Nach Unfall 

Lebensgefahr! Münchner Großmarkthalle muss teilweise geräumt werden

+
Arno Schmal (56) muss bis Sonntag, 15. Juli, seinen Keller räumen. Er betreibt einen Obst- und Gemüsegroßhandel in der Münchner Großmarkthalle. Tonnenweise Lebensmittel muss er jetzt auf Ersatzflächen verfrachten.

Wie gefährlich ist das marode Gebäude der Großmarkthalle für die Benutzer? Nach einem Unfall mit einem alten Elektro-Kabel handelt jetzt die Stadt.

Es grummelt im Bauch der Stadt, und zwar gewaltig… Wir sind im Großmarkt-Keller in Sendling. Hier, wo es eigentlich um Genuss, Gemüse und Geschäft gehen sollte – wo sich Händler und Stadt-Verantwortliche aktuell aber vor allem über Gefahren Gedanken machen. Gefahren wegen des maroden Gebäudes!

Ein Bild aus dem maroden Keller mit hängenden Kabeln

Marktkaufleute müssen innerhalb der kommenden Woche jetzt sogar ihre Flächen im Untergeschoss räumen, weil die Stadt nach einem Gutachten Leib und Leben von Menschen bedroht sieht. So berichten es mehrere Markthändler der tz. Auslöser war ein Unfall im Mai gewesen: Damals hatte ein Arbeiter ein altes Kabel berührt, das eigentlich keinen Strom führen dürfte. Offenbar lag aber doch Spannung an, der Mann bekam einen Stromschlag und fiel von der Leiter. Die Stadt will nun kein Risiko eingehen und sperrt den Keller komplett. Die rund 80 betroffenen Händler protestieren allerdings dagegen. Unter ihnen ist Arno Schmal (56), den Sie auf dem Foto rechts sehen.

Gebäude sind schon über hundert Jahre alt 

Die Großmarkthallen sind schon über hundert Jahre alt. Es war 1912, als die Stadt die sogenannten Ur-Hallen 1 bis 4 eröffnete. In Halle 2 betreibt Arno Schmal seinen Großhandel: Er beliefert Münchner Wirte mit frischem Obst und Gemüse. Zu seinem Stand in der Halle gehört auch ein Kellerabteil, in dem tonnenweise Lebensmittel Platz finden. Dort kann der Händler sie ordentlich kühlen. Jetzt muss Schmal anstatt seines Kellerabteils aber auf eine Ersatzfläche ausweichen.

Lesen Sie auch: Wende für neue Großmarkthalle? Händler wollen selbst bauen 

So entschied es die städtische Betreibergesellschaft, die Markthallen, nach dem Gutachten. In jenem Papier steht nach Angaben der Händler: Die Betreiber müssen den Strom im Keller abschalten. Es bestehe akute Gefahr für Leib und Leben. Aber: „Man kann den Strom im Keller nicht einfach ausschalten. Die Technik ist zu alt“, sagt Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferats. Man könne den Strom lediglich im ganzen Gebäude ausschalten. Deshalb entschied sich die Stadt dazu, den Keller ganz zu sperren. Rund 80 Firmen sollen ihre Parzellen jetzt bis zum nächsten Sonntag räumen. Und dann? „Was mit dem Keller passiert, können wir bisher nicht sagen“, so das Kommunalreferat. In der Zwischenzeit sollen sich die Händler jedenfalls mit Ersatzflächen arrangieren. Schmal ist nicht zufrieden: Man werde „vor vollendete Tatsachen gestellt“.

Auch interessant: Halle, Wohnungen, Viertel: So könnte die neue Großmarkthalle Sendling verändern 

Eine Händlerin, die anonym bleiben will, sagt: „Das Gutachten, das die Räumung veranlasst hat, konnten wir bisher nicht mal einsehen.“ Und: „Klar, der Keller ist total runtergekommen“, sagt sie, „aber das wissen wir doch schon seit zehn Jahren. Warum müssen wir also so plötzlich raus?“

Schmal und die anderen Händler haben einen Plan: „Wir wollen, dass ein Externer ein zweites, neutrales Gutachten anfertigt. Dann wissen wir, ob die Räumung wirklich so dringend ist.“ Doch vorerst steht der Termin nächsten Sonntag fest. Und es grummelt weiter im Bauch der Stadt…

Severin Heidrich

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Irre Wende im O-Bike-Skandal: Nun setzt ein Händler Kopfgeld auf die Fahrräder aus 
Irre Wende im O-Bike-Skandal: Nun setzt ein Händler Kopfgeld auf die Fahrräder aus 
Fatale Fehlerkette in München: Darum mussten Kinder zum Schulstart am Boden kauern 
Fatale Fehlerkette in München: Darum mussten Kinder zum Schulstart am Boden kauern 
Ballermann an der Isar: Anwohner beschweren sich über „rechtsfreie Räume“
Ballermann an der Isar: Anwohner beschweren sich über „rechtsfreie Räume“
Das Drama vom Feringasee: Der Milchbubi wurde zum Killer
Das Drama vom Feringasee: Der Milchbubi wurde zum Killer

Kommentare