Luise-Kiesselbach-Platz

Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz sorgt für bessere Luft

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Der Verkehr fließt in der Röhre besser: Autos im Luise-Kiesselbach-Tunnel.

Im Ringen um saubere Luft hat München eine Problemstelle weniger: Der Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz hat ersten Messungen zufolge bewirkt, dass die Grenzwerte hier eingehalten werden. Ob 2017 stadtweit das erste Jahr seit Langem ohne Grenzwertüberschreitung wird, ist noch nicht absehbar.

Die Freude im Bezirksausschuss Sendling-Westpark war groß, als das Umweltreferat erste vorläufige Zahlen präsentierte. Der Halbjahres-Mittelwert für Feinstaub lag für den Zeitraum vom 3. Januar bis 30. Juni 2017 zwischen 21 und 23 Mikrogramm pro Kubikmeter, also deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert von 40 Mikrogramm. Allerdings gab es einzelne Spitzen: An 10 bis 14 Tagen wurden die Grenzwerte kurzzeitig überschritten. Die Stickstoffdioxidbelastung liegt mit Werten zwischen 26 Mikrogramm pro Kubikmeter an Garmischer Straße und Heckenstaller Park sowie 39 Mikrogramm pro Kubikmeter an der Einfahrt zum Heckenstallertunnel ebenfalls deutlich unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm. Die Zahlen ermutigen Umweltreferentin Stephanie Jacobs zu der Prognose, „dass der Jahresgrenzwert für Stickstoffdioxid voraussichtlich eingehalten wird“. Der Tunnel und die weiteren Baumaßnahmen hätten somit „eine lokale Verbesserung für die Luft erreicht“.

Alfred Nagel (CSU) aus dem Bezirksausschuss Sendling-Westpark.

„Wir haben es wohl geschafft“, triumphierte Alfred Nagel, CSU-Fraktionssprecher im Bezirksausschuss. Denn früher war der Luise-Kiesselbach-Platz ein umweltpolitisches Sorgenkind: Eine Messstation des Freistaats, die 2009 mit Beginn der Tunnelbauarbeiten abgebaut wurde, hatte regelmäßig Alarm geschlagen. Die Luftbelastung mit Stickstoffdioxid war zwar nicht so hoch wie an der Landshuter Allee, überschritt aber oft die gesetzlichen Grenzwerte.

Entwarnung kann nicht generell auf München übertragen werden

Zwei Jahre nach Eröffnung der beiden Tunnel am Mittleren Ring Südwest überwacht nun ein Institut im Auftrag der Stadt die Luftqualität an acht Messstellen, insbesondere an den Tunnelportalen. Dort nämlich wird die Luft aus den Röhren ungefiltert ausgeblasen. Die Befürchtung, die Schadstoffe aus der Abgaswolke der unterirdischen Autokolonnen könnten sich hier geballt niederschlagen, haben sich offenbar nicht bewahrheitet. Das, so verlautet aus dem Umweltreferat, sei „auf den Tunnel selbst und auch auf die weiterführenden baulichen Maßnahmen im Umfeld des Tunnels zurückzuführen“. Anzunehmen sei, dass insgesamt weniger Schadstoffe entstünden, weil der Verkehr jetzt besser fließe, während die Autos vor dem Bau des Tunnels lange Zeit im Stau standen, sagt Sprecher Alois Maderspacher.

Auf einen direkten Vergleich der Luftqualität vor und nach dem Tunnel muss der Bezirksausschuss noch warten. Diese Analyse sei erst nach Abschluss des gesamten Messjahres möglich, teilt die Stadt mit.

Die Entwarnung am Luise-Kiesselbach-Platz könne allerdings nicht generell auf München übertragen werden, mahnt das Umweltreferat. Zwar hat die Umweltzone bewirkt, dass die Feinstaubbelastung stadtweit seit 2012 nicht mehr über dem gesetzlichen Grenzwert lag. Doch die Stickoxid-Messlatte hat München bisher noch jedes Jahr gerissen. Als wesentliche Quelle dieses giftigen Gases gilt der Dieselverkehr.

Seit Jahren beschäftigt die Münchner Luft die Gerichte. Erst im Februar 2017 hat der Verwaltungsgerichtshof den Freistaat aufgefordert, den Luftreinhalteplan für München weiterzuentwickeln.

Eine aktuelle Auflistung des Bayerischen Landesamts für Umwelt gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Hier ist erfasst, an wie vielen Tagen in diesem Jahr die Grenzwerte schon überschritten wurden. Beim Feinstaub führt der Stachus mit 23 Tagen den Reigen der fünf Münchner Messstellen an – vor der Landshuter Allee (20), der Lothstraße (11), Johanneskirchen (19) und Allach (0). 35 Überschreitungen im Jahr sind erlaubt, zwölfmal dürfte der Tagesmittelwert am Stachus also noch über den Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter steigen. Das könnte wieder reichen, wenn nicht im Dezember eine Inversionswetterlage längerfristig für dicke Luft sorgt.

Stadt will eigene Stickoxid-Messungen im Stadtgebiet durchführen

Beim Stickoxid, dessen Konzentration weit weniger von der Wetterlage beeinflusst wird, ist es komplizierter. Der Stundenmittelwert von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde in diesem Jahr bisher nur an der Landshuter Allee überschritten – insgesamt zwölfmal, erlaubt sind 18 Überschreitungen. Doch relevant ist laut Maderspacher der Jahresmittelwert, und abgerechnet wird am Schluss. Ob München 2017 sauber geblieben ist, wird also erst in den ersten Tagen des neuen Jahres feststehen.

Stephanie Jacobs ist Umweltreferentin der Stadt München.

Egal, wie das Ergebnis ausfällt: Die Stadt will handeln. Mit Beginn 2018 will München zusätzlich zu den Messstationen des Landesamts eigene Stickoxid-Messungen im Stadtgebiet durchführen. Zudem hat sich der Stadtrat bereits im Januar 2017 für die Weiterentwicklung der Umweltzone mit neuen Plaketten ausgesprochen. Ältere Diesel würden dann ausgesperrt. Zuständig ist der Freistaat.

Die Stadt selbst fördert mit 60 Millionen Euro die Elektromobilität, und auch der öffentliche Nahverkehr soll weiter ausgebaut werden. Damit in München nicht mehr regelmäßig dicke Luft herrscht, sind darüber hinaus nach Ansicht von Umweltreferentin Jacobs „zwei Aspekte entscheidend: Die Autohersteller müssen endlich die Diesel-Fahrzeuge im Echtbetrieb sauber kriegen und der Bund muss seine Plakettenverordnung novellieren, sodass wir die erfolgreiche Münchner Umweltzone weiterentwickeln können.“

Lesen Sie auch: Das ist der Zehn-Punkte-Plan für bessere Luft

Christina Seipel und Peter T. Schmidt

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