Schwere Vorwürfe

Mann stirbt im Polizeigriff - Ehefrau verzweifelt

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Drei Stunden nach dem Unfall am Montag wird der BMW des Landwirts abgeschleppt.

München - Michael E. starb am vergangenen Montag im Polizeigriff. Seine Ehefrau erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Beamten. Doch die Darstellungen gehen auseinander.

Verzweifelt sitzt Marianne E. (60) an einem Tisch in ihrer Bamberger Gärtnerei. Am Montag musste sie miterleben, wie ihr Mann Michael (59) im Polizeigriff vorm Münchner Brudermühltunnel starb. Nun erhebt sie schwere Vorwürfe: „Warum musste mein Mann sterben, als ihn drei Polizisten ins Kiesbett drückten? Er hat niemandem was getan!“

Um 10.50 Uhr nahm das Schicksal in der Heckenstallerstraße seinen Lauf: Michael E. fuhr mit seinem BMW Gran Turismo auf einen Ford auf. Zuvor hatte er mit seiner Frau Marianne in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur noch ein Pferdchen für seine Enkelin gekauft. Sie erinnert sich: „Er meinte, den Unfall könnten wir ohne Polizei klären. Doch ein Zeuge hatte sie schon gerufen. Als ein Beamter zu meinem Mann ging, rief er: ‚Wir brauchen Sie nicht!‘ und schlug die Tür zu.“ Der Beamte der PI 15 deutete dies als Widerstandshandlung und drohte mit einer Anzeige. Das brachte für Gärtner E. offenbar das Fass zum Überlaufen: Schimpfend lief er auf den Streifenwagen zu.

Nun gehen die Darstellungen auseinander: Die Polizei sagt, E. habe versucht, einen Kollegen zu würgen und auch seine Frau körperlich attackiert. Diese bestreitet das: „Er hat mich nicht angerührt. Vielleicht fiel ein beleidigendes Wort. Aber er wurde sofort zu Boden gedrückt und gefesselt.“ In dieser Situation will die abgedrängte Ehefrau gehört haben, wie ein Polizist ihren Mann anschrie: „Du Arschloch, du blödes!“ Er sei dunkelrot angelaufen, habe noch mal versucht, sich aufzubäumen – und sei dann kollabiert. „Als man ihn umdrehte, hatte er noch die Kieselsteine im Mund. Seine Brille war zerbrochen.“

Leiche wird erneut obduziert

Noch am selben Tag teilte das Polizeipräsidium mit, dass bei der Obduktion „keine Verletzungen oder Befunde“ festgestellt worden seien, die mit der Festnahmesituation im Zusammenhang stehen. Michael E.s Familie sieht das ganz anders: „Ich habe geschrien, dass er schon einen Schlaganfall hatte“, so die Witwe. Auch das Spray für seine Raucher-Lunge hätten die Polizisten schon vor der Attacke wahrgenommen. Sohn Hans-Jürgen (37) schäumt: „So kann man einen 30-Jährigen behandeln. Mein Vater war nie im Leben gewalttätig. Diese Polizisten haben in ihrem Beruf nichts verloren, die gehören vor Gericht.“

Donnerstag wurde die Leiche von Michael E. zunächst in die Rechtsmedizin Erlangen überstellt, wo Sohn Hans-Jürgen eine zweite Obduktion veranlasste. In München war ein natürlicher Tod aufgrund gravierender Vorerkrankungen an Herz und Lunge attestiert worden. Doch der am Sonntag in den Bamberger Stadtrat gewählte Sohn misstraut diesem Befund: „Was, wenn mein Vater durch den Druck auf die Lunge beim Fixieren am Boden erstickt ist?“

Am Donnerstag wird das Opfer vom Brudermühltunnel in seiner Heimatstadt Bamberg beigesetzt. Danach will die Familie einen Anwalt einschalten und die beteiligten Polizisten wegen fahrlässiger Tötung belangen.

Von einem weiß die Witwe zumindest, woher er kommt: ausgerechnet aus einem Dorf bei Bamberg!

Das sagt die Polizei

Wolfgang Wenger.

Die Münchner Polizei zeigt Verständnis für die Reaktion der Familie E.: „Es ist das gute Recht der Familie, ihre Sicht der Dinge darzulegen und es ist ebenfalls ihr Recht, eine zweite Obduktion durchführen zu lassen. Es ist furchtbar, einen Angehörigen so plötzlich und unter diesen Umständen zu verlieren, was auch wir sehr bedauern“, erklärte Wolfgang Wenger, Pressesprecher der Münchner Polizei. Jetzt müsse die Angelegenheit sachlich belegt und bewertet werden durch die Aussage der Beamten und der Ehefrau, durch die vorliegenden Fakten, die Beurteilung der Rechtsmediziner und auch die Aussagen der unabhängigen Zeugen. Der Unfallgegner hatte bereits ausgesagt, dass Michael E. von Anfang an sehr aggressiv reagiert habe. Zudem gibt es einen weiteren Zeugen, der die Festnahme-Situation beobachtete.

Auch den beteiligten Polizisten der Polizeiinspektion 15 geht es nach Wengers Angaben nicht gut. Die beiden Männer hatte eine Praktikantin (20) mitgenommen, die geschockt reagierte. Alle drei werden psychologisch betreut.

tz

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