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Münchnerin (91) stirbt einsam

Zwei Jahre tot in Wohnung: Darum haben die Nachbarn nichts bemerkt

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Tosounidis Aristotelis (34) lebte Tür an Tür mit der Seniorin.

Wie vielen Menschen das wohl passiert? Eine Münchnerin (91) liegt zwei Jahre tot in ihrer Wohnung. Niemand bemerkt etwas. Ein Nachbar versucht das Unfassbare zu erklären.

München - Die Geschichte der Seniorin († 91) aus der Cimbernstraße in Mitter­sendling, die zwei Jahre lang tot in ihrer Wohnung lag, hat die Stadt bewegt. Der traurige Fund ist aber kein Einzelfall, wie Polizei und Wohnungsentrümpler erzählen. Wie geraten Menschen in Vergessenheit – und warum fällt niemandem etwas auf? Die tz hat mit Experten und Nachbarn gesprochen:

„Wenn Türen luftdicht abschließen und neue Fenster verbaut sind, riecht man gar nichts“, sagt Peter Anders (50). Mit seiner Spezialreinigungsfirma ASD beseitigt er die Überreste der Toten. Anders kennt solche Fälle nur zu gut. „Erst kürzlich hatten wir eine Frau, die ein halbes Jahr tot in ihrer Wohnung lag“, sagt er. „Aber zwei Jahre – das ist wirklich ungewöhnlich.“

Auch Peter Reichl, Leiter des Kriminaldauerdienstes (KDD), kennt die Thematik: Dass jemand erst nach zwei Jahren gefunden wird, geschehe eher selten. „Aber es passiert immer wieder, dass Leute erst anrufen, wenn die Maden unter der Türe rauskriechen“, sagt er. „Das riecht bestialisch.“ Die Anonymität der Großstadt und ständiger Mieterwechsel können Gründe sein, warum immer wieder Menschen in Vergessenheit geraten. Reichl: „Ich erinnere mich an eine Zeit, in der man sich noch um seine Mitmenschen gekümmert hat. Die gewachsene Nachbarschaft gibt es nicht mehr.“

Kein Gestank, Nachbarn merken nichts

Weil aus der Wohnung der 91-Jährigen kein Gestank in den Flur strömte, haben die Nachbarn auch lange nichts bemerkt. Tosounidis Aristotelis lebt seit fünf Jahren gegenüber. Er sagt: „Ich habe die Frau sehr selten gesehen. Sie lebte zurückgezogen, wurde ab und zu mit dem Taxi abgeholt. Wir haben uns gegrüßt, mehr nicht.“ Im April 2015 hatte der 34-Jährige die Seniorin zum letzten Mal gesehen. Kurz darauf war sie tot.

Seit vergangenen Samstag ist die Wohnung versiegelt. Die Polizei wird den Schlüssel an einen Nachlassverwalter übergeben. Denn direkte Erben gibt es offenbar nicht.

Sobald die Seniorin anonym beigesetzt worden ist und ihre Wertsachen ausgeräumt sind, beginnt die Arbeit von Reinigungsexperten wie Peter Anders. Dann werden auch die letzten Spuren eines Lebens verwischt, das vor zwei Jahren so einsam endete...

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