Luise-Kiesselbach-Platz

Mega-Tunnel: Probefahrt durch Münchens größte Baustelle

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Der Luise-Kiesselbach-Tunnel - eine 400-Millionen-Euro-Verkehrskur für den Mittleren Ring.

München - Es ist Münchens größte Baustelle: Das Mega-Projekt am Luise-Kiesselbach-Platz ist seit 17 Jahren beschlossene Sache, seit September 2009 wird gewerkelt. Jetzt gibt’s Licht am Ende des Tunnels! Mitte nächsten Jahres wird eröffnet. Bauleiter Johann Wittmann (62) hat der tz eine exklusive Probefahrt spendiert.

Sein letztes Projekt: Johann Wittmann (l.) im Gespräch mit tz-Reporter Johannes Heininger.

Verkehrschaos ade – endlich! 2500 Meter unterirdische Fahrbahn, auf der täglich bis zu 120 000 Fahrzeuge unterwegs sind, wird bald Wirklichkeit. Der Tunnel-Gigant ist in drei Abschnitte untergliedert. Die Röhren führen von der Heckenstallerstraße über den Luise-Kiesselbach-Platz bis hin zur Garmischer Straße. Auch die Anwohner sollen von dem 398,5 Millionen Euro teuren Projekt profitieren. Auf den neuen Freiflächen sind Parks geplant. „Hier erfährt das gesamte Areal eine Aufwertung“, betont Wittmann. Ab Mitte 2015 rollt der Verkehr unter der Erde. Für Autofahrer aus Garmisch und Lindau geht’s dann noch schneller in die Innenstadt. Die Arbeiten an der Oberfläche dauern noch bis 2017.

Momentan wird mit Hochdruck am technischen Innenausbau gewerkelt. Bald werden 15 000 Datenpunkte miteinander verknüpft: Die Geburt eines Hightech-Tunnels nach den neuesten europäischen Standards. Bis dahin müssen sich Anwohner und Autofahrer aber noch mit der aktuellen Verkehrsführung abfinden.

Johann Wittmann hat in seiner Karriere einige Großbaustellen bewältigt. Der Tunnel am Mittleren Ring ist seine größte. Und gleichzeitig auch seine letzte. Sein nächstes Projekt? „Die Rente“, schmunzelt Wittmann.

Garmischer Straße

100 000 Autos werden täglich gezählt, bald sollen es nur noch 5000sein. Das sind 95 Prozent weniger! In die bislang sehr breite Straße wird eine großzügige Mittelpromenade integriert. Insgesamt sechs Fahrbahnen waren es ursprünglich, in Zukunft gibt’s nur noch eine pro Richtung. Der begrünte Mittelstreifen bildet dann eine Verbindung vom Westpark zum Luise-Kiesselbach-Platz.

Kiesselbach-Platz

An der Oberfläche des Tunnelherzstücks heißt das Motto „Entschleunigung“: Weniger Fahrbahnen für gleichzeitig mehr zusammenhängende Freiflächen. Die Gestaltung des Parks vor dem Städtischen Altersheim St. Josef ist aber noch einem Wettbewerb vorbehalten. Wie in der Garmischer Straße trennen begrünte Mittelstreifen die Fahrbahnen. Statt vorher 120 000 rollen oberirdisch bald nur mehr 40 000 Autos pro Tag.

Heckenstallerstraße

Dieser Straßenzug wird nach der Fertigstellung kaum wiederzuerkennen sein. Die Fahrbahnen werden im sogenannten „Trog“ offen nach unten verlagert. Am Grabbeweg entsteht eine neue Fuß- und Radwegbrücke. Im östlichen Teil wird es keinen Oberflächenverkehr mehr geben. Ein Park von rund 570 Meter Länge und 40 bis 70 Meter Breite steht dann den Anwohnern für Freizeit und Erholung zur Verfügung.

Mehr Kundschaft!

"Der Standort für mein Lokal könnte nicht besser sein. Sollten die Pläne für die Parkanlage so umgesetzt werden, wird das ganze Geländeaufgewertet. Die Baustelle hat auch Schattenseiten. Mein Restaurant war mit Schallschutzwänden und Betonabgrenzungen regelrecht verbarrikadiert. Die Bauleiter sind sehr kooperativ. Die Hindernisse waren schnell beseitigt. Jetzt erkennt man das Lokal schon von Weitem, auch die Parkplätze sind wieder frei. Nun heißt es: Noch durchhalten! Dann hoffe ich auf ein blühendes Geschäft."

Vladimiros Mangasaros (29), Restaurant Thalassa

Platz wird schön!

"Die Baustelle ist gar nicht so schlimm. Klar: Wenn so ein riesiges Projekt umgesetzt wird, kann es schon mal laut werden. Bei den Pfahlbohrungen hat es uns ganz schön durchgeschüttelt. Dafür bekommen wir einen Platz mit viel Grün. Und Ruhe, weil die meisten Lastwagen dann im Tunnel unterwegs sind. Wir haben schon eine Besichtigung bekommen. Das war richtig beeindruckend! Ich wohne hier seit fast 60 Jahren, früher gab es auf dem Platz einen gemütlichen Biergarten. Aber das lässt sich wohl nicht mehr realisieren."

Johann Karl (77), Rentner

Zweimal Allianz Arena und dreimal Eiffelturm

Bei diesem Tunnel ist einfach alles überdimensional. Hier die wichtigsten Daten und Fakten!

  • Stromausfall? Kein Problem! Vier Notaggregate mit je 1400 PS lassen die Röhren leuchten. Auch Ampeln und Entlüftung müssen funktionieren. Der Tunnel versorgt sich praktisch selbst. Die Zeit zwischen Stromausfall und Anspringen der Aggregate überbrücken jeweils 60 Batterien.
  • Sie verschönern die Wände! Gregor Schüttner (21) und Roland Rupprecht (53) aus der Steiermark sind nur zwei der vielen Arbeiter, die rund 52 000 Quadratmeter Wandverkleidung anbringen. Eine Gesamtfläche so groß wie acht Fußballfelder! Blanken Beton? Den will hier niemand sehen.
  • Schranken gehören zum europäischen Standard. Bei Unfällen werden sie geschlossen, auch weil rote Ampeln oft übersehen werden. Alexander und Hans Rosenberg (49 und 47) aus Wien kümmern sich um die Installation. Anpralldämpfer sorgen für Sicherheit bei Unfällen an Gabelungen.
  • Wenn’s brennt, müssen sie zuverlässig und schnell funktionieren: Die Löschwasserleitungen sind so lang wie der Tunnel selbst.Andrzej und Sylvester verkleiden die Rohre. Im Tunnel arbeiten 25 Firmen. In den Spitzenzeiten sind 200 Mann unterwegs. Alleine an den Löschwasserleitungen arbeiten drei Betriebe.
  • 3000 Meter Leitplanken! Michel Reuß (29) aus Staßfurt und Michael Carius (28) aus Bernburg bringen sie an. Wichtig: Der spezielle Winkel. Kracht ein Auto dagegen, wird mehr Energie absorbiert. Sicherheit geht vor!
  • Im Endspurt werden noch Fahrbahn-Abgrenzungen hergestellt. Der Tunnel hat 241 000 Kubikmeter Beton verschlungen. Zum Vergleich: In der Allianz Arena sind’s nur halb so viel. Auch die Menge des Stahls ist beachtlich – 31 000 Tonnen! Anders ausgedrückt: Hier stecken drei Eiffeltürme drin.

Bestandsaufnahme aus dem Juni 2013 - so sah es damals aus

Johannes Heininger

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