Ein Viertel betroffen

„Kein Dumme-Jungen-Streich mehr“: Unbekannter lässt Anwohner zunehmend verzweifeln - Polizei erhöht Präsenz

Anwohner Patrick Mende deutet auf die Kratzspuren an seinem Fahrzeug.
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„Kein Dumme-Jungen-Streich“: ­Patrick Mende hofft, dass der Täter schnell geschnappt wird.

In Sendling werden seit einigen Tagen Autos Opfer von Vandalismus. Schon mehr als 30 Pkw-Besitzer haben Anzeige erstattet. Nun startet die Jagd auf den Übeltäter.

  • In München* treibt offenbar ein Autohasser sein Unwesen - in Sendling wurden bereits Dutzende Fahrzeuge zerkratzt.
  • Die Polizei hat bereits mehr als 30 Anzeigen aufgenommen.
  • Ein Appell eines Betroffenen richtet sich auch an junge Eltern.

München - Autofahrer, die ihren Wagen in der Nähe der Implerstraße am Straßenrand geparkt haben, erleben nach ihrer Rückkehr in diesen Tagen oft eine böse Überraschung: Lange Kratzer ziehen sich über die komplette Beifahrerseite. Mehr als 30 Anzeigen aus Sendling sind bei der Polizei bisher schon eingegangen! Der Schaden ist immens und Anwohner wie Patrick Mende schlagen Alarm. „Das ist kein Dumme-Jungen-Streich mehr“, so der 45-Jährige. Auch sein weißer BMW 2er Active Tourer ist beschädigt worden.

Da die Kratzspuren an den Fahrzeugen regelmäßig auf der rechten Seite auftreten, vermuten die Betroffenen, dass jemand im Vorbeigehen mit einem Schlüssel oder anderen spitzen Gegenstand an den Fahrzeugen entlang ratscht. Nach bisherigen Schätzungen Mendes, der bei BMW arbeitet, belaufen sich die Schäden auf etwa 5000 Euro bei großflächigen Kratzern und um die 1000 bei kleineren. „Wir haben jetzt hier keine Angst, Sendling ist ein sicheres und schönes Stadtviertel“, betont der Familienvater.

München-Sendling: Jagd auf Autokratzer beginnt - Aufforderung zur Anzeige-Erstattung

Er hofft aber, dass die Polizei dem Autokratzer bald auf die Spur kommt und appelliert an alle, die Augen offen zu halten und sich bei der Polizei zu melden, falls jemandem etwas Verdächtiges auffällt. Die Jagd auf den Autokratzer beginnt! Zudem solle jeder Anzeige erstatten, der Kratzer an seinem Auto feststellt. Einige Anwohner hätten laut Mende bereits auf den Vandalismus reagiert und würden ihre Fahrzeuge nicht mehr in dem betroffenen Bereich abstellen.

Da es theoretisch auch möglich ist, dass die Fahrzeuge nicht mutwillig beschädigt wurden, hält der 45-Jährige es zudem für sinnvoll, dass Eltern mit ihren Kindern sprechen. Vielleicht haben die Buben und Mädchen auf dem Weg zur Schule ja etwas mitbekommen.

Die Betroffenen: ­Patrick Mende (li.) und Peter Vogel­bacher sind nur zwei der Sendlinger, deren Autos zerkratzt wurden.

München-Sendling: Polizei ermittelt nach Häufung von zerkratzten Fahrzeugen

Die Polizei bestätigt die Häufung der zerkratzten Fahrzeuge rund um die Implerstraße und ermittelt. Bei den betroffenen Fahrzeugen seien alle Marken und Preisklassen dabei, daraus kann man laut Polizeisprecher Oliver Barnert kein Muster ableiten. Er betont, dass die Autos alle ordnungsgemäß geparkt waren, als sie beschädigt wurden. Die Polizei ist derzeit in der Gegend präsenter und schaut regelmäßig nach Auffälligkeiten.

Wird ein Autokratzer geschnappt, drohen ihm Haft und hohe Regressansprüche. Bei einem überführten Täter in Schweinfurt beispielsweise, der 406 Autos beschädigt hatte, belief sich der Schaden auf mehr als 440.000 Euro. Das Urteil vom April 2020: zweieinhalb Jahre Haft.

Hinweise zu den Sendlinger Vorfällen an das Präsidium München unter 089/29 100. (S. Wegele) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

In München läuft derweil die nächste Etappe der Radweg-Offensive - die Verläufe von 20 neuen Fahrradrouten sind bekannt. In Würzburg erwischte die Polizei im Jahr 2019 einen elfjährigen Autokratzer.

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