Nach Erhebung von „Angst-Orten“

Lokalpolitiker wehren sich: „Der Partnachplatz ist kein Angstraum“

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Der Bezirksausschuss Sendling-Westpark übt Kritik am Umfragemodell von Stadtrat Michael Kuffer (CSU), mit dem er Angst-Orte der Bürger sammelt.  Auch die Polizei hält dieses für nicht repräsentativ. 

München - Es ist eine Aktion, die die Meinungen spaltet: der „Angstraum-Melder“ von Stadtrat Michael Kuffer (CSU). Hier können Bürger im Internet ihrer Meinung nach unsichere Orte in der Stadt melden. Das Thema beschäftigte nun auch den Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark in seiner jüngsten Sitzung. Die Mitglieder des Gremiums fanden deutliche Worte.

„Unser Stadtbezirk ist vollkommen unauffällig“

Günter Keller (SPD), BA-Vorsitzender in Sendling-Westpark, sieht in der Aktion eine Instrumentalisierung von Angst.

Unter den sogenannten Angsträumen taucht auch der Partnachplatz auf. Für die Mitglieder des BA unverständlich. „Unser Stadtbezirk ist vollkommen unauffällig“, sagt der BA-Vorsitzende Günter Keller (SPD). „Das gilt auch für den Partnachplatz.“ In diesem Punkt waren sich alle Fraktionen an diesem Abend einig. Auch die Polizei bestätigt den Eindruck. „Niemand braucht sich fürchten – weder am Partnachplatz noch am Harras“, sagt Reinhard Endreß, stellvertretener Leiter der Polizeiinspektion 15 an der Treffauerstraße. Doch nicht nur das spezielle Beispiel steht in der Kritik – die ganze Aktion kommt weder beim BA noch bei der Polizei positiv weg. „Wir bezweifeln, ob das Ganze seriös ist“, sagt Endreß. Denn für die Ergebnisse wurden lediglich 170 Aussagen herangezogen. „Das gibt ein völlig falsches Meinungsbild und ist nicht repräsentativ.“

Auch die offiziellen Zahlen der Kriminalstatistik für 2016 sprechen eine andere Sprache. Denn daraus geht hervor, dass die Anzahl der Straftaten je 100.000 Einwohner im Vergleich zu den letzten Jahren um acht Prozent gesunken sind. Diese Zahlen spiegeln nach Polizeiangaben auch die Situation in Sendling-Westpark wider.

Angst-Melder: Aktion war reiner Wahlkampf

Für den BA-Vorsitzenden Günter Keller handelt es sich bei der Aktion um ein reines Wahlkampf-Werkzeug. Denn Kuffer, derzeit stellvertretender CSU-Fraktionsvorsitzender im Rathaus, ist Bundestagskandidat seiner Partei im Münchner Süden. „Das Thema wird dadurch instrumentalisiert“, so Keller. „Ängste, vor denen man angeblich schützen will, werden so geschürt.“ Dass das Thema Sicherheit wichtig ist, da ist sich BA-Vorsitzender Keller sicher. „Die Polizei sollte jedoch der erste Ansprechpartner sein.“ Einen positiven Aspekt findet Keller dann doch an den sogenannten Angsträumen. „Wenn unser Partnachplatz da dazuzählt, dann ist München sehr sicher.“ 

Lesen Sie hier den ausführlichen Bericht zum Thema: Angst-Atlas - Diese 20 Orte fürchten die Münchner am meisten.

Lisa-Marie Birnbeck

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