Geständnis vor Gericht

Vergewaltiger muss hinter Gitter

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Das Fahndungsfoto von Etianne D.

München - Etienne D. (26) muss sich in München vor Gericht wegen Vergewaltigung verantworten. Er hat gestanden. Auch das Opfer musste am Montag als Zeugin aussagen und gab Einblicke in die Folgen der schockierenden Gewalttat.

Im schicken Karohemd und feinen Schuhen sitzt Etienne D. (26) auf der Anklagebank. Er wirkt gepflegt, spricht zunächst kein Wort. Immer wieder wird sein Prozess wegen besonders schwerer Vergewaltigung unterbrochen, damit sich seine drei Verteidiger mit Richter Gilbert Wolf besprechen können. Am Ende stellen sie Etienne D. maximal vier Jahre Haft in Aussicht. Im Gegenzug räumt er seine Tat ein und gesteht, Denise R. (30, Name geändert) brutal vergewaltigt zu haben. Der Studentin hatte er am 10. Mai 2014 am U-Bahnhof Aidenbachstraße aufgelauert und sie auf ihrem Heimweg überfallen, niedergeschlagen und schwer missbraucht.

Auch sie muss am Montag als Zeugin aussagen und gibt erstmals Einblicke in die Folgen der schockierenden Gewalttat. „Es vergeht kein Tag, wo ich nicht daran denke“, sagt Denise R. aus. Seit der Vergewaltigung braucht sie therapeutische Hilfe. „Ich kann nicht mehr alleine verreisen oder nachts vor die Tür treten.“ Sie leidet an schlimmen Ängsten und Schlafstörungen. „Meine Abschlussprüfungen an der Uni konnte ich deshalb nicht antreten“ – zu schwer sei sie belastet gewesen. „Wenn ich heute Männern begegne, empfinde ich oft Angst und Aggressionen.“ Mit ihrem Lebensgefährten ist sie aber weiterhin zusammen.

Nur drei Meter trennen Denise R. während der Aussage von ihrem Peiniger Etienne D., sie würdigt ihn keines Blickes. Er entschuldigt sich nicht bei seinem Opfer, muss aber 10 000 Euro Schmerzensgeld an sie zahlen. „Das ist nur gerecht“, sagt die Studentin. „Es ist furchtbar für mich, was geschehen ist.“ Unter Tränen fügt sie hinzu: „Das hätte alles nicht sein müssen.“ Nach einer Viertelstunde verlässt sie den Zeugenstand.

Für Etienne D. wird dieser Prozess im Knast enden – mindestens für drei Jahre und sechs Monate und maximal für vier Jahre, wie seine Anwälte es für sein Geständnis ausgehandelt haben.

Andreas Thieme

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