Feueralarm

Luise-Kiesselbach-Tunnel: Ein Störfall – und die Stadt steht still

+

Staufalle München: Das erleben täglich viele Autofahrer. Am Donnerstagabend kam der Verkehr sogar stundenlang großräumig zum Erliegen. Grund: Nach dem Fehlalarm einer Brandmeldeanlage musste der Luise-Kiesselbach-Tunnel eine Stunde lang gesperrt werden. Die Stadt versucht, die Panne zu ergründen.

München - München ist deutscher Meister bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Schön und gut – und die Stadt will ja noch mehr in den Ausbau des ÖPNV investieren. Aber München ist auch die Stauhauptstadt. Der Individualverkehr wird nicht weniger. Ganz im Gegenteil: Das Bevölkerungswachstum bringt auch immer mehr Autos in die Stadt.

Eine zu Jahresbeginn veröffentlichte Studie ergab, dass München unter 62 deutschen Ballungsräumen am schlechtesten abschnitt. Durchschnittlich verbringen Autofahrer hier 49 Stunden pro Jahr im Stau. Wichtige Abschnitte wie die Kapuziner- oder die Leonrodstraße haben in den vergangenen Jahren bauliche Veränderungen zugunsten von Busspuren und Radwegen erfahren. Das führt der ADAC an und kritisiert: „Autofahrer erleben dort nun Rekordstaus.“ Viele sehen das anders und vertreten die Auffassung, nur so könne man Autofahrer zum Umstieg auf den ÖPNV oder aufs Rad zwingen.

Luise-Kiesselbach-Tunnel: Ein Störfall legt die Stadt lahm

Wie auch immer. Wer Auto fährt oder sogar darauf angewiesen ist, muss sich mit der Realität auseinandersetzen. Und am Donnerstag zeigte sich mitten im Feierabendverkehr, dass es nicht viel braucht, um Chaos auszulösen: Die Brandmeldeanlagen in der Weströhre des Luise-Kiesselbach-Tunnels hatten laut Feuerwehr ohne erkennbaren Grund gegen 17.20 Uhr einen Alarm ausgelöst. Die Folge: Die Schranken vor dem Tunnel senkten sich, die Ampeln schalteten auf Rot. Autofahrer, die in der Röhre standen, wurden per Lautsprecher aufgefordert, ihr Fahrzeug zu verlassen. Das sieht der Sicherheitsplan vor, damit sich Personen im Brandfall in rauchfreie Bereiche retten können.

Laut Feuerwehr verhielten sich viele Autofahrer richtig und verließen den Tunnel zu Fuß. Die Einsatzkräfte stellten wenig später fest, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Es dauerte jedoch knapp eine Stunde bis 18.18 Uhr, ehe auch der letzte Autofahrer zu seinem Wagen zurückgekehrt war und ihn aus dem Tunnel fuhr. Erst dann konnte die Feuerwehr die Röhre wieder freigeben. Bis dahin hatten sich schon kilometerlange Rückstaus auf dem Mittleren Ring, den Autobahnen und vor allem im Münchner Süden gebildet. Tausende Autofahrer brauchten für ihren Heimweg doppelt oder dreimal so lange wie normal. Ärgerlich, dass gerade im 2,8 Kilometer langen Luise-Kiesselbach-Tunnel, der rund 400 Millionen Euro gekostet hat und erst vor zwei Jahren eröffnet wurde, eine derartige Panne passierte. Die Röhre wurde ja gebaut, um das tägliche Verkehrschaos am Mittleren Ring zu entzerren.

Um 20.19 Uhr gab es dann den nächsten Fehlalarm – im Brudermühltunnel. Auch hier kam es zu chaotischen Szenen in Richtung Westen. Augenzeugen berichteten, viele Autofahrer seien durch das Rotlicht unter der Anzeige irritiert worden und einfach stehengeblieben, statt eine Rettungsgasse für die Einsatzfahrzeuge zu bilden. Löschzüge steckten fest. Später kehrten auch hier Personen nur zögerlich zu ihren Fahrzeugen zurück – womöglich aus Angst, dass wirklich ein Feuer ausbrechen könnte. Die Sperrung des Brudermühltunnels dauerte bis etwa 20.55 Uhr. ADAC-Sprecher Stefan Dorner resümiert: „Es hat sich an diesem Abend gezeigt, dass schon ein Störfall das komplette System zum Erliegen bringen kann.“

Das sagt das Münchner Baureferat

Das städtische Baureferat erklärte am Freitag, aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens am Donnerstag sei es bereits vor den Tunnelsperrungen zu Rückstaus in den Tunnels gekommen. Die automatischen Brandmelder unter der Tunneldecke, die Teil der Brandmeldeanlage sind, hätten vermutlich aufgrund eines hohen Temperaturanstiegs vollautomatisch ausgelöst. Die Temperatur im Bereich der Brandmelder könne sich punktuell insbesondere durch Lastwagen mit Kühlaggregaten (Abwärme nach oben) und durch Lkw, deren Auspuffanlage die Abgase nach oben ausblasen, stark erhöhen. Das Baureferat sei dabei, zusammen mit den Herstellern der Brandmeldeanlagen sowie über die Auswertung der Videoaufnahmen die genaue Ursache zu ermitteln. Derartige Fehlalarme kämen in den Münchner Straßentunnels sehr selten vor.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Sendling - mein Viertel“.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler
Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler
Die Stadt München plant Verdopplung der Parkgebühren
Die Stadt München plant Verdopplung der Parkgebühren
Wer hat Pablo „ins Auto gelockt“? Neue Bilder des vermissten Jack Russells
Wer hat Pablo „ins Auto gelockt“? Neue Bilder des vermissten Jack Russells

Kommentare