Bezirksausschuss kann nicht viel machen

„GravityLab“ droht die Bruchlandung - Freesport-Anlage findet keine neue Halle

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Fliegt einiges um die Ohren: Sabine Schmalschläger in ihrem GravityLab, das sie in ein paar Wochen geräumt haben muss.

Das Sart-up „GravityLab“ steht vor dem aus. Die Freesport-Anlage aus Sendling muss ausziehen findet aber keinen neuen Standort.

München - Seit ihrer Gründung vor drei Jahren hat Sabine Schmalschläger beharrlich für die Existenz der Sendlinger Freesport-Anlage „GravityLab“ gekämpft. Heute steht ihr kleines Start-up trotz gut laufenden Geschäfts vor dem Aus. Im Oktober hatte der Vermieter, eine große Immobiliengesellschaft, den Mietvertrag gekündigt. Im Mai soll sie die Sporthalle an der Flößergasse verlassen. Der Grund: Der Vermieter wolle die Halle abreißen, um dort ein mehrstöckiges Bürogebäude zu errichten, sagt sie.

Bezirksausschuss kann nicht viel machen

In ihrer Not bat Sabine Schmalschläger den Sendlinger Bezirksausschuss (BA) um Hilfe. Da es sich jedoch um einen privaten Investor handele, seien die Einflussmöglichkeiten gering, erläuterte BA-Chef Markus Lutz (SPD) in der jüngsten Gremiumssitzung. Die Stadtviertelpolitiker waren trotzdem einstimmig dafür, den Vermieter in einem Brief zu bitten, dass er den Mietvertrag verlängert, bis das GravityLab einen neuen Standort gefunden habe. Auch die Stadt stünde hinter ihr und wolle helfen, sagt sie. Doch gegen den Vermieter könne auch sie nichts ausrichten.

Das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern: „Vom ersten Tag an haben wir wahnsinnig viel Pech gehabt“, erzählt Schmalschläger. Viel Geld hatte ihr „Herzensprojekt“ bereits vor seiner Eröffnung im Herbst 2016 durch die Nutzungsänderung von einer Industrienutzung auf einen öffentlichen Sportbetrieb verschlungen. Die damit verbundenen Brandschutzanlagen hätten „große bauliche Eingriffe“ erfordert. Ausgaben, die Schmalschläger bei der Anmietung in diesem Umfang nicht bekannt gewesen seien. Im Juni 2018 kam dann noch ein Wasserschaden hinzu, der zu einer zehnwöchigen Schließung führte. Das alles habe sie in eine „angespannte finanzielle Situation“ gebracht, berichtet die Geschäftsführerin.

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Kaum Zeit eine neue Halle zu finden

Als ob das nicht alles schon genug wäre, droht Schmalschläger nun der Auszug. Eigentlich hätte sie ihre Halle schon Ende Oktober verlassen müssen. Doch auch der vom Vermieter gewährte Aufschub bis Mai sei zu kurz, um in München eine geeignete Halle zu finden. Diese müsse verschiedene Kriterien erfüllen: Neben einer Fläche von mindestens 1500 Quadratmetern und einer Deckenhöhe von acht Metern, sollte sie gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sein, da die meisten ihrer Kunden Kinder und Jugendliche sind. Es ist „ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagt Schmalschläger. Zwar gebe es Objekte, die ihre Kriterien erfüllten, diese seien aber so kurzfristig nicht verfügbar.

Viel Herzblut und Arbeit hat sie bisher schon in das Projekt gesteckt, dass am Wochenende bis zu 200 Besucher zählt. Angetrieben hatten sie ihre beiden Söhne, die als Ski-Freestyler im deutschen Kader einen Platz für ihr Sommertraining suchten. Ihr Ziel: „Mit einer Sportart, die dem Zeitgeist entspricht, möglichst viele Menschen zu einem Leben mit mehr Bewegung zu animieren.“ Auf einer Fläche von 1900 Quadratmetern können Besucher des GravityLab die unterschiedlichsten Freestyle-Sportarten trainieren wie Freeski, Slackline, Akrobatik oder Skaten. Ideen für die Zukunft der Sporthalle hat die Unternehmerin viele – wie ein Angebot für Angsttherapie oder Trampolinspringen für Senioren.

Mit dem drohenden Auszug liegt vor Sabine Schmalschläger ein steiniger Weg: Ob sie es schaffen wird, weiß sie nicht. Doch eines steht für die Unternehmerin fest: „kampflos aufgeben ist keine Option.“

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Christina Seipel

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