In den Sendlinger Hallen rumort es

Neubau oder Umzug? Das Gefeilsche um den Großmarkt

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Die Großmarkthalle gibt es seit 1912. Mittlerweile beschäftigen 407 Händler rund 2500 Arbeiter.

Die Großmarkt-Händler sind verärgert, weil die Stadt sich mit der Entscheidung für einen Neubau Zeit lässt. Zwar wolle man in Sendling bleiben. Aber man werde die Gespräche mit der Gemeinde Vaterstetten weiterführen. Der Druck wächst auf den Stadtrat. Dort ist man sich in Sachen Neubau gar nicht so sicher.

München - Es wirkt ein bisschen schizophren. Niemand scheint etwas dagegen zu haben, dass die Großmarkthalle in Sendling bleibt. Der Kommunalreferent nicht, der örtliche Bezirksausschuss nicht, die Bürger nicht, und auch die Händler betonen, dass sie zwischen Schäftlarn- und Thalkirchner Straße bleiben möchten. Gleichwohl ist eine Debatte entbrannt. Um den Verbleib einiger Händler und den Neubau der Hallen. 

Denn die Unternehmer sind unzufrieden, einige liebäugeln bereits mit einem Umzug nach Vaterstetten. Dort im Ortsteil Parsdorf will wohl ein Investor gegenüber dem Möbelhaus Segmüller eine neue Halle errichten. „Es gibt aber noch keine konkreten Pläne und auch keinen Betreiber“, sagt Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD). Zudem seien die 40 Umzugswilligen auch nicht wirklich repräsentativ bei über 400 Betrieben auf dem Großmarkt. Markwardt will die Händler halten. Und die wollen im Grunde auch nicht weg. Denn ein Umzug in den Landkreis Ebersberg birgt Nachteile. „Seit 100 Jahren gibt es die Diskussion um den Standort. Und der Großmarkt ist immer da geblieben“, sagt Hans Widmann von der Herbert Widmann GmbH. Er ist sich sicher, dass „100 Prozent der Leute in Sendling bleiben“ wollen.

Das sagen die Händler - „Schon seit acht Jahren wird hier rumgeeiert“

Problem aus seiner Sicht ist, dass die Stadt seit 2009 zwar erklärt habe, den Standort in Sendling zu erhalten. Doch die bauliche Substanz werde dem Bedarf nicht mehr gerecht. Die Informationen, ob und wann was passiert, seien bisher sehr spärlich. Ein paar kleinere Firmen aus dem Umfeld hätten sich wegen der ungewissen Situation bereits verabschiedet. „Es kann ja nicht sein, dass da seit acht Jahren rumgeeiert wird.“

Das Büro Ackermann hatte sich mit dem Entwurf durchgesetzt und erhielt 2015 den Planungsauftrag.

Darüber hinaus habe man seit vier oder fünf Jahren „ganz schlimme Mietverhältnisse“, sagt Christian Kieslinger von Früchte Feldbrach. Teils würden Verträge nur noch für drei Monate abgeschlossen, weil unklar sei, wie es weitergehe. Das sei auch der Grund für die Suche nach einem Alternativ-Standort. „Die Gespräche werden wir weiterführen“, sagt Andreas Buchner von der Hausladen Fruchthandelsgesellschaft.

Das sagt die Stadt - Den Standort erhalten

Markwardt will wohl im Juli dem Stadtrat einen Vorschlag für die Projektgenehmigung machen. Doch eine Zustimmung scheint ungewiss. 

Die Großmarkthalle.

Scheitern könnte die Sanierung tatsächlich an den Kosten. Ursprünglich waren mal 120 Millionen Euro kolportiert worden, im Vorjahr geisterten dann Zahlen von etwa 180 Millionen Euro durch das Rathaus. Markwardt verweist diese Spekulationen zwar ins Reich der Fabeln. Dennoch: Mit der CSU werden wohl auch 120 Millionen Euro nicht zu machen sein. „Unsere Schmerzgrenze liegt bei 100 Millionen Euro“, sagt CSU-Stadtrat Hans Podiuk. „Wir brauchen da kein Architektur-Denkmal, sondern ein Funktionsgebäude.“ 

Bei der SPD gibt es noch keine Marschroute. „Die Frage ist, wie funktionsfähig der Neubau ist und wie teuer. Oder ob man erst kleiner baut und später erweitert“, sagt Ulrike Boesser. Die Fraktion wird sich nach den Osterferien zusammensetzen. „Wir müssen uns das ansehen. In Frankfurt etwa ist der Umzug an den Stadtrand dem Großmarkt nicht gut bekommen.“

Kommentar zum Großmarkt-Streit: Arbeitsplätze in München halten

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