Versorgungs-Probleme im Münchenstift

Immer noch Mängel im St.-Josefs-Heim!

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München - Das Altenheim St. Josef kommt immer noch nicht zur Ruhe. Vergangene Woche war die Heimaufsicht nach tz-Informationen wieder im Haus am Luise-Kiesselbach-Platz: Immer noch Mängel!

Das Altenheim St. Josef kommt immer noch nicht zur Ruhe: Erst deckt ein Fernsehteam vergangenen Mai schwere Misshandlungen von Bewohnern auf. Dann stellt die Heimaufsicht „erhebliche Mängel“ fest. Vergangene Woche war die Heimaufsicht nach tz-Informationen wieder im Haus am Luise-Kiesselbach-Platz: Immer noch Mängel!

KVR-Chef und damit Münchens oberster Heimaufseher, Wilfried Blume-Beyerle, bestätigt der tz: „Leider muss man sagen, dass sich die Situation in St. Josef nicht einschneidend verbessert hat.“

Der Münchenstift-Geschäftsführer und frühere Grünen-Stadtrat Siegfried Benker weist die Diagnose Blume-Beyerles scharf zurück: Die Heimaufsicht habe vergangene Woche keine Mängel der schlimmsten Kategorie „erheblich“ mehr festgestellt, sondern schlicht „Mängel“. Bei vier Bewohnern seien Probleme mit der Wundversorgung erkannt worden – darunter Fehler in der Dokumentation der Behandlung. Eine Bewohnerin habe etwa beim Einzug fünf offene Wunden gehabt, davon seien vier verheilt, lediglich die Behandlung der letzten sei nicht vollständig dokumentiert worden. „Das kann vorkommen“, sagt Benker. Jetzt seien die Pflege-Bücher aller Patienten überprüft worden. Diese Mängel seien nicht mit den Misshandlungen vergleichbar, die RTL aufgedeckt hatte und die gravierende Konsequenzen gehabt hätten. Immerhin sei die Heimaufsicht danach rekordverdächtige sechs Mal in sechs Monaten vor Ort gewesen.

Nach wie vor herrsche ein freiwilliger Aufnahmestopp, bis die Mängel im Griff seien – 45 von 277 Betten seien nicht belegt. „Wir tun alles“, sagt Benker. Die Heimaufsicht hatte die Zufriedenheit der Bewohner bestätigt. Alle Münchenstift-Häuser seien zu 99 Prozent ausgelastet.

Bürgermeisterin und Aufsichtsratschefin Christine Strobl (SPD) stärkt Benker den Rücken: „Es geht um Mängel, die beseitigt werden müssen, aber auch beseitigt werden können.“

Chronik der Mängel

  • Dezember 2012: Im Wohnbereich 9 gibt es Probleme. Es folgen Krisengespräche, Versetzungen und ein Aufnahmestopp.
  • September 2013: Ein Bewohner (81) erleidet ein Brillenhämatom – vergleichbar mit zwei blauen Augen. Münchenstift erstattet Anzeige. Die Ursache wird nie geklärt, die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren ein. Gleichzeitig dreht ein Team des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff mit versteckter Kamera.
  • 5. Mai 2014: RTL zeigt den schockierenden Film: Der Mann mit dem Hämatom taucht auf. Eine Pflegerin stößt einen ängstlichen Mann grob ins Bett. Eine Seniorin liegt am Boden, eine Pflegerin macht sich über sie lustig und knipst Fotos. Drei Mitarbeiter werden suspendiert.
  • 8. Mai 2014: Die Heimaufsicht stellt „erhebliche Mängel“ fest – nun aber in Wohnbereich 7.
  • September 2014: Die Kontrolleure finden wieder Mängel.
  • Januar 2015: Weiter Mängel.

David Costanzo

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