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Beliebtem Werk droht Abriss - Münchner Kult-Künstler will sich wehren: „Bin kampferprobt“

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Von: Nina Bautz

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Aktionskünstler Wolfgang Flatz in seinem Reich: Der Skulpturengarten hoch über Obersendling ist bereits von mehr als 10 000 Besuchern bestaunt worden.
Aktionskünstler Wolfgang Flatz in seinem Reich: Der Skulpturengarten hoch über Obersendling ist bereits von mehr als 10 000 Besuchern bestaunt worden. © Jens Hartmann

Sein Dachskulpturengarten in Obersendling hat in München schon Kult-Status. Jetzt wurde das Gebäude an einen Investor verkauft, es droht der Abriss. Aktions-Künstler Wolfgang Flatz will sich dagegen wehren.

München - Das Gewerbegebiet an der Kistlerhofstraße in Obersendling* fällt auf – maßgeblich dafür verantwortlich ist der Künstler Wolfgang Flatz. Der zeichnet nicht nur für die Fassadengestaltung verantwortlich, sondern hat dort sogar einen Dachskulpturengarten erschaffen. Der ist jetzt in Gefahr, die neuen Eigentümer haben Flatz gekündigt.

München: Kult-Künstler will sich gegen Pläne von Investor wehren

Das bunte, auffällige Haus, ganz in Gelb mit blauen Kreisen drauf, kennt fast jeder in Obersendling. Und auch der Skulpturengarten „Heaven 7“ des Kult-Künstlers Wolfgang Flatz auf dem Dach ist vielen Münchnern ein Begriff, ebenso wie die bunt bemalten Fassaden der weiteren Häuser in dem Gewerbekomplex. Wie unsere Zeitung erfuhr, ist das Kistlerhof-Areal in Gefahr. Es droht sogar der Abriss.

Das Haus mit dem Skulpturengarten aus der Vogelperspektive.
Das Haus mit dem Skulpturengarten aus der Vogelperspektive. © Prof Flatz

Laut Lokalbaukommission liegt der Stadt für die Kistlerhofstraße 70 seit Ende vergangenen Jahres eine Bauvoranfrage vor. „Dort wird ein möglicher Neubau dreier Gebäude mit Tiefgaragen abgefragt“, sagt Sprecher Thorsten Vogel. Dabei handle es sich zwar erst um die Klärung von baurechtlichen Fragen. „Aber in der Regel dient der Vorbescheid dazu, im nächsten Schritt einen Bauantrag zu stellen.“

Elvis’ Cadillac „Eldorado“ auf dem Dach an der Kistlerhofstraße.
Elvis’ Cadillac „Eldorado“ auf dem Dach an der Kistlerhofstraße. © Jens Hartmann

Wolfgang Flatz, der mit der Bemalung der Fassaden und seinem öffentlich zugänglichen, 3200 Quadratmeter großen Garten im sechsten Stock maßgeblich zur Entstehung des gesamten Gewerbe-Areals beigetragen hat und dort selbst auf drei Stockwerken mit Loft, Atelier, Werkstatt und Garten tätig ist, überrascht die schlechte Nachricht. „Mir wurde zwar schon 2020 für Ende 2023 gekündigt, aber bislang gab es immer nur Gerüchte“, erzählt er. Mit dem Vorbesitzer Hirmer habe er damals eine lebenslange Vereinbarung getroffen. Mit dem Verkauf an einen Investor im Dezember 2020 sei diese dann aber hinfällig geworden. Der aktuelle Eigentümer des ehemaligen BASF-Areals wollte sich zu den weiteren Planungen gegenüber unserer Zeitung nicht äußern.

München: „Das Areal hat kulturell eine große Bedeutung“

Flatz hofft nun auf breite Unterstützung, auch durch die Stadt. Die Linken im Stadtrat haben vor ein paar Tagen bereits einen Antrag zum „Erhalt der Kunst in der Kistlerhofstr. 70“ gestellt. Die Begründung der Initiatorin Marie Burneleit: „Das Areal hat kulturell eine große Bedeutung. Der Dachgarten könnte so auch nicht woanders aufgebaut werden.“ Der Antrag zielt auf den „Erhalt der künstlerisch bemalten Fassade und den Erhalt der Ausstellungsfläche auf dem Dach des nördlichsten Gebäudes“. Die Denkmalbehörden würden gebeten zu prüfen, ob ein eventuelles Entfernen des Skulpturengartens oder der Fassadengestaltungen denkmalschutzrechtliche Belange tangiere. Das könnte die Rettung des Areals sein. Weiter heißt es: Beides sei „für das Viertel künstlerisch bereichernd und als Kunstwerk schützenswert. Bei einem Abriss oder Umbau des Gebäudes würde eine wichtige, bekannte Kunststätte in München* verloren gehen“.

Kuenstler FLATZ hebt goldenen Wohnwagen auf sein Atelier Dach
Den goldenen Wohnwagen hat Wolfgang Flatz im Jahr 2013 auf dem Dach installiert. © People Picture/Jens Hartmann

So weit will es Aktionskünstler Wolfgang Flatz nicht kommen lassen. „In unserer Zeit ist das Verschwinden von Kultur zugunsten des Mehrwerts ein gesellschaftliches Problem.“ Der Erhalt seines Gartens, den bereits mehr als 10.000 Besucher besichtigt hätten, sei von öffentlichem Interesse. Sein Kunstwerk dürfe nicht „vernichtet“ werden. Flatz‘ Ansage: „Ich bin kampferprobt und werde den Kopf nicht in den Sand stecken.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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