Anwohner dagegen

Sendlinger Straße: Streit um geplante Fußgängerzone

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Die Sendlinger Straße könnte bald eine Fußgängerzone sein.

München - Die Sendlinger Straße könnte schon bald komplett zur Fußgängerzone werden. Während das die Geschäftsleute freut, formiert sich bei den Anwohnern schon Widerstand.

Die Verwaltung sieht einen Probeversuch im Jahr 2016 vor. Die meisten Geschäftsleute begrüßen den Plan, bei Anwohnern formiert sich Widerstand.

Das erste Teilstück der Sendlinger Straße bis zur Einmündung Hackenstraße ist bereits seit 2012 eine Fußgängerzone. Die Flaniermeile soll nun bis zum Sendlinger Tor ausgedehnt werden – und zwar ziemlich bald, wenn es nach dem Willen des Planungsreferats geht. Noch vor Weihnachten wird sich der Stadtrat mit dem Thema befassen. Alle großen Parteien haben bereits ihre Zustimmung signalisiert. Selbst die CSU hatte unlängst in Person von Fraktionsvize Michael Kuffer erklärt, „grundsätzlich im Boot zu sein“.

Skepsis der Geschäftsleute scheint sich gelegt zu haben

Mittlerweile hat die Verwaltung auch Informationsveranstaltungen für Einzelhändler und Anwohner abgehalten. Die anfängliche Skepsis der Geschäftsleute gegenüber einer Fußgängerzone scheint sich gelegt zu haben. Wolfgang Fischer, Chef des Interessenverbandes City Partner, sagte während der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel, er sei überrascht gewesen, in welcher Deutlichkeit sich die Geschäftsleute für eine Fußgängerzone ausgesprochen hätten. „Die Resonanz ist gut“, so Fischer.

Anders sieht das Stimmungsbild bei den Anwohnern aus. In den vergangenen Tagen wurden nach Informationen Fischers Flyer an Autos geklebt, auf denen vor einer Fußgängerzone gewarnt wurde. 91 Parkplätze würden wegfallen, das Radfahren werde verboten und in den Morgenstunden sei lärmender Lieferverkehr zu befürchten, heißt es darauf. Im BA erneuerte die Anwohnerin Bettina Rexer diese Sorgen. Sie wies auch auf die zahlreichen Praxen und die kleinteilige Struktur der Läden an der Sendlinger Straße hin. Falls eine Fußgängerzone eingerichtet werde, würden wohl die Mieten steigen, Filialisten in die Straße drängen und kleine Läden verschwinden, so ihre Befürchtung.

Eine Einschätzung, die im Bezirksausschuss durchaus kontrovers diskutiert wurde. Paul Pongratz, CSU-Mitglied im BA und seit vielen Jahren Wirt des Hackerhauses, konnte die Bedenken Rexers im Hinblick auf die Geschäftswelt nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil: Viele Einzelhändler würden sich die Fußgängerzone herbeisehnen, so Pongratz. Sein Fraktionskollege Stefan Blum sowie die FDP stellten sich hingegen auf die Seite Rexers. Blum sagte: „Wir sollten weitere Fußgängerzonen in der Innenstadt ablehnen.“ Er sorge sich sehr wohl um das „noch intakte Geschäftsleben“. Der BA solle die Argumente der Anwohner aufgreifen und nicht warten, „bis die Verwaltung etwas ausbrütet“. SPD und Grüne kritisierten indes das Vorpreschen Blums. Schaufensterreden seien zum jetzigen Zeitpunkt unangebracht, erklärten Jürgen-Peter Pinck (SPD) und Norbert Weigler (Grüne) unisono. Man benötige erst eine detaillierte Beschlussvorlage des Planungsreferats, um sich eine endgültige Meinung bilden zu können. Weigler riet dazu, die Emotionen aus der Diskussion herauszulassen. Der Grünen-Politiker: „Die Struktur in diesem Bereich ist sensibel – und es nicht unbedingt gesagt, dass eine Fortsetzung der Fußgängerzone dasselbe Erfolgsmodell wird wie im ersten Abschnitt.“

Parkplätze und Radlständer sollen wegfallen

In einem ersten Schritt sollen Parkplätze und Radlständer wegfallen, die Durchfahrt wäre für Autos und Radler bis zur Herzog-Wilhelm-Straße verboten. Für 50 bis 60 Anwohner bräuchte es eine Zufahrtsgenehmigung. Ein höhengleicher Ausbau von Fahrbahn und Gehsteigen wäre in dem provisorischen Gestaltungskonzept noch nicht vorgesehen. Zunächst sollen Erfahrungen gesammelt werden, wie sich die Fußgängerzone entwickelt.

Klaus Vick

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