Countdown zur Freigabe für den Verkehr

Tunnel-Eröffnung: Wer war eigentlich Luise Kiesselbach?

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SO gut wie fertig: Die neuen Tunnel rund um den Luise-Kiesselbach-Platz.
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Bauleiter Johann Wittmann ist der Herr der Röhren.
Luise Kiesselbach
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Frauen- und Sozialpolitikerin Luise Kiesselbach.
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Was für eine Entschleunigung in der Garmischer Straße! Wo sich vor wenigen Jahren noch sechs Spuren durchzogen, gibt es bald nur noch vier. In der Mitte und an den Seiten laden jeweils grozügige, begrünte Flaniermeilen zum Spazierengehen ein. Unterbrochen wird der Straßenzug von mehreren Aufenhaltsflächen.
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Bis 2009 zog sich die graue Asphaltzunge durch die Garmischer Straße. Lastwagen, Busse, Autos – die ingesamt sechs Spuren in zwei Fahrtrichtungen waren regelmäßig verstopft, die Belastung für Anwohner durch Abgase und Motorenlärm enorm. Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören wird.
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Das sind die Ideen für spätestens 2017. Zwar ist die Gestaltung der Oberfläche am Luise-Kiesselbach-Platz noch einem Wettbewerb vorenthalten, eine Studie des Baureferats gibt es aber bereits. Hier oben sollen täglich noch rund 40 000 Autos unterwegs sein. Der Rest verschwindet für die Anwohner geräuschlos in den Röhren darunter.
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Ein Knotenpunkt am Mittleren Ring: Täglich bis zu 120.000 Autos rollten vor Baubeginn über den Luise-Kiesselbach-Platz. Vor allem für die Anwohner und Bewohner des Altenheims St. Josef bedeutete das oftmals viel Stress. Zwar gab es auch damals schon begrünte Flächen, das hohe Verkehrsaufkommen – darunter vor allem die Lastwagen – sorgten aber für wenig Wohlfühlatmosphäre.
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Während man an der Oberfläche die Seele baumeln lässt, rauscht wenige Meter darunter die Blechlawine durch.

München - Sechs Jahre Bauzeit haben ein Ende, endlich wird der Luise-Kiesselbach-Tunnel eröffnet! Wir zeigen den Vorher-Nachher-Vergleich und schenken Ihnen nützliches Wissen.

Seit 17 Jahren ist der neue Mega-Tunnel am Mittleren Ring beschlossene Sache. Am Montag, 27. Juli, öffnen sich jetzt endlich erstmals die Schranken an den Einfahrten der nagelneuen Röhren unter dem Luise-Kiesselbach-Platz. Damit ist der größte Teil der nunmehr sechs Jahre andauernden Bauarbeiten abgeschlossen.

In den kommenden zwei Jahren stecken Hunderte von Bauarbeitern ihre Kraft in die Fertigstellung der Oberflächen. An der Heckenstallerstraße beispielsweise entsteht ein prächtiger Park. Der Luise-Kiesselbach-Platz wird nach der Fertigstellung 2017 nicht mehr wiederzuerkennen sein – und an der Garmischer Straße sinkt das Verkehrsaufkommen wohl um zwei Drittel.

Mit den Tunnelpartys am vergangenen Wochenende, dem Lauf durch die Röhren am Donnerstag und dem Bürgerfest am Samstag feiern Stadt, Anwohner und Arbeiter die Eröffnung des rund 400 Millionen Euro teuren Projekts. Die tz feiert kräftig mit – und zwar mit einer spannenden Serie rund um den Luise-Kiesselbach-Tunnel. Von der Geschichte und der Verkehrsplanung über die leidgeplagten Anwohner und fleißigen Bauarbeiter bis hin zur feierlichen Eröffnung – in den nächsten Tagen erfahren Sie alles rund um die Riesen-Baustelle. Los geht’s mit den drei markantesten Punkten: Können Sie sich noch erinnern, wie es hier vor Baubeginn aussah …? Unsere Fotostrecke oben verrät es Ihnen!

Wer war Luise Kiesselbach?

