Das Wunder vom Harras

Maria fällt 13 Meter in die Tiefe - unverletzt!

Die kleine Maria: Sie ist  immer fröhlich und aufgeweckt

München - Die zweijährige Maria ist am Dienstagmittag in der Bodenehrstraße in Sendling im vierten Stock ihres Wohnhauses vom Balkon gestürzt und nahezu unverletzt geblieben.

Melanie K. (32) kann nicht schlafen. Sie streicht ihrer Tochter (2), die neben ihr im Krankenhausbett liegt, immer wieder über den Wuschelkopf. Sie hört genau hin, ob Maria atmet. Sie kann es nicht fassen: Die Kleine ist vom Balkon im vierten Stock hinuntergefallen – und hat den 13-Meter-Sturz völlig unversehrt überstanden! Sie schüttelt den Kopf. „Wenn da ein Apfel runterfällt, zerspringt der in tausend Teile. Und Maria lacht sogar schon wieder…“ Das ist das Wunder vom Harras!

Hier vom 4. Stock fiel Maria (2) in die Tiefe. Vor den Balkonen hängt ein Taubennetz

Am Dienstagmittag ist die Bürokauffrau in ihrer Arbeit am Marienplatz. Ihr Freund Roy K. (45), ein Küchenhelfer, hat frei, er passt daheim in der Zwei-Zimmer-Wohnung an der S-Bahn-Haltestelle Harras auf das gemeinsame Kind auf. Maria spielt vergnügt im Wohnzimmer, der Vater huscht kurz in die Küche zum Mittagessen. Wenige Augenblicke später hört er ein Rumpeln. „Maria! Maria!“, ruft er durch die Wohnung. Er kann sie nicht finden! Dann hört er draußen ein Weinen – Maria!

Er blickt vom Balkon hinab: Da unten auf der Wiese liegt seine Tochter und schreit. Ein Nachbar aus dem ersten Stock steht schon bei ihr (siehe unten). Roy rast die vier Stockwerke hinunter. Er befürchtet das Schlimmste! Kurz darauf ist der Kindernotarzt da und bringt Maria ins Schwabinger Krankenhaus.

Unterdessen erfährt die Mama in der Arbeit von dem Unglück. „Mir ist das Herz stehengeblieben“, erzählt sie der tz. Sie stolpert in die U-Bahn, für die letzten Schritte zum Schockraum in der Klinik mobilisiert sie alle Kräfte. „Ich habe meine Schuhe ausgezogen, um schneller zu sein, ich bin nur noch gerannt.“

Nach einer Stunde bangen Hoffens haben die Ärzte Maria von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Und können die frohe Nachricht überbringen: „Ihre Tochter hat bis auf Schürfwunden und Prellungen nichts davon getragen. Sie muss gleich mehrere Schutzengel gehabt haben.“ Vor Erleichterung fangen die Eltern an zu weinen.

Wie ist solch ein Wunder möglich? Mithilfe der Polizei, des Nachbarn und den wenigen Sätzen, die die kleine Maria berichtete, rekonstruieren die Eltern, was sich da zugetragen haben muss: „Maria ist übers Sofa durch das Wohnzimmerfenster auf den Balkon gekommen und hat dort wohl einen Blumenkorb so nah an die Brüstung geschoben, dass sie hoch klettern konnte“, erzählt die Mutter. „Sie hat danach zu mir gesagt: ‚Mama, S-Bahn‘. Sie wollte wohl also zur Bahn rübersschauen und ist dabei übers Geländer gefallen.“

Das große Glück: Die ganze Fassade des Mietshauses in der Bodenehrstraße ist mit einem eng gespannten Taubennetz überzogen. „Dieses Netz hat Maria wohl abgefangen und damit die Fallgeschwindigkeit abgebremst“, sagt Sven Müller von der Münchner Polizei. Eventuell hat ein aufgespannter Sonnenschirm im Stock darunter zusätzlich abgefedert. Melanie K.: „Außerdem hatte Maria Riesen-Glück, dass sie auf der Wiese und nicht ein paar Meter daneben gelandet ist – da ist Beton …“

Maria selbst scheint glücklicherweise nicht zu ahnen, dass ihr Leben an einem seidenen Faden hing. Als ihrer Mutter neben dem Krankenbett wieder wieder die Tränen kommen, nimmt das tapfere Mädchen die Mama in den Arm und muntert sie auf. „Nicht weinen, Mama. Ist nicht schlimm. Alles gut. Sowas mach’ ich nimmer …“ In Marias Haaren hängen immer noch Grashalme.

Am 17. Mai wird Maria 3 Jahre alt. Ihre Mutter sagt: „Da feiern wir ihr zweites Leben."

Nina Bautz/Sebastian Arbinger

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