35 Grundstücke wurden untersucht

Interimsquartier für den Gasteig steht fest - langfristige Zukunft noch unklar

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„Kulturpolitischer Glücksfall“: Der Gasteig soll ab Ende 2020 übergangsweise an die Hans-Preißinger-Straße in Sendling umziehen.

35 Grundstücke standen zur Auswahl - nun hat sich die Gasteig-Verwaltung auf ein Ausweichquartier festgelegt.

Sendling - Der Gasteig zieht ab Ende 2020 für fünf Jahre nach Sendling. Der Stadtrat hat den Standort für das Interimsquartier auf dem Stadtwerke-Areal an der Hans-Preißinger-Straße einmütig befürwortet. Die Kulturschaffenden und Gewerbetreibende können am Gelände bleiben. Vorübergehend drohte dem Gasteig gar die Totalschließung.

Die Liste der überprüften Standorte liest sich wie eine Landkarte des Stadtgebiets: Nicht weniger als 35 Grundstücke hat die Verwaltung untersucht, um ein Ausweichquartier für die Zeit zu finden, in der das Kulturzentrum an der Rosenheimer Straße generalsaniert wird. Das Ergebnis fasste Gasteig-Chef Max Wagner am Dienstag im Stadtrat relativ simpel zusammen: „Der Standort in Sendling ist der einzige, der sich eignet.“ Und zwar in jeder Hinsicht, wie Wagner fand. „Die Münchner können dort die Lebendigkeit und einzigartige Vielfalt des Gasteig weiterhin in zentraler Lage genießen“, sagte Wagner. Gemeinsam mit den bisherigen Mietern auf dem Gelände entstehe eine neue Mischung, „die viele Menschen begeistern wird“.

Philharmonie soll ein neues Domizil erhalten

Kultur-Bürgermeister Josef Schmid (CSU) zeigte sich erfreut, dass alle verschiedenen Nutzungen des Gasteigs in Sendling untergebracht werden können, auch ein Großteil der Stadtbibliothek und der Volkshochschule. Die Philharmonie erhält ein neues Domizil mit 1800 Plätzen, für die Musiker wird ein Konzertsaal in Holzmodulbauweise errichtet. Ein Drittel der 90,4 Millionen Euro Gesamtkosten für das Übergangsquartier entfallen auf diesen Bau. 

So soll das Gasteig-Ausweichquartier aussehen.

„Das ist kein Pappenstiel für einen Interimsbetrieb“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Reissl. Die Verkehrsanbindung der 30.500 Quadratmeter großen Fläche halten Schmid und Reissl für gut. Vom U-Bahnhof Brudermühlstraße sind es etwa 500 Meter zu dem Areal. „Das ist zumutbar“, meinte Reissl. Auf dem Gelände sind 100 Parkplätze ausgewiesen, weitere 200 sollen bei der nahe gelegenen Großmarkthalle zur Verfügung stehen. Von dort sei ein Shuttle-Service für Besucher der Philharmonie geplant, sagte Wagner. 

Taktverdichtung bei der U-Bahn geplant

Der Gasteig-Chef kündigte überdies an, dass es auf der U3 eine Taktverdichtung geben werde. Auch die Busverbindung werde verbessert. Markus Lutz (SPD), der Vorsitzende des Bezirksausschusses Sendling, hatte zuvor eine Überarbeitung des Verkehrskonzepts angeregt. Außerdem forderte er eine Bestandsgarantie für die derzeitigen Nutzer des Areals. Wagner zufolge müssen nur zwei der 82 ansässigen Mieter weichen.

Derzeit ist der Gasteig noch am Rosenheimer Platz untergebracht.

Wie es langfristig aussieht – also für die Zeit nach 2025 –, ist unklar. Die Rathaus-Koalition aus CSU und SPD legte sich nämlich darauf fest, dass nach Ende der Interimsnutzung Werkswohnungen für die Stadtwerke und allgemeine Wohnbebauung entstehen sollen. CSU und SPD machten jedoch deutlich, dass eine kreative Nutzung nicht ausgeschlossen sei. Dies könne in einem städtebaulichen Wettbewerb geklärt werden. 

OB Reiter zeigt sich für andere Nutzungen offen

Parallel dazu sollen die Mieter bei der Suche nach Alternativflächen vom Wirtschaftsreferat unterstützt werden. Die Grünen hätten sich gewünscht, prinzipiell eine langfristige Weichenstellung zugunsten einer Mischung von Wohnen, Kultur und Gewerbe vorzunehmen. Doch darauf wollte sich die GroKo nicht einlassen. OB Dieter Reiter (SPD) versicherte gleichwohl: „Sie können davon ausgehen, dass wir außer Wohnungen auch andere Nutzungen zulassen werden.“

Generell waren auch die Grünen mit Standort und Konzept des Interimsquartiers zufrieden. Roth sprach von einem „kulturpolitischen Glücksfall“. Mit dem Entwurf des Architekturbüros CBA sei „fast die Quadratur des Kreises“ gelungen. In einem Konzept seien zwei Interessen vereint: „Der große Kulturbetrieb und die kleine Kreativwirtschaft.“

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