Initiative kämpft für den Markt-Standort

Händler kämpfen: „Unser Großmarkt gehört in die Stadt“

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80 verschiedene Sorten Erdbeeren gibt es in der Großmarkt-Halle.

Der Großmarkt in Sendling ist der Bauch der Stadt, 600.000 Tonnen Waren werden hier Jahr für Jahr umgeschlagen. Doch die Zukunft des größten deutschen Großmarkts steht auf der Kippe.

München - Hier gibt es (fast) nichts, was es nicht gibt - damit das so bleibt, haben sich Händler, Erzeuger und Betreiber jetzt zur Initiative Großmarkt in Sendling zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Der Markt soll in Sendling bleiben – und sich dem Viertel öffnen.  Wir haben uns in den Markthallen umgesehen.

Die Halle 1 des Münchner Großmarkts ist eine Kathedrale der Früchte. Französische Aprikosen, Schrobenhausener Spargel, italienische Heidelbeeren, spanische Tomaten und 80 Erdbeersorten warten auf Abnehmer. Die Großhändler steuern ihre Hubwägen voller Obstpaletten auf schmalen Gängen flink durchs Gewirr der Kunden. Die Preise sind Verhandlungssache, bezahlt wird noch bar. Doch so imposant die Halle aus dem Jahr 1912 mit ihrem hohen Dach und den markanten Fenstern auch ist: Die Händler sind unzufrieden. „Die Technik ist nicht mehr auf dem neuesten Stand“, erklärt Händler Fritz Möss. An heißen Tagen lässt sich die Halle kaum kühlen, umgekehrt fällt es schwer, sie an kalten Tagen zu heizen. Möss flüchtet sich in Galgenhumor: „Immerhin regnet’s noch nicht rein.“

600.000 Tonnen Ware im Jahr 

In Sendling werden Jahr für Jahr 600.000 Tonnen Waren umgeschlagen. Doch die Zukunft des größten deutschen Großmarkts ist ungewiss – die Markthallen sind baufällig, der geplante Neubau kommt seit Jahren nicht aus den Startlöchern. Darum haben sich Händler, Erzeuger und Betreiber zur Initiative „Großmarkt in Sendling. Jetzt.“ zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Der Markt soll in Sendling bleiben – und sich dem Viertel öffnen.

Die Händler wünschen sich endlich eine Entscheidung von der Stadt. „Wir haben bis jetzt keine klare Aussage, was ein Neubau kosten würde und was das für unsere Mietpreise hier bedeuten würde“, ärgert sich Möss. Er rechnet vor, dass seine Kollegen am Großmarkt im italienischen Verona gerade mal sechs Euro pro Quadratmeter zahlen – er hingegen muss zwölf Euro pro Quadratmeter hinlegen. „Für eine absolut baufällige Ruine.“

So soll der Neubau aussehen.

Die endgültigen Kosten kommen Ende Juli im Stadtrat auf den Tisch. Markthallen-Chef Boris Schwartz: „Wir bewegen uns exakt im Kostenrahmen, den der Stadtrat vor drei Jahren beschlossen hat.“ 105 Millionen Euro soll die neue Halle kosten, 20 Millionen Euro Risikoaufschlag und die Kosten für Altlasten und Abbruch der nicht mehr benötigten Gebäude kämen dazu. Ende Juli wird der Stadtrat entscheiden, wie es mit den Hallen und den Händlern weitergeht. „Wir wollen hier nicht weg“, sagt Möss.

Das sagen Händler und Kunden über „ihren“ Großmarkt in Sendling

Ruhi Keser (43), An- und Verkäufer von Früchten aus München.

Ruhi Keser (43), An- und Verkäufer von Früchten, München: Ich arbeite schon fast mein halbes Leben auf dem Großmarkt. 30 bis 40 Prozent unseres Umsatzes machen mit Zwischenhändlern vor Ort. Daher ist es für uns sehr wichtig, dass die Händler so zusammen bleiben.

Levent Aras (40), Früchtegroßhänlder aus Kempten.

Levent Aras (40), Früchtegroßhänlder aus Kempten: Drei Mal pro Woche fahre ich aus Kempten nach München, um auf dem Großmarkt nach frischer Ware für meine Kunden Ausschau zu halten. Am Mittag fahre ich dann im besten Fall mit meinem Zwölftonner-Lkw voller frischer Ware zurück ins Allgäu. 

Fritz Möss (49), Chef der Fritz Möss Fruchthandels-GmbH.

Fritz Möss (49), Chef der Fritz Möss Fruchthandels-GmbH: Wir wollen hier nicht weg, aber wir Händler brauchen jetzt dringend Klarheit. Wir sind schließlich Kaufleute – und bei aller Verbundenheit muss ein Standort für uns in erster Linie ökonomisch sinnvoll sein. Wird es zu teuer, müssen wir raus.

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