Gewalttat an Schule

Münchner Lehrerin will Brotzeit machen - wenig später schreit sie um ihr Leben

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Das Opfer Maria P. im Gerichtsaal.

15 Jahre lang arbeitet die Hauswirtschafterin Maria P. (57, Name geändert) bereits als Lehrerin: Im Juni 2017 wurde die 57-Jährige plötzlich krankenhausreif geprügelt. Nun begann der Prozess.

München - Im ICP Berufsbildungswerk an der Garmischer Straße (Sendling-Westpark) half sie tausenden Schülerinnen und Schülern durch die Ausbildung. „Ich hatte immer nur positive Erfahrungen gemacht“, sagt sie. Bis zum 19. Juni 2017. An diesem Tag wurde sie in ihrem Büro krankenhausreif geschlagen.

Die mutmaßliche Täterin: ihre Schülerin Tuba S. (20). „Ich wollte gerade Brotzeit machen, da kam sie hereingestürmt und sprang auf mich. So schnell konnte ich mich gar nicht wehren“, erzählt Maria P. weinend im Landgericht. Noch immer belastet sie der Vorfall sehr, den sie während ihrer Zeugenaussagen noch einmal durchleben musste. 

„Ich hatte Todesangst“, sagt die Lehrerin. Am Boden eingerollt ertrug sie die wüsten Schläge der Schülerin, die ihr büschelweise Haare ausriss und sie so hart schlug, dass Maria P. etliche Blutergüsse am Oberkörper davontrug. „Ich habe nur noch geschrien“, schildert sie. „Denn auf dem Tisch lag auch noch eine Schere.“ Kollegen hörten die Hilferufe und konnten noch rechtzeitig eingreifen, bevor Schlimmeres passierte. Einen Monat lang war die Lehrerin nach der Attacke krankgeschrieben. Tuba S. musste in die Psychiatrie.

Die Angeklagte Tuba S. im Gericht: Laut Anklage hat die 20-Jährige eine Persönlichkeitsstörung.

Prozess in München: Stellt Tuba S. eine Gefahr für die Allgemeinheit dar?

Am Landgericht begann am Mittwoch nun die Aufarbeitung des Vorfalls in dem Schulzentrum. „Haben Sie noch Angst vor Ihrer Schülerin?“, fragte Richter Stephan Kirchinger die Lehrerin. „Ich weiß nicht recht“, antwortete Maria P.. „Mir geht die Sache immer noch nach. Ich hatte lange Schlafstörungen, kann aber wieder normal unterrichten.“

Die Frage des Richters zielte nicht nur auf P‘s Befinden. Denn laut Staatsanwaltschaft leidet Tuba S. unter einer organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung mit wahnhaften Zügen. Ob sie eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, muss das Gericht nun klären. Angeklagt ist die Schülerin wegen vorsätzlicher Körperverletzung – neben dem Vorfall in der Schule war es laut Staatsanwaltschaft noch zu drei weiteren körperlichen Übergriffen durch Tuba S. gekommen.

„Tuba hatte Probleme und die Probezeit ihrer Ausbildung nicht bestanden. Wir hatten ein schlechtes Verhältnis, weil sie überfordert war“, sagt die Lehrerin, die die Schülerin auch beim Klauen erwischt hatte. Nach einem Gesprächstermin beim Psychologen sei die Situation schließlich eskaliert. Bis zum 17. Dezember entscheidet das Gericht nun über eine dauerhafte Einweisung.

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Andreas Thieme

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