Gehege für 100.000 Euro

Großmarkthalle: Neues Zuhause für Eidechsen

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Im Reich der Mauereidechsen: Biologe Ralf Schreiber (r.) und Boris Schwartz, zweiter Werkleiter der Markthallen München.

München - Es kreucht und fleucht auf dem Gelände der Großmarkthalle. Seit im Oktober 2011 auf einer ungenutzten Gleisanlage etliche Mauereidechsen und blauflügelige Ödlandschrecken entdeckt wurden, sind die Neubaupläne der Großmarkthalle ins Wanken geraten.

Der Grund: Die Tierchen stehen unter Artenschutz. Jetzt bekommen die Eidechsen ein neues Zuhause am Rande des Geländes. Dort tummeln und flattern übrigens bereits die Schrecken herum. Freiwillig, versteht sich …

Auf mehr als 4000 Quadratmetern hat die Großmarkthalle ein paradiesisches Ödland für die kriechenden und fliegenden Viecherl errichtet. Dort haben sie’s trocken und warm. In Drahtschotterkästen und auf Pflastersteinen wärmt sich die wechselwarme Echse auf Betriebstemperatur. Asthaufen bieten Schattenplätzchen, Kieshügel laden zum Eierlegen ein. Bei Kälte kann sich die frostempfindliche Echse im weichen Boden eingraben.

Wie so oft bei Großprojekten sehen die Betroffenen selbst keinen Grund, umzuziehen. Das gilt auch für Tiere. Biologe Ralf Schreiber hilft hier nach: „Wir vergrämen die Eidechsen aus dem Gleisbett. Wir legen schwarze Planen aus, dann wird’s sogar den Echsen zu heiß. Wo das nicht möglich ist, fangen wir die Tiere mit einer Angel auch einzeln ein.“ Die Kosten für das menschgemachte Ödland: 100 000 Euro.

Auch die zweibeinigen Anwohner sollen vom steinigen Echsenparadies profitieren: Wo einst Lkw über das Gelände donnerten und jetzt der Echsenspielplatz steht, weichen bald die Zäune – und Bänke laden zum Verweilen ein. Ohne künstliche Hitze.

Simon Tischer

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