Luise-Kiesselbach-Platz

Mega-Tunnel: Geschäftsleute und Autofahrer stöhnen

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"Kein Mensch kommt mehr an unsere Tankstelle", sagt Tina Gaßner.

München - 400 Millionen Euro Kosten, 245.000 Quadratmeter Asphaltfläche und sechs Jahre Bauzeit – trotz dieser beeindruckenden Zahlen staut sich drei Tage nach der Eröffnung der Verkehr rund um den Mega-Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz!

Die tz hat sich ins Verkehrs-Chaos rund um den neuen Tunnel gestürzt und dabei drei Knackpunkte ausgemacht.

Die erste Tankstelle macht schon dicht!

Erst ein paar Tage rollt der Verkehr unter dem Luise-Kiesselbach-Tunnel hindurch und schon muss die erste Tankstelle dicht machen! Die Total-Station an der Garmischer Straße hat Donnerstagmittag ihren Betrieb vorübergehend eingestellt.

Wolfgang Tulach (l.) und Marc Kreiser verkaufen seit der Tunneleröffnung pro Tag 10.000 Liter Benzin weniger.

Weil der Verkehr wegen des Tunnels nun unterirdisch rollt, herrschte an der Tankstelle von Pächter Oktay Günan die letzten drei Tage gähnende Leere. „Wir haben seit Dienstag 80 Prozent weniger Umsatz gemacht als sonst. Ich weiß nicht, was in Zukunft passiert. Darum habe ich mich zu diesem Schritt entschlossen“, sagt der 33-Jährige. Anfangs dachte Günan noch, dass Straßenarbeiten entlang der Garmischer Straße für das schlechte Geschäft verantwortlich sind. Nur über viele verwirrende Umleitungen erreichten die Autofahrer seine Tankstelle. „Die Straße ist seit Mittwoch wieder befahrbar, trotzdem kommen keine Kunden“, jammert er. Mitarbeiterin Tina Gaßner kann ebenfalls ein Lied von den Tunnel-Auswirkungen singen: „Dienstag, Mittwoch, Donnerstag – kein Mensch hat bei uns getankt oder eingekauft! Ich arbeite seit drei Jahren hier, so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Wenigstens hat sie ihren (Galgen-)Humor nicht verloren: „Ich bin richtig überarbeitet.“

Geschäftseinbußen gibt es auch bei der Aral-Tankstelle von Wolfgang Tulach einige hundert Meter weiter. „Seitdem der Tunnel frei ist, verkaufe ich am Tag 10 000 Liter weniger Benzin als sonst“, erzählt er. Der Tankstellen-Pächter sieht der bitteren Zukunft ins Auge: „Ich werde die Hälfte meiner Kunden verlieren! Da mache ich mir nichts vor.“ Weil nun weniger Laufkundschaft kommt, nutzt Mitarbeiter Marc Kreiser die Zeit, um die Getränkelisten zu aktualisieren oder das Kühlregal auf Vordermann zu bringen. „Wenigstens etwas, aber mehr Umsatz wäre uns natürlich lieber“, meint er.

Tulach hat seine Mitarbeiter schon darauf eingestellt, dass sie künftig weniger arbeiten werden. Das rechne sich sonst nicht. Immerhin: „Diejenigen, die hier jeden Morgen ihren Kaffee trinken und frühstücken, kommen noch. Meine Stammkundschaft ist echt der Wahnsinn“, sagt Tulach. Der 48-Jährige legt sogar noch einen drauf: Wer in Zukunft etwas in seinem Bistro kauft, der bekommt eine tz gratis dazu. Einen Hass hat Tulach aber nicht auf die Tunnelplaner. „Das ist für die Allgemeinheit ja eine gute Sache. Aber es gibt halt meistens ein Bauernopfer…“

Rückstau auf der Autobahn

Jetzt staut es sich auf auch auf der Rechtsabbiegespur der A 96.

