau und lieh sich viel Geld. Schleuser brachten die Familie nach Russland. In der Slowakei kam sie später in einem Lager unter. 20 Tage war die Familie dort eingesperrt, hatte kaum zu essen. Über Bratislava und Wien reiste sie ohne Dokumente weiter, bis sie in Passau von der Polizei im Zug aufgegriffen wurden. „Es war unser Ziel, nach Deutschland zu kommen“, sagt Obaidulla. In Abschiebehaft lernte er Dieter Müller vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst kennen, der ihm eine Anwältin und ein Zimmer im Pfarramt St. Korbinian vermittelte.

Familie A. ist nicht der einzige Fall in München: In der evangelischen Nachbargemeinde hofft eine weitere afghanische Familie auf ein Asylverfahren in Deutschland. Derzeit sind dem Ökumenischen Kirchenasylnetz 17 Fälle in Bayern bekannt, pro Woche gehen im Schnitt fünf Anfragen rein. Traditionsgemäß dulden Ministerium und Ausländerämter die Aufnahme von Flüchtlingen in Kirchengemeinden, wenn der Aufenthaltsort gemeldet wird. Nachdem die Augsburger Polizei aber im Februar erstmals seit 18 Jahren ein Kirchenasyl räumte, ist die Sorge der Familie A. groß, dass sich das wiederholt. Sprecher Stefan Frey vom Innenministerium beruhigt: „Wenn der Pfarrer nicht will, wird die Polizei keine kirchlichen Räume betreten oder gewaltsam Personen abführen.“

Für Familie A. sind nun die nächsten Monate entscheidend. Das Migrationsamt in der Slowakei bestätigte ihre Rücknahme im Oktober. „Seitdem bleiben den deutschen Behörden sechs Monate, um die drei abzuschieben“, sagt Dieter Müller vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst. Nach Ablauf der Frist wird Deutschland für das Asylverfahren zuständig: „Darauf hoffen wir.“

tz

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