Auflagen der Stadt 

Zwangspause für Sendlinger Bunker

Platz für Kultur bietet der Bunker an der Thalkirchner Straße 158. Die Lokalbaukommission hat nun allerdings erklärt, öffentliche Veranstaltungen seien nicht zulässig. foto: haag

München - Das Kulturprojekt Sendlinger Bunker kommt nicht recht in die Gänge. Testweise startete im Juni die kulturelle Nutzung des ehemaligen Luftschutzturms. Jetzt erzwingen hohe behördliche Auflagen und niedrige Temperaturen eine Pause. Erst im Frühjahr soll es weitergehen.

Die Idee begeistert viele: Der seit zwei Jahren leerstehende sechseckige Hochbunker an der Thalkirchner Straße 158 soll dauerhaft den Sendlinger Bürgern zur Verfügung stehen (wir berichteten). Als sozialer Treffpunkt, als kultureller Begegnungs- und Veranstaltungsort. Genau das vermissen viele Menschen im Viertel. Im Mai hatte der Verein „Sendlinger Bunker“ deshalb das imposante Gebäude für 600 Euro monatlich von der Stadt gemietet. Rund 700 Arbeitsstunden investierten Mitglieder und freiwillige Helfer, um das im Zweiten Weltkrieg errichtete Bauwerk für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen – zuerst einmal bis zum Herbst.

Der Start verlief gut. Kulturreferat und Bezirksausschuss unterstützten das Bunker-Projekt mit einer Anschubfinanzierung. „Elly“, der Treff für Familien und Nachbarn, beteiligte sich an den Mietkosten. Im Juni feierte der Verein zusammen mit den Sendlingern die Eröffnung. Eingerichtet worden waren ein Café, kleine Bühnen für Konzerte, Theater und Lesungen, Räume für Ausstellungen, Filmvorführungen und probende Bands. Daneben die historischen Bezüge: Die Ausstellung „Bunkerwelten“ und Führungen erinnerten an die Geschichte des Bauwerks.

Die folgenden Monate waren für den Verein ein Test. Eine Probephase, die erst einmal bis zum Herbst laufen und zeigen sollte, für welche Art von Veranstaltungen sich der Bunker gut eignet. Der Verein wollte ausprobieren, was dort organisatorisch und finanziell umsetzbar ist und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Doch nach einer Weile gab es Probleme, mit denen niemand gerechnet hatte. Die ersten drei Veranstaltungen genehmigte das Kreisverwaltungsreferat noch. Dann trat die Lokalbaukommission auf den Plan. Sie pochte auf die Details der Genehmigung. Letztere schloss öffentliche Veranstaltungen aus. Später stellte sich auch noch heraus, dass sich laut Mietvertrag zwar hundert Menschen gleichzeitig im Bunker aufhalten dürfen, aber höchstens 30 pro Stockwerk. Konzerte sind unter diesen Voraussetzungen nicht möglich. Aber genau sie bringen den Erlös, der nötig ist, will der Verein das Kulturprojekt langfristig finanziell stemmen. Mehrere Veranstaltungen mussten abgesagt werden.

Nun geht es auf Sparflamme weiter. „Es ist kein endgültiges Aus. Wir geben nicht auf, sondern planen in jedem Fall weiterzumachen“, sagt Vorstandsmitglied Svenja Hofmann, die im Treff „Elly“ arbeitet. An einer Pause führe ohnehin kein Weg vorbei. Im Bunker gebe es keine Heizung, er sei dadurch also in den Wintermonaten nur begrenzt nutzbar.

Der Verein will nun erst einmal alle nötigen Dinge regeln und mit den Behörden abklären. „Wir werden einen Architekten hinzuziehen und eine Nutzungsänderung beantragen“, berichtet Hofmann. „Außerdem brauchen wir dringend neue Fenster, damit die Nachbarn künftig nichts mehr hören.“

Spätestens im Frühjahr soll es also mit der kulturellen Nutzung im Sendlinger Bunker weitergehen. „Vielleicht sogar auch schon früher“, sagt Hofmann: „Mit punktuellen Veranstaltungen, die auch im Winter möglich sind.“

Brigitta Wenninger

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