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„Wieder bezahlbarer Wohnraum zerstört“: Riesen-Zoff in München – Mieter berichten von „Einschüchterungen“

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Mieter in München
Mieter vor dem Sigi-Sommer-Haus in München. © Götzfried

„Sigi Sommer würde sich im Grabe umdrehen.“ So beschreiben Anwohner die Lage am nach dem Münchner Schriftsteller benannten Sigi-Sommer-Platz.

München - Im Sommer 2022 hat die VK Wohnbau GmbH die Sendlinger Immobilie an der Bruderhofstraße 43 und Schäftlarnstraße 92 erworben. Der Investor plant eine umfangreiche Sanierung des um 1910 gebauten Hauses, in dem Sigi Sommer wohnte und seine Cousine Helga Lauterbach-Sommer noch immer lebt. Eine Renovierung des Gebäudes würde Anwohner an sich nicht stören, erklärt Albert Knoll, Sprecher der Mietergemeinschaft Schäftlarnstraße 92/Bruderhofstraße 43/Sigi-Sommer-Platz. Der Eigentümer wolle jedoch Luxussanierungen durchführen, um die Wohnungen teurer vermieten zu können.

Deshalb sei das Wohnen am Sigi-Sommer-Platz für die Altmieter sehr ungemütlich geworden: „Im Dachstuhl haben die Bauarbeiten schon begonnen. Die Bauarbeiter benutzen benzinbetriebene Kettensägen, die nicht nur sehr laut, sondern auch eine Brandgefahr sind, da im Dachgeschoss alles aus Holz ist“, so Knoll.

München: Mieter berichten von „Einschüchterungen“, Schilder verschwinden

Weiterhin sei Mietern gesagt worden, dass das Leben in dem Gebäude während der Sanierungsarbeiten unerträglich werden würde, sagt Knoll. Mehreren Mietern habe der Eigentümer eine Umzugspauschale zwischen 5000 und 20.000 Euro angeboten. „Um zu zeigen, dass wir uns von den Einschüchterungen nicht beeindrucken lassen, haben einige Mieter Schilder, auf denen ‚Wir bleiben hier’ stand, an ihre Türen gehängt. Die wurden von den Bauarbeitern aber schnell wieder abgerissen“, so Albert Knoll.

Die Anwohner haben sich mit ihren Sorgen an den Mieterverein München gewandt, der sie nun unterstützt. „Wir sind vorbereitet und gewappnet. Gegen solches Verhalten vorzugehen, ist unser täglich Brot“, sagt Stephan Immerfall, Leiter der Rechtsabteilung des Mietervereins.

Auch die Lokalpolitik unterstützt die Anwohner des Sigi-Sommer-Platzes: Albert Knorrs Ehemann Jens Erdmann ist Mitglied im Bezirksausschuss (BA) Sendling. Dort hat der Grünen-Politiker einen Dringlichkeitsantrag gestellt, in dem er fordert, dass das Haus unter Denkmalschutz gestellt wird. „Die Fassade weist auf den Baustil der Gründerzeit hin und ist neben den anderen, schon jetzt denkmalgeschützten Gebäuden an der Dietramszeller Straße ein Zeugnis des damaligen Baustils“, erklärt Erdmann. Sein Antrag wurde am Dienstagabend einstimmig vom BA Sendling angenommen.

Immobilien-Zoff in München: Wohnbau-Sprecherin wehrt sich gegen Vorwürfe

Um weiter auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben die Anwohner der Bruderhofstraße 43 und Schäftlarnstraße 92 am Dienstag ein Banner aufgehängt, auf dem „Wieder wird ein Haus entmietet und bezahlbarer Wohnraum zerstört“ steht. „Mal schauen, wie lange das hängen bleibt“, meint Knoll.

Die VK Wohnbau GmbH weist die Vorwürfe zurück. „Hier findet keine Entmietung statt. Es ist uns lediglich eine Herzensangelegenheit, Altbauten zu bewahren“, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. Um Altbauten und somit das Gesicht Münchens zu erhalten, seien Sanierungen nötig. Mit einem Großteil der Mieter der Bruderhofstraße 43 und Schäftlarnstraße 92 habe die VK Wohnbau GmbH ein gutes Verhältnis. „Von unserer Seite gibt es kein böses Blut. Wir müssen miteinander im Dialog bleiben“, so die Sprecherin. Eine Einschüchterung der Mieter kann sie nicht bestätigen. „Es gibt keine Verschwörung gegen die Anwohner.“ (Sophia Belliveau)

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