Machen sie die Fliege ins Outback?

Großmarkt: Obsthändler wollen wegen der horrenden Mieten raus 

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Wollen ins Outback: Die Obst-Händler der Großmarkthalle.

München - In der Münchner Großmarkthalle könnte es bald leer werden: Weil die Mieten so hoch sind, wollen viele Händler die Halle verlassen - und ins Outback ziehen.

Der Münchner nennt sie gern den „Bauch der Stadt“ – die Großmarkthalle in Sendling. Doch dieser Bauch könnte bald leer sein. Denn wie unsere Redaktion erfuhr, wollen viele Früchtehändler die Großmarkthalle schnellstmöglich verlassen. Warum? Zum einen wegen der hohen Mieten – und zum anderen wegen des anstehenden Neubaus. Aber es gibt noch einen dritten Grund: In Vaterstetten will ein Investor eine riesige Markt-Halle errichten – und genau dort wollen die Händler hin.

Schmid will handeln

Gibt es also bald keine Anlaufstelle für Lebensmittel-Einzelhändler innerhalb des Mittleren Rings mehr, wo täglich frisches Obst, Feinkost oder Blumen aus aller Herren Länder verkauft werden? Bürgermeister Josef Schmid (CSU) bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Händler raus wollen: „„Tatsache ist, dass der Fruchthandelsverband die Stadt informiert hat, dass sie einen Umzug nach Vaterstetten prüfen. Jetzt müssen wir sehen, wie sich dies entwickelt.“ Zur Erklärung: Der Bayrische Fruchthandelsverband vertritt gut 60 Prozent aller Händler in den Großmarkthallen. Diese zahlen in dem baufälligen 500 Meter langen Gebäude 15 Euro Miete pro Quadratmeter. In Vaterstetten sollen es laut Informationen unserer Zeitung 7 Euro werden. Also weniger als die Hälfte. Josef Schmid fügt an: „Bei den Händler herrscht natürlich Unsicherheit wegen des Neubaus.“

180 Millionen Euro!

Ja, das Projekt hält Händler (aber auch den Stadtrat) schon lange in Atem: Das Büro Ackermann hatte sich mit seinem Entwurf in einem Architektenwettbewerb gegen 13 Konkurrenten durchgesetzt und von der Stadt 2015 den Auftrag bekommen, die neue Großmarkthalle zu planen. Erst war von 120 Millionen Euro die Rede, dann kam eine neue Berechnung für den „Palast“ mit den gläsernen Fronten: 180 Millionen Euro. Einige Stadträte schrien da laut auf: „Ja, geht’s noch?“Man müsse den Bau nochmal gründlich überdenken, das sei viel zu teuer!

Diese Aufforderung ist wohl jetzt aktueller denn je. Josef Schmid betont: „Dieser Umbau war für unsere Fraktion ein Thema, weil dadurch eine Zukunft für die Händler gewährleistet wurde.“ Aber wenn die jetzt freiwillig gehen wollen? „Dann muss man die Frage erneut diskutieren, wie es mit dem Großmarkt-Gelände weitergeht.“ Hunderte Laster fahren das Areal an der Thalkirchner Straße und Schäftlarnstraße täglich an. Dazu der viele Lärm. Viele kritisieren, dass dies im Herzen einer Weltstadt nicht mehr zeitgemäß sei.

Kommt der Drei-Hallen-Bau gar ganz weg? Keine Frage – viele Stadträte betonten schon öfter, dass man das Areal gut zum Wohnungsbau brauchen könnte. „Wir müssen jetzt mal sehen, was passiert“, sagt Markthallen-Chef Boris Schwartz. „Es stimmt, dass der Fruchthandelsverband diesen Auszug will – aber wie viele Händler gehen, ist noch unklar.“ Wie unsere Zeitung erfuhr, soll es jedenfalls in Vaterstetten schon Gespräche wegen der neuen Halle gegeben haben.

Stichwort: Großmarkthalle

Die Großmarkthalle im Stadtteil Sendling ist seit 1912 ein riesiger Markt für Lebensmittel und Blumen. Sie ist Teil des Eigenbetriebs Markthallen München – also in städtischem Besitz. Neun Hek­tar des 310 000 Quadratmeter großen Areals sind übrigens sogenannter überbauter Raum. Die Zahlen sind beeindruckend: Auf dem Großmarkt schlagen 270 Import- und Großhandelsunternehmen jährlich rund 600 000 Tonnen Waren in 140 Gattungen aus 83 Ländern um. Der Wert: rund 750 Millionen Euro! Hinzu kommen 65 Gartenbau-Erzeugerbetriebe, 45 Blumenhändler und 15 Großhandelsunternehmen sonstiger Branchen.

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