Jetzt gehen sogar schon die Kinder auf die Straße

Harras: Kita-Chefin verzweifelt gesucht!

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Eltern und Kinder der Kita Chocolate Butterflies suchen händeringend nach einer neuen Kindergartenleiterin.

München - Der Erzieher-Mangel in München wird immer dramatischer: Jetzt gehen sogar schon die Kinder auf die Straße und suchen verzweifelt nach einer neuen Chefin!

Den Kindergarten Chocolate Butterflies e.V. am Harras gibt es bereits seit 20 Jahren. Das Besondere: Die Mädchen und Buben werden hier zweisprachig (also auf Englisch und Deutsch) erzogen. Doch seit November vergangenen Jahres fehlt der Einrichtung eine offizielle Leitung. Für die Elterninitiative liegt der Grund auf der Hand: Der Chef verdient hier kaum mehr als die übrigen Erzieher!

„Wir wollen mit der Flyer-Aktion zeigen, was für ein toller Arbeitsplatz unser Kindergarten ist“, sagt Christoph Wilcke, ein Vorsitzender der Elterninitiative. Der Kindergarten halte sich momentan mit Aushilfskräften über Wasser, aber das könne kein Dauerzustand sein. Über soziale Netzwerke, lokale Medien oder über Mundpropaganda: „Wir haben alles versucht, sogar bei anderen Kindergärten haben wir uns nach Personal erkundigt“, sagt Wilcke. Bewerbungen gehen zwar ein, doch in allen Fällen interessiert man sich lediglich für eine Stelle als Erzieher, eine leitende Position will niemand übernehmen. Woran liegt’s? Für Christoph Wilcke ein klarer Fall: „Es liegt am Stellenmarkt. Der Lohnunterschied zwischen einem Erzieher und einem Kindergartenleiter liegt bei 100 bis 200 Euro. Den meisten ist dann die Verantwortung zu groß, die der Job mit sich bringt.“ Dieses Problem betrifft offenbar auch viele städtische Einrichtungen: Laut Bildungsreferat sind aktuell 70 der insgesamt 800 Kita-Chefpositionen in München nicht besetzt.

Die Elterninitiative von Chocolate Butterflies e.V. überlegt jetzt, wie sie selbst Anreize für Fachkräfte schaffen kann. „Wir überlegen, ob wir dem neuen Leiter die Wohnungszulage aus der eigenen Tasche zahlen. Das ist aber nur schwer zu stemmen“, betont Wilcke. Dabei lassen sich die Arbeitsbedingungen für den künftigen Leiter durchaus sehen. „Auf 25 Kinder kommen fünf Erzieher, das ist eine gute Quote“, versichert Wilcke. Auch die Räume an der Gaißacher Straße sind in einem einwandfreien Zustand. Was der künftige Kindergarten-Boss mitbringen sollte? Wilcke: „Ganz einfach: Spaß am Beruf.“

1000 Erzieher fehlen

Eine ganze Stadt kämpft um Erzieher: In München gibt es 1250 Krippen, Kitas und Horte – 400 von der Stadt und 850 freie Kitas wie die Chocolate Butterflies. Über den Mangel an Betreuerinnen und Betreuern berichtete Stadtschulrat Rainer Schweppe (SPD) zu Beginn des Kindergartenjahres vergangenen September: Allein bei der Stadt fehlen 350 Erzieher, um eine optimale Betreuung sicherzustellen. Dabei wurden in der ersten Hälfte 2014 schon rund 300 Leute eingestellt. Hochgerechnet auf alle anderen Kitas, fehlen also in der ganzen Stadt rund 1000 Erzieher!

Das hat Folgen: Die Betreuung wird gekürzt! Im vergangenen Kindergartenjahr musste allein die Stadt an 35 Standorten die Öffnungszeit einschränken – an einzelnen Tagen wurde zugesperrt oder freitags früher dichtgemacht. Ganze Gruppen mussten aber nicht aufgelöst werden. Allerdings können neue Kitas nicht voll belegt werden: Von 40 Neubauten seit 2012 konnten 18 nur teilweise den Betrieb aufnehmen.

Die Stadt sucht mit vielen Aktionen nach Mitarbeitern. Jüngst hat OB Dieter Reiter (SPD) auch 200 Euro Gehaltszuschlag durchgesetzt. Eine Erzieherin verdient bei der Stadt laut Tarif zum Einstieg ab 2300 Euro. Die steigen je nach Erfahrung und Verantwortung bis 3600 Euro. Eine Kita-Leitung kommt auf 2900 bis 4300 Euro.

Johannes Heininger/dac

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