Pädagoge streitet alles ab

Schüler klagt an: "Lehrer hat mich geschlagen"

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Durch sieben Schläge eines Pädagogen sollen diese Blutergüsse bei Eliyas (r.) entstanden sein.

München - Sieben Hiebe sollen es gewesen sein, mit der flachen Hand auf die linke Schulter. Ein 13-jähriger Schüler erhebt schwere Vorwürfe gegen einen Lehrer seiner Sendlinger Schule. 

Es sind schwere Vorwürfe, die Eliyas P. (13, Name geändert) gegen einen erfahrenen Pädagogen seiner Sendlinger Schule erhebt. Der Junge behauptet: „Ein Lehrer hat mich geschlagen.“ Der Beschuldigte aber sagt: „Das stimmt absolut nicht. Ich weise die Vorwürfe weit von mir. An der Sache ist nichts dran.“

Zitternd, mit Tränen in den Augen erzählt Eliyas von dem Vorfall, der sich am 17. Januar ereignet haben soll und der mittlerweile auch verschiedene Behörden beschäftigt (siehe unten). „Weil ich im Unterricht Kaugummi gekaut hatte, musste ich nachsitzen. Gegen 15 Uhr saß ich mit drei Kindern in einem Raum – zwei aus der fünften und einer aus meiner Parallelklasse“, so der Schüler.

„Ich sollte eine Matheaufgabe lösen, aber ich hatte Schwierigkeiten und brauchte lange. Der Lehrer schrie mich an: ,Das musst du doch wissen.‘ Dann schlug er mich auf die Schulter.“ Gegenüber der tz bestreitet der Pädagoge die Vorwürfe. „Ich weiß nicht, wie der Junge zu den Verletzungen gekommen ist.“

In einem Brief bittet die Schule Vater Mustafa (42), das Fehlen seines Sohnes zu erklären.

Die Eltern sind geschockt, als Eliyas nach Hause kommt. „Es ging ihm sehr schlecht“, sagt Vater Mustafa (42). Er macht Fotos von den Verletzungen, sucht eine Ärztin auf – die stellt „Blutergüsse und Prellmarken“ fest. Der Vater: „Es darf nicht sein, dass Pädagogen handgreiflich werden. Ich habe meinen Sohn noch nie so geknickt gesehen.“ Ein Psychologe diagnostiziert bei Eliyas eine akute Belastungsreaktion. „Weil ich Angst habe, gehe ich seit vier Wochen nicht zum Unterricht. Ich würde gerne eine andere Schule besuchen.“ Auf seiner bisherigen verbreitet sich die Nachricht über die angeblichen Schläge rasend schnell.

Der Elternbeirat beruft eine Sitzung ein. Eine Mutter sagt: „Auch meine Tochter hat Angst vor diesem Mann. Er übt starken Druck auf die Kinder aus.“ Ein Vater berichtet: „Er schreit viel. Mein Sohn hat seit zwei Jahren Probleme mit ihm.“ Ein früherer Elternsprecher dagegen beschreibt den Pädagogen als „sehr korrekt und bedacht“.

Eliyas’ Vater hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. „Die Ermittlungen wurden von der Kriminalpolizei aufgenommen“, sagt ein Polizeisprecher.

So wird der Fall untersucht

Ein Schüler behauptet, ein Lehrer seiner Schule habe ihn geschlagen – wie überprüfen Behörden so einen Fall? Die tz hat beim Schulamt München nachgefragt. „Mir ist der Fall bekannt“, sagt die Fachliche Leiterin Alexandra Brumann. „Ich wurde informiert, dass eine Vertretung des Schülers Anzeige erstattet hat. Wir prüfen den Fall nicht eigenständig, stehen aber in Kontakt mit der betreffenden Schule.“

Auch das Kultusministerium kennt den Fall, bestätigt Sprecher Henning Gießen. Für die „dienstaufsichtliche Bewertung und Ermittlung“ sei die Regierung von Oberbayern zuständig. Bei 26.000 Beschäftigten prüft die Behörde jährlich etwa 15 Fälle. „Wir nehmen jeden Vorwurf, der Anhaltspunkte für ein dienstpflichtwidriges Verhalten beinhaltet, sehr ernst“, sagt Regierungsdirektor Klaus Kempfler. Im Fall Eliyas werde geprüft, „ob dienstrechtliche Maßnahmen veranlasst sind.“

Aber: Da die Kripo ermittelt, sei eine Anhörung durch die Regierung „derzeit nicht veranlasst“. Die Behörde steht still. „Da im konkreten Fall strafrechtliche Ermittlungen laufen, warten wir zunächst deren Ergebnis ab.“ Davon hängen in der Folge eventuelle dienstrechtliche Maßnahmen ab. thi

thi

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