Kritiker warnen

Großmarkthalle: Das umstrittene Investoren-Modell kommt

Müssen neu planen: Kommunalreferent Axel Markwardt (l.) und Markthallen-Chef Boris Schwartz in der Großmarkthalle.

Zwei Jahre lang hat Kommunalreferent Axel Markwardt an der Planung für die neue Großmarkthalle gearbeitet. Jetzt haben CSU und SPD seinen Antrag über den Haufen geworfen und ein Investorenmodell beschlossen. 

München - Die Beschlussvorlage des Kommunalreferats zum Neubau der Großmarkthalle in Sendling ist daumendick. Doch mit ihrem Änderungsantrag, der auf ein doppelseitig bedrucktes Din-A4-Blatt passt, haben CSU und SPD im Münchner Stadtrat die Arbeit des Kommunalreferenten zunichtegemacht. Markwardt wollte, dass die Großmarkthalle von der Stadt in Eigenregie gebaut wird. CSU und SPD haben sich jetzt dafür entschieden, einen Investor mit ins Boot zu holen – eine Variante, vor der Axel Markwardt warnt.

Stadt-eigener Bau würde zu lange dauern

CSU-Fraktionsvize Kristina Frank erklärt, welchen Spagat der Stadtrat hinlegen musste: „Die Kosten mussten im Rahmen bleiben, die Wünsche der Händler respektiert und eine schnelle Realisierung ermöglicht werden.“ Den Ausschlag habe letztendlich gegeben, dass ein Eigenbau erst Mitte der 2020er-Jahre fertig werden würde, die Händler aber möglichst schnell eine Verbesserung ihrer Situation erwarten.

Der Zeitplan ist ehrgeizig. „Der Umzug in die neue Großmarkthalle soll bis 2021 abgeschlossen sein“, so Frank. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl: „Wir wollten nicht in zehn bis 15 Jahren mit einer Halle dastehen, der die Mieter davonlaufen.“ Ob es tatsächlich so schnell geht, bezweifelt die Opposition. „Der Zeitplan ist nur dann realistisch, wenn wir ihn dem Kommunalreferenten entziehen“, sagt FDP-Fraktionschef Michael Mattar. Der Gescholtene hält den Zeitplan ebenfalls für unrealistisch: „2021 geht an der Wirklichkeit vorbei“, meint Markwardt. Allein schon durch die EU-weite Ausschreibung sei der Termin kaum zu halten.

Stadt würde die Halle vom Investor mieten

„Der Investor soll die Halle planen, errichten und unterhalten“, erklärt Frank weiter. Betrieben werden soll der neue Großmarkt aber weiterhin von der Stadt. Sie würde die Halle also vom Investor mieten und sie an die Händler weitervermieten.

Die Händler reagieren zurückhaltend. „Die Vorteile dieses Investorenmodells für den Eigenbetrieb und für die Händlerschaft lassen sich nur schwer nachvollziehen“, sagt Oliver Rob, Sprecher der Standort-Initiative „Großmarkt in Sendling“.

Auch Markwardt warnt vehement vor dieser Konstruktion: „Die Stadt manövriert sich in eine schwierige Sandwich-Position zwischen dem Fremdeigentümer und den Mietern.“ Der Investor könne als Eigentümer jede noch so kleine bauliche Veränderung verhindern und die Händler würden bei jedem Problem auf die Stadt schimpfen. Auch Grünen-Stadträtin Anna Hanusch warnt: „Der Investor hat die Stadt künftig in der Hand.“

FDP geht Lösung nicht weit genug

FDP-Fraktionschef Michael Mattar geht das Modell dagegen nicht weit genug. „Was CSU und SPD wollen, ist keine echte Investorenlösung. Die Stadt trägt als Zwischenmieter alle Risiken“, rügt Mattar. Der FDP-Fraktionschef geht Kommunalreferent Markwardt überdies frontal an. „Der gesamte Planungsprozess ist ein Desaster ohne Ende und eine Bankrotterklärung für den Kommunalreferenten“, so Mattar. Am Rande der Sitzung sagte Mattar weiter: „Konsequent wäre ein Rücktritt Markwardts, sein Antrag ist in der Luft zerissen worden.“ Pikant: Ausgerechnet Markwardts designierte Nachfolgerin Frank stellte den Änderungsantrag im Plenum vor. Die 36-Jährige soll im kommenden Jahr auf Markwardt folgen, wenn dessen Amtszeit ohnhin endet. „Sie müssen es wohl noch ein wenig mit mir aushalten“, scherzte Markwardt deshalb in Richtung Mattar.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Sendling – mein Viertel“.

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