Senioren kippen Klo-Schließung!

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Seniorenbeirätin Franziska Miroschnikoff (70)

München - Franziska Miroschnikoff (70) hat unter dem Applaus der Opposition ein Plädoyer fürs Örtchen in der Stadt. Die Debatte endet mit einem kleinen Erfolg: Die Häusl bleiben vorerst geöffnet!

Die Seniorenvertreterin Franziska Miroschnikoff (70) sprechen die Bürger derzeit nur auf ein Thema an: Die Stadt kann doch nicht so viele Toiletten schließen! Eine Bekannte hat ihr sogar das Foto eines Klo-Häusls in Ulm in den Briefkasten geworfen. Die können es doch auch.

München muss das auch können, findet die Seniorenbeirätin von Pasing und Obermenzing und trug den Protest in den Seniorenbeirat der Stadt. In allen Stadtteilen regen sich die Menschen auf. Franziska Miroschnikoff sagt: „Selten hat ein Thema die Senioren und unseren Beirat derart in Rage versetzt!“

Diese Worte schrieb die 70-Jährige den Politikern im Stadtrat ins Merkheft. Miroschnikoff, die selbst für die CSU im Bezirksausschuss sitzt, hielt unter dem Applaus der Opposition ein Plädoyer fürs Örtchen in der Stadt. Die Debatte endete mit einem kleinen Erfolg: Die Häusl bleiben vorerst geöffnet! Die rot-grüne Mehrheit hält zwar an der Schließung fest, will aber erst einen genauen Sanierungsplan für die übrigen Toiletten. Und bis die Handwerker anrücken – intern rechnet man mit einem Jahr –, kann noch viel geschehen …

Dabei hätten die ersten Klo-Häusl schon dicht sein können: Das Kommunalreferat wollte vor drei Wochen die Genehmigung des Stadtrats, 34 Anlagen „unverzüglich“, spätestens bis Oktober schließen zu können. Insgesamt betreibt das Kommunalreferat 73 Toiletten meist in U-Bahnhöfen, von denen drei jetzt schon geschlossen sind. Mit weiteren Örtlichkeiten in Grünanlagen und auf Friedhöfen kommt die Stadt auf 120. Betroffen ist jede vierte Toilette.

Schon in jener Sitzung hatte Seniorenbeiratschef Klaus Bode von einem „Sturm der Entrüstung“ gesprochen. Die Abstimmung war vertagt worden. „Beratungsbedarf“, hieß es. Hat Bode, der für seine SPD immerhin 24 Jahre die Geschicke in Ramersdorf-Perlach leitete, die Genossen zum Nachdenken gebracht?

Am Mittwoch legte Stellvertreterin Franziska Miroschnikoff nach: Nicht ein einziges Häusl soll für immer schließen. Es sei ein Hohn, wenn etwa am riesigen Waldfriedhof eines wegfallen soll mit dem Hinweis, auf der anderen Seite gäbe es ja noch ein anderes. „Senioren haben genug Probleme“, mahnte Miroschnikoff. „Toiletten sollten nicht dazu gehören.“ Ersatz-Klos in Gaststätten, über die freilich niemand verhandelt hat, kämen nicht in Frage. Sie liegen oft im Keller und seien vor allem für Behinderte fast nicht zu erreichen.

CSU-Vize Hans Podiuk stimmte zu und geißelte das „rücksichtslose“ Vorgehen der Verwaltung – scheiterte aber mit seinem Vorschlag für eine Arbeitsgruppe. Johann Altmann (Freie Wähler) sprach von einem „Schildbürgerstreich“. FDP-Frau Gabriele Neff wollte die Stadtwerke in die Verantwortung nehmen, schließlich liegen die meisten der Toiletten in U-Bahnhöfen.

Rot-Grün ärgerte sich über den „Populismus“ der Opposition und beschloss, etwa die Toilette am Odeonsplatz offen zu halten und nur noch 31 weitere zu schließen – irgendwann.

Franziska Miroschnikoff könnte den kleinen Erfolg feiern, will sie aber nicht: „Wir haben nur Zeit gewonnen.“ Der Protest gehe weiter.

David Costanzo

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