Ganz München spricht vom Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz. Doch wer war eigentlich die Frau, der der Platz seinen Namen zu verdanken hat? Anlässlich der Eröffnung erinnert der Paritätische Wohlfahrtsverband an das Leben und Wirken seiner Gründerin. Luise Kiesselbach (1863 - 1929) war eine bekannte bayerische Frauen- und Sozialpolitikerin. 1909 wurde sie eine der ersten acht Armenpflegerinnen Bayerns. Von 1919 bis 1927 gestaltete sie als eine der ersten Stadträtinnen Münchens die kommunale Politik mit. Sie selbst musste früh Verantwortung übernehmen: Nach der schweren Erkrankung ihrer Mutter versorgte sie schon im Alter von 15 Jahren ihre Eltern und Großeltern. Später zog sie relativ früh verwitwet zwei Kinder groß. Ihre Tochter Auguste gehörte zu den ersten Medizinstudentinnen Bayerns – die Pionierrolle zieht sich durch. Luise Kiesselbach engagierte sich kraftvoll für Sozial- und Frauenpolitik. So entwickelte sie ein für damalige Zeiten hochmodernes Altenheim, baute Kinderheime auf, unterstützte Rentner und setzte sich für eine verbesserte Krankenversorgung ein.

30 Firmen im Dauereinsatz

Eine unfassbare Zahl! Während der Bauphase am Luise-Kiesselbach-Tunnel waren insgesamt 30 Firmen im Einsatz. Gleichzeitig tummelten sich also mehrere hundert Arbeiter auf der Mega-Baustelle. Mit rund 30 Leuten war beispielsweise die Firma Gebrüder Huber aus Neuried zugange. Sowohl der Erdaushub beim Tunnelbau als auch die Arbeiten an der Oberfläche gehören zum Aufgabenbereich des Unternehmens. Baggerfahrer Sven Lorenz: „Jetzt sollte es bald etwas ruhiger werden. Ich hoffe nur, dass sich diese Millioneninvestitionen auch für die Anwohner lohnen.“ Derzeit sind Lorenz und seine Kollegen mit Aufräumarbeiten und Vorbereitungen fürs Bürgerfest beschäftigt. das am Wochenende vor der Eröffnung steigt. Bauleiter Michael Neuschitzer: „Die Termine werden alle eingehalten. Das Baureferat hat das alles wirklich super im Griff.“

Eine große Leistung von allen Beteiligten

Er ist gewissermaßen der Tunnel-Vater, der Herr der Röhren – und besticht dennoch mit Bescheidenheit. Bauleiter Johann Wittmann (62) ist verantwortlich für die Koordination der Abläufe während der Bauabschnitte.

Wenn die Schranken an den Einfahrten des Tunnelsystems am Montag erstmals nach oben gehen und die ersten Autos durchrollen, macht sich bei Wittmann Erleichterung breit. Und Stolz? „Ja. Vor allem im Bezug auf die sehr gute Teamleistung“, sagt der 62-Jährige zur tz. „Da haben wirklich alle an einem Strang gezogen.“ Eine Einschätzung, die sich auch belegen lässt. Wittmann: „Wir haben unsere selbst gesteckten Ziele erreicht und teilweise sogar noch überboten.“ Denn: Die Fertigstellung des Tunnels erfolgte zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Den Arbeitern wäre theoretisch sogar ein Zeitpuffer bis Ende dieses Jahres geblieben“ erklärt Wittmann. Und auch bei den Kosten blieb man unter der prognostizierten Grenze von 400 Millionen Euro.

In den letzten Monaten vor der Eröffnung bestanden die Arbeiten vor allem aus aufwendigen Tests, Brandschutzversuchen, Funk- und Notrufprüfungen. „Eine besondere Herausforderung war das Verknüpfen der über 15 000 Datenpunkte“, sagt Wittmann. Auch der Verkehr wurde möglichst realitätsnah simuliert und die Tunnelüberwachung mit Videokameras überprüft.

Am Montagmorgen, 27. Juli, werden die Röhren für den Verkehr dann endlich freigegeben – allerdings nur in nördlicher Richtung. Wegen eventueller Anpassungen geht’s in Richtung Süden erst einen Tag später.

Johannes Heininger

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