Er musste viermal operiert werden

Seniorin (83) prügelt Sani in Klinik

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Schlagkräftig trotz ihres Alters: Lieselotte Z. wird nach dem Urteil im Rollstuhl aus dem Gerichssaal geschoben. Sie will lieber in den Knast als bezahlen

München - Die Retter wollten, dass ihr Mann in die Klinik kommt. „Nein“, konterte Lieselotte Z. (83) und schlug einem Sani (42) den Telefonhörer ins Gesicht! Er musste viermal operiert werden, sie stand jetzt vor Gericht.

Trotz ihres stolzen Alters von 83 Jahren ist Lieselotte Z. eine resolute Frau, die ihren Willen durchzusetzen vermag. Als es am 9. Mai 2011 nicht nach ihrem Kopf ging, griff sie zu gewaltsamen Mitteln: Sie donnerte einem Sanitäter, der ihren schwerkranken Mann in die Klinik bringen wollte, einen Telefonhörer ins Gesicht!

Schwer verletzt musste der 42-jährige Sani selbst ins Krankenhaus eingeliefert werden. Am Montag wurde der schlagkräftigen Oma vor dem Münchner Amtsgericht der Prozess gemacht.

Sie trägt eine Perlenhalskette, goldene Armreifen, wertvolle Ringe. Obwohl Lieselotte Z. seit einer Rückenoperation im vergangenen Herbst auf den Rollstuhl angewiesen ist, legt sie größten Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Und auf ihre Unschuld: „Die Anklage ist ein Skandal!“

Sie selbst hatte an jenem Tag den Rettungsdienst gerufen. Ihr kranker Ehemann Horst ein früherer Wissenschaftler und einer der führenden deutschen Briefmarkenkundler, war aus dem Bett gestürzt. Sie selbst konnte ihm nicht helfen, deshalb rief sie den Rettungsdienst. Sie wies die Sanitäter Frank A. (42) und Thomas L. (33) an, ihn wieder ins Bett zu legen. Die Sanis untersuchten den am Kopf blutenden Mann und kamen zum Ergebnis, dass ein Notarzt hinzugezogen werden sollte.

Doch das missfiel Lieselotte Z. „Ich wusste, dass er jede Minute sterben kann“, sagte sie vor Gericht. „Ich wollte nicht, dass er in die Klinik kommt.“

Sie wollte die Sanis wieder loswerden, doch Frank A. bestand darauf, dass der Patient Hilfe benötige. Sie ist ziemlich laut geworden, berichtete er im Zeugenstand. Erst habe sie ihn zur Seite geschupst. Dann habe sie ihm den Telefonhörer – es handelt sich um ein älteres relativ schweres Modell – ins Gesicht geschlagen.

Mit einem Bruch des Jochbeins, einer Kieferverletzung und einem ausgeschlagenen Zahn musste er in die Klinik. Vier Operationen habe er über sich ergehen lassen müssen, berichtete der Sanitäter. Eine fünfte stehe noch aus. Bis heute könne er nicht richtig beißen.

Ein Jahr Gefängnis auf Bewährung forderte die Staatsanwältin für diese Tat. Verteidiger Michael Pfefferl fand das völlig überzogen und bat um Milde: „Meine Mandantin war in einer absoluten Ausnahmesituation.“ Richterin Aurelia Arend ließ tatsächlich Milde walten und verurteilte die 83-Jährige zu 180 Tagessätzen auf Vorbehalt – also auf Bewährung. Ihrem Opfer muss Lieselotte Z. allerdings 3000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Die Angeklagte: „Ich zahle nicht, ich gehe ins Gefängnis!“ Ihr Mann starb im Oktober 2011 mit 82.

Eberhard Unfried

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