Bezirksausschuss ausgestochen

Überraschung: Fußball-Fans wird Sendlinger Hochbunker zugesprochen

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Im Hochbunker an der Thalkirchner Straße 158 hätte der Bezirksausschuss gerne ein Kulturzentrum gesehen, nun ziehen Fußballfans ein.

Der Bezirksausschuss Sendling hat das Nachsehen: Statt ein kulturelles Zentrum für das Viertel im Gaißacher Hochbunker an der Thalkirchner Straße zu gründen, hat nun ein Verein zur Pflege der Fußball-Fankultur den Zuschlag für das denkmalgeschützte Gebäude erhalten. Das findet mancher dubios.

München - Nachdem mehrere Monate vergangen sind, in denen nicht klar war, wer den Gaißacher Hochbunker an der Thalkirchner Straße 158 künftig nutzen darf, herrscht jetzt Klarheit: Der „Verein zur Pflege der Münchner Fußballkultur“ hat den Zuschlag erhalten. Der Verein, der seit 2015 existiert, bestehe vornehmlich aus Anhängern des TSV 1860 München, so das Kommunalreferat.

Der Bezirksausschuss (BA) Sendling ging dagegen leer aus. Dieser wollte das Gebäude als kulturelles Zentrum für das Viertel nutzen, scheiterte aber aus wirtschaftlichen Gründen mit der Bewerbung bei der Stadt. Stattdessen läuft nach Informationen des Kommunalreferats der Mietvertrag mit dem Verein schon seit Dezember.

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Kritik an mangelnder Kommunikationsbereitschaft

Markus Lutz (SPD), Vorsitzender des BA Sendling, kritisiert die mangelnde Kommunikationsbereitschaft des neuen Mieters: „Es wäre schön, wenn der neue Verein Kontakt zum BA aufnehmen würde, um sich bei den Bürgern mal vorzustellen.“ Für Erwin Henke (Grünen) sind besonders die Renovierungsarbeiten, die im alten Bunker getätigt werden müssen, von großer Bedeutung: „Das denkmalgeschützte Gebäude muss fachgerecht renoviert werden, das muss transparent kommuniziert werden.“

Auf Verwunderung im BA Sendling stößt auch die Tatsache, dass der Verein zur Erhaltung der Münchner Fußballkultur bereits jetzt den Betrieb aufgenommen hat. In einem Schreiben vom Kommunalreferat, das dem Bezirksausschuss vorliegt, sei die Rede von einer Nutzung ab dem zweiten Quartal 2018. Auf Anfrage unserer Zeitung dementierte das Kommunalreferat diese Information und verwies auf die Tatsache, dass seit dem Beginn des Mietvertrags die Renovierungsarbeiten laufen müssten. Außerdem „ist es völlig legitim, wenn der Verein bereits jetzt kleinere Treffen in seiner neuen Stätte organisiert“.

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Kommunalreferats-Mitarbeiter befangen?

Im Sendlinger Bezirksausschuss hält man die Vergabe an den Verein mangels nicht vorhandener Kommunikation und Transparenz insgesamt für dubios. Auch deshalb, weil in den vergangenen zwei Sommern die Stätte für Konzerte, Ausstellungen und Gastronomie für die Öffentlichkeit mit Erfolg genutzt worden sei. Am Rande der jüngsten BA-Sitzung kursierten diverse Gerüchte. Unter anderem, dass ein Mitarbeiter des Kommunalreferates dem Verein, der nun den Zuschlag bekommen hat, sehr nahe stehen soll.

Der Verein selbst ist ein unbeschriebenes Blatt, de facto bisher kaum in Erscheinung getreten und er hat auch keine Internet-Präsenz. Der Bezirksausschuss hofft jetzt, dass die Protagonisten dieser Initiative zur Pflege der Fußballkultur zeitnah mit dem Gremium in Kontakt treten und die vom Verein geplante künftige Nutzung des Gaißacher Hochbunkers vorstellen werden.

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Lucas Sauter Orengo

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