Das Chaos zieht weite Kreise: Nicht nur in unmittelbarer Nähe zum neuen Tunnel staut es sich – auch auf der A 96 stehen die Autofahrer nun länger als gewohnt. Das entspricht mehr als drei Kilometern Entfernung zur nächsten Staustelle an der Murnauer Straße. Das ist insofern verwunderlich, als der Verkehr auf der Rechtsabbiegespur Richtung Tunnel vor der Eröffnung weitgehend problemlos rollte. Zwar staute es sich am Autobahnende auch damals zu den Stoßzeiten morgens und abends, doch jetzt müssen die Fahrer auch zu „normalen“ Zeiten auf die Bremse drücken. „Vielleicht müssen sich die Leute erst an die Tunnelabfahrt gewöhnen“, meint ein Tankstellen-Pächter, der die gleichen Stau-Beobachtungen auf der A 96 gemacht hat.

Baureferat und KVR haben an dieser Stelle allerdings keine Behinderungen des Verkehrsflusses wahrgenommen. „Nach unseren Kenntnisseen fließt der Verkehr sowohl auf der A96 als auch auf der A95 ohne Probleme in den neuen Luise-Kiesselbach-Tunnel“, so die Auskunft aus dem Baureferat.

Abfahrtsrampe noch gesperrt

Die gesperrte Abfahrtsrampe ist das Problem.

Wer von der Waldfriedhof-, Albert-Roßhaupter- und Garmischer Straße (Oberfläche) in den Heckenstaller Tunnel fahren will, braucht viel Geduld. Die Abfahrtsrampe an der Stahlgruber-Stiftung Höhe Murnauer Straße ist noch gesperrt. Laut Stefan Bauer von der Straßenbaubehörde wird diese aber erst im Frühjahr 2016 geöffnet. Bis dahin müssen die Verkehrsteilnehmer die Umfahrung über die Murnauer Straße – Höglwörtherstraße – Heckenstallerstraße nutzen. Staus an den Kreuzungen sind programmiert!

Es staut sich entlang der Murnauer Straße.

Aktuell nehmen auch die Autofahrer von der A95 kommend diese Umleitungsroute, weil sie die Tunneleinfahrt auf der A95 noch nicht erkennen, wenn sie auf dieser Strecke das erste Mal fahren. „Das ist leider nach großen Verkehrsumstellungen üblich. Man schenkt der Beschilderung meist weniger Vertrauen als dem bekannten Fahrweg oder dem eigenen Navi, das jetzt aber die falsche Route anzeigt“, meint Bauer. Seiner Meinung nach wird sich die Situation in wenigen Tagen entspannen. Mit der Öffnung der Abfahrtsrampe gebe es dann ohnehin keinen Umfahrungsbedarf mehr.

So schaut's im Kiesselbach-Tunnel aus

So schaut's im Kiesselbach-Tunnel aus

Verwirrung an den Kreuzungen

Problemzone Passauerstraße: Die Abbiegespur im Tunnel ist ebenso verstopft...

Die Tunnelausfahrt Passauerstraße ist in erster Linie von Westen her total verstopft! Kein Wunder: Einerseits möchten die Fahrer im Tunnel an die Oberfläche, um nach links oder rechts auf die Passauerstraße abzubiegen. Andererseits wollen auch viele Autofahrer, die an der Oberfläche parallel zum Tunnelausgang unterwegs sind, auf die gleiche Straße abbiegen. Da die Tunnelfahrer allerdings viel weiter links ausfahren, müssen sie einmal komplett die rechten Spuren schneiden, um rechts abzubiegen und umgekehrt. „Wären nicht die fehlgeleiteten Fahrer, die über die Heckenstallerstraße an die Kreuzung kommen, wäre die Tunnelausfahrtsregelung mit den Rechtsabbiegern kein Problem“, sagt Bauer.

... wie die Kreuzung oberhalb.

Sollte sich die Situation nicht entspannen, überlegt das Straßenbauamt, die Ausfahrt vorübergehend wieder zu sperren. Erst am 25. August beginnt dann die nächste Bauphase an dieser Kreuzung, durch die die Situation besser geregelt werden soll.

Manuel Bonke

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