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„Das Ganze ist eine Katastrophe“: Obststand muss für Großprojekt weichen, das einfach nicht beginnt

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Von: Tom Offinger

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Obststand in Sendling
Die Mannseichers vor ihrem Obststand in Sendling. © Hallo München

Der Obst- und Gemüsestand der Mannseichers an der Sendlinger Alramstraße steht vor dem Aus. Eine Sondernutzung wurde nicht genehmigt.

München - „Wir haben die ganze Saison sinnlos nicht gearbeitet. Das Ganze ist eine Katastrophe.“ Karlheinz Mannseicher ist die Frustration deutlich anzumerken. Gemeinsam mit seiner Frau Regina betreibt der 54-Jährige seit 2010 einen Obst- und Gemüsestand an der Sendlinger Alramstraße, Ecke Aberlestraße. Das Standl ist seit 1949 fester Bestandteil des Viertels und hat sich seitdem zu einer Institution für die Bewohner von Sendling entwickelt. „Wir haben uns das alles selbst aufgebaut, 95 Prozent unserer Kunden sind Stammkunden“, unterstreicht Mannseicher die Bedeutung des Standls. Besonders zu Beginn der Corona-Pandemie wurde der Stand zu einer zentralen Anlaufstelle im Viertel.

München: Obststand muss wegen Baustelle weichen - KVR erteilt keine Sondernutzung

Seit Beginn des Jahres ist die Versorgung des Viertels vorerst unterbrochen. Grund dafür ist die riesige Baustelle des Projekts „14 ALRAM“ – ein „Wohn- und Geschäftsensemble“ mitten im Herzen Sendlings. Im Oktober 2021 trat ein Vertreter des Bauherrn „M-Concept“ an die Mannseichers heran, deren Standl für eine Zufahrt beim geplanten Baubeginn 2022 weichen muss. In der Folge erhält das Paar vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) auch keine Sondernutzung für den alten Standort, der Zeitplan zum Baubeginn scheint festzustehen.

Doch die Baufahrzeuge lassen bis heute auf sich warten. Für Karlheinz Mannseicher ist die Situation unverständlich: „Es wäre doch kein Problem gewesen, uns eine Woche vor Baubeginn zu sagen, dass wir Montag weg sein sollen. Wir hätten unseren Stand in dieser Zeit normal bewirtschaften können.“ Dank Rücklagen und eines zweiten Stands in Gern sind die Mannseichers vorerst finanziell abgesichert, ein Trost ist das dennoch kaum: „Die würden uns mit ihrem Handeln ruinieren.“ 

„Wem soll ich in den Ferien denn jetzt noch Spargel und Erdbeeren verkaufen?“

Eine Antwort auf die Frage, warum das Bauvorhaben seit vielen Monaten ruht, erhielt Mannseicher von offizieller Seite nicht, auch der Sendlinger Bezirksausschuss, der dem 54-Jährigen zur Seite steht, kam mit seinen Anfragen nicht weiter. „Das KVR interessiert sich für unser Anliegen einfach nicht“, äußert der 54-Jährige zornig. Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt „M-Concept“, dass die Ausschreibungsphase zur Bauvergabe gestartet, aber noch nicht abgeschlossen sei. „Der Verbau der Baugrube ist abgeschlossen, der Rohbaustart ist für Ende dieses Jahres geplant“, heißt es weiter. 2023 soll der Bau fertig sein. Doch wie geht es nun für die Mannseichers weiter? Ein alternativer Stellplatz, wie er auch vom Sendlinger BA diskutiert und vorgeschlagen wurde, gestalte sich durch die Maße des Standls schwierig, zudem erschwere die Größe der Baustelle den Zulauf von Fußgängern.

Von „M-Concept“ wurde dem 54-Jährigen ein Ausgleich angeboten, einen konkreten Vorschlag habe er bisher nicht erhalten. Auch eine nachträgliche Öffnung bringe nun gar nichts mehr: „Wem soll ich in den Ferien denn jetzt noch Spargel und Erdbeeren verkaufen“, fragt Mannseicher. Mitten im Herzen Sendlings klafft durch die Baugrube bereits ein großes Loch. Durch das Verschwinden des beliebten Obst- und Gemüsestandls würde es wohl noch ein Stückchen größer werden. 

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