Der traurige Tod eines Messies

Rentner lag über zwei Monate tot in seinem Haus

+
Die Feuerwehrmänner tragen die Leiche von Gerhard K. aus dem Haus.

München - Was für ein trauriges Schicksal: Unbemerkt von den meisten ist ein 74-Jähriger in seinem Haus in Sendling verstorben. Verwahrlost und umgeben von Müll.

Die Feuerwehr rückte in großer Zahl an.

Es ist ein gruseliger Anblick, der sich den Bewohnern der Waldfriedhofstraße am Donnerstag bietet. Feuerwehrmänner in orangefarbenen Anzügen tragen einen weißen Sack aus einem Haus. In dem Sack: die Leiche von Gerhard K. Unbemerkt verstarb der 74-Jährige in seinem Haus. Nur der Anruf eines besorgten Nachbarn bei der Polizei brachte den ganzen Schrecken zum Vorschein. Polizei und Feuerwehr öffneten zusammen die Wohnung. Im Haus erwartete sie ein wahr gewordener Albtraum:

Müll und Dreck in sämtlichen Räumen bis unter die Decke! Nur mit Spritzschutzanzügen wegen der Infektionsgefahr und Atemschutzmasken wagten sich die Feuerwehrmänner in das kleine Reihenhaus. Mehrere Stunden brauchten sie, um sich überhaupt durch den Müll einen Weg ins Dachgeschoss zu schaffen. Dort fanden sie Gehard K. in seinem Schlafzimmer. Die Verwesung seines Körpers war schon stark vorangeschritten...

Wie lange Gerhard K. in der Wohnung schon gelegen hatte, ist noch nicht geklärt. Laut Polizei könnte der Messie gute zwei Monate in dem Reihenhaus gelegen sein. Die Polizei geht derzeit nicht von einem Mord aus. Laut Polizei lägen dafür keine Hinweise vor.

In einem Fenster steht eine Marien­skulptur mit einem kleinen Teelicht.

Seit über zehn Jahren lebte Gerhard K. in seinem Haus. Anfangs noch zusammen mit seiner Mutter, nach deren Tod wohnte er ganz allein. Der Stadt soll bekannt gewesen sein, wie es in dem Haus ausgesehen hatte. Strom und Wasser hatte Gerhard schon seit einiger Zeit nicht mehr.

Er setzte den Notruf ab

Prof. Dr. Stefan Eber ruft am Donnerstag die Polizei an. Er macht sich Sorgen. „Seit zwei oder drei Monaten hatte ich ihn nicht mehr gesehen“, sagt der Kinderarzt. „Das Haus wirkte wie tot!“

Prof. Dr. Eber verständigte die Polizei.

Seit zehn Jahren betreibt Stefan Eber eine Praxis in der Waldfriedhofstraße. Genauso lang kennt er auch Gerhard K. „Ich habe den Kontakt zu ihm gesucht. Er hat mir leidgetan. Ich glaube, dass viele gar nicht auf ihn geachtet haben. Aber erst seit einem halben Jahr hat er mich dann auch zurück gegrüßt“, schildert Dr. Eber. Gerhard K. war in der Gegend bekannt. Man wusste über die Zustände in seiner Wohnung bescheid. Trotzdem: Für Eber war Gerhard K. nicht unsympathisch: „Er hat einfach zurückgezogen gelebt, hat nicht nach links oder rechts geschaut. Er war halt eine echte Besonderheit, weil er mit keinem geredet hat.“

Morgens ging Gerhard K. mit Schlafrock und Pantoffeln zum Zeitung holen, ansonsten bekam man den 74-Jährigen nicht so oft zu Gesicht. „Besuch hat er keinen bekommen. Er wollte einfach keinen Kontakt zu anderen Menschen.“ Dennoch steht für den Kinderarzt fest: „Man muss K. einfach für sein Leben respektieren!“

Florian Fussek

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
MVG-Offensive: So soll der Nahverkehr besser werden
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Bus-Streik in München: Das erwartet Fahrgäste am Dienstag
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Miriams Samen-Streit vor Gericht: Jetzt herrscht wohl Gewissheit
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring

Kommentare