Kommt jetzt ein privater Investor?

Neue Großmarkthalle wird 40 Millionen teurer

+
Der Neubau der Großmarkthalle, der neben den historischen Bauten entstehen soll, wird wohl wesentlich teurer, als geplant. Die denkmalgeschützte Halle bleibt stehen. 

Die neue Großmarkthalle wird deutlich teurer. Informationen unserer Zeitung zufolge rechnet das Kommunalreferat jetzt mit Kosten von 158 Millionen Euro, 40 mehr als geplant. Im Stadtrat nimmt man diese Schätzung bestürzt zur Kenntnis. Das Projekt droht zu scheitern.

München - Axel Markwardt (SPD) wirkt stets etwas gereizt, wenn es um die Kosten für die neue Großmarkthalle geht. Die im Vorjahr kolportierten 180 Millionen seien aus der Luft gegriffen, sagte der Kommunalreferent unlängst bei einer Pressekonferenz. „Wir haben die Kosten im Griff.“

Nun aber stellt sich heraus, dass die im Vorjahr artikulierte Summe gar nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt war. Informationen unserer Redaktion zufolge wird der Neubau an der Thalkirchner Straße nun auf insgesamt 158 Millionen Euro taxiert. Der Neubau der Halle allein würde 123 Millionen verschlingen, hinzu kommen noch Kosten von 35 Millionen Euro für Lärmschutz, Erschließung, Abriss und etwa die Entfernung von Altlasten. Ursprünglich war von 118 Millionen Euro die Rede.

Eine Sanierung muss sein

Dass im Bauch der Stadt etwas passieren muss, ist unstrittig. Die alte Halle ist baufällig. 2013 hatte der Stadtrat Pläne für einen Neubau in Auftrag gegeben. Auf dem etwa 45.000 Quadratmeter großen Hallengelände sind etwa 24.000 Quadratmeter für die Vermietung vorgesehen. Zudem würden Flächen frei, die auch für den Bau neuer Wohnungen genutzt werden könnten.

Der Stadtrat soll wohl final im Juli über die Pläne des Kommunalreferates abstimmen. Zuletzt hatten einige Händler kritisiert, dass die Stadt sich mit einer endgültigen Entscheidung für einen Neubau Zeit lasse. Zwar hatte der Stadtrat bereits 2009 grundsätzlich votiert, den Standort in Sendling zu erhalten. Seitdem sei aber zu wenig passiert. Einige Unternehmer kokettierten daher ganz offen mit einem Umzug nach Vaterstetten. Dort hat sich offenbar ein Investor gefunden, der im Ortsteil Parsdorf, gegenüber dem Möbelhaus Segmüller, eine neue Halle errichten würde. Die Händler würden laut eigenem Bekunden aber lieber in München bleiben.

Auch innen bekommen die Händler mehr Platz. 


Kommt kein Neubau muss der Großmarkt umziehen

Umziehen müssten sie, spricht sich der Stadtrat gegen einen Neubau aus. Dann würden allerdings in sehr guter Lage Flächen für Wohnungen frei. Doch auch dazu müsste die Stadt offenbar tief in die Tasche greifen. Das Kommunalreferat geht von Kosten von etwa 120 Millionen Euro aus, wenn lediglich die Grundstück hergerichtet würden. Kritiker vermuten aber, dass diese Summe absichtlich hochgerechnet worden sei. So tauchen bei dieser Kostenaufstellung etwa Ausgaben für die Entfernung von Altlasten unter der Halle oder unter dem Lkw-Parkplatz auf, die man offenbar glaubt, bei einem Neubau einsparen zu können.

„Es ist auch die Rede von 18 Millionen Euro für die Sanierung des Kontorhauses 2, die angeblich bei einem Neubau der Großmarkthalle entfallen“, sagt ein Insider. Doch egal, ob man die Halle neu baue oder nicht, das denkmalgeschützte Gebäude bliebe in beiden Fällen stehen. „Das Referat trickst, weil es den Hallenneubau will“, sagt ein Stadtrat.

Auch innen bekommen die Händler mehr Platz. 


Gibt die Stadt das Projekt aus der Hand?

In dem Gremium ist der Neubau nicht erst seit der neuerlichen Kostenaufstellung umstritten. Eine Zustimmung zu dem 158-Millionen-Projekt gilt bei der CSU als nahezu ausgeschlossen, und auch die SPD hadert dem Vernehmen nach intern. Es gibt wohl Stimmen, die sich für die vom Kommunalreferat ausgesprochene Variante aussprechen. Allerdings seien die in der Minderheit. Und im Rathaus mehren sich nun Stimmen, die eine Alternative fordern.

„Es ist vorstellbar, dass wir den Neubau extern vergeben“, sagt ein Stadtrat. Das Grundstück würde verpachtet, ein Investor baut die Halle und vermietet diese an die Stadt. Und die könnte wiederum die Flächen an die Händler vermieten. Dem Vernehmen nach gibt es bereits einen privaten Investor, der sich aus eigener Berufung heraus genau mit solch einer Kalkulation an Stadträte gewandt hat.

Händler wären abhängig vom Investor

Die Kosten für die Stadt jedenfalls seien in dem Fall überschaubar. „Das amortisiert sich“, sagt ein Insider. „Durch den Mietzins haben wir am Jahresende möglicherweise ein leichtes Plus, allenfalls geht es Null auf Null auf.“ Allerdings wären die Mieten für die Händler in zweiter Linie abhängig von einem Investor. Diese Kosten zumindest hätte die Stadt dann nicht mehr alleine im Griff.

Mehr Nachrichten aus Sendling finden Sie auch auf unserer Facebookseite Sendling - mein Viertel. 

